Sport
Vor Waldhof - FCK: Fußball-Größen Günter Sebert und Fritz Fuchs im Derby-Gespräch
Was erwarten Sie vom Derby?
Sebert: In so einem Lokalderby zählt die Tabellenkonstellation nicht so viel. Die Waldhöfer sind vielleicht ganz leichter Favorit. Aber ich gehe davon aus, dass es eine ausgeglichene Partie wird. Die Atmosphäre wird gut, das wird ein Klassespiel. Da bin ich sicher. Ich hoffe natürlich, dass es im Umfeld der 90 Minuten ruhig bleibt, aber das hängt wohl auch ein bisschen vom Spielausgang ab.
Fuchs: Sportlich sind wir mittlerweile wieder im Abstiegskampf, der SV Waldhof ist auf Aufstiegskurs. Mannheim ist der Favorit, auch aufgrund der unnötigen Unruhe, die jetzt bei uns aufgekommen ist. Aber wir haben eine Chance, wenn wir die Ordnung, die Struktur und die Zweikampfstärke aus unserer Erfolgsserie im November und Dezember wieder reinkriegen. Und wenn die Jungs das ganze Drumherum ausblenden können, die Ehrmann-Sache, die Unruhe, den Hype ums Derby. Aus meiner Erfahrung als Spieler kann ich sagen: Du ziehst dich um, hast den entsprechenden Adrenalin-Ausstoß und blendest im Spiel automatisch alles andere aus. Denn sportlich ist der Unterschied zwischen den Mannschaften nicht groß. Ich hoffe, dass beide Fanlager vernünftig sind.
Zur Großwetterlage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des FCK und des SV Waldhof?
Sebert: In der Winterpause konnte man noch davon ausgehen, dass es ein Spitzenspiel wird. Aber der FCK ist nicht gut ins neue Jahr gestartet und muss jetzt gucken, dass er in der Tabelle nicht ganz hinten reinrutscht. Die Waldhöfer können ohne Druck aufspielen, denn sie spielen eine starke Saison. Selbst der Durchmarsch ist nicht ausgeschlossen.
Fuchs: Man muss den Hut davor ziehen, wie sich der SV Waldhof nach den vielen Tiefschlägen in der Vergangenheit nun in den letzten Jahren entwickelt hat. Davon träume ich beim Blick auf unseren FCK auch. Bei den Mannheimern wird zurzeit finanziell und sportlich hervorragende Arbeit geleistet, ich habe guten Kontakt zu Trainer Bernhard Trares und dem Sportlichen Leiter Jochen Kientz. Ich wünsche mir ein Fußballfest – eine gesunde Rivalität ist doch etwas Wunderbares.
Wie schätzen Sie die Teams ein?
Sebert: Der SVW hat eine richtig gute Mannschaft, die einen guten Fußball spielt, weil sie gut aufeinander abgestimmt und eingespielt ist. Der FCK hat Probleme, Konstanz in die Leistungen zu bringen. Fußballerisch sind die Waldhöfer wohl im Vorteil.
Fuchs: Waldhof ist unglaublich stabil, da sieht man die Handschrift von Trainer Trares. Sie strotzen vor Selbstbewusstsein, haben das Spiel bei Tabellenführer Duisburg gedreht, nach 0:2 noch 3:2 gewonnen. Daran sieht man, dass die Mannschaft intakt ist.
Welche Auswirkungen hat die Freistellung der FCK-Ikone Ehrmann?
Sebert: Gerry Ehrmann ist eine Ikone beim FCK, deshalb muss schon etwas vorgefallen sein, dass so eine Entscheidung gefällt wird. Ich kenne ihn ja von früher – ein impulsiver Typ. Man muss in seinem Trainerteam loyal sein. Durch die Personalie ist jetzt noch etwas mehr Zündstoff drin.
Fuchs: Ich glaube, dass das unnötige Theater sich auf die Mannschaft auswirkt. Aber das steckt jeder Mensch anders weg. Die psychisch starken, erfahrenen Leute, Spieler wie hinten André Hainault und Kevin Kraus müssen die anderen in der Mannschaft aufbauen, ihnen helfen. Torwart Lennart Grill ist zwar jung, aber er hat schon häufiger gezeigt, dass er psychisch sehr stabil ist. Ansonsten hoffe ich, dass man mit Gerry eine gütliche Einigung findet und nicht am Ende auch noch vor Gericht landet.
Wo schauen Sie sich das Derby an?
Sebert: Ich werde im Stadion sein wie bei fast jedem Heimspiel. Ich habe auf der Haupttribüne einen Sitz mit meinem Namensschild drauf. Diesmal konnte ich sogar meine Frau überreden, mit ins Stadion zu kommen. Wir werden etwas früher losfahren, damit wir die Stimmung vor dem Anpfiff miterleben können.
Fuchs: Ich werde nicht zum Derby nach Mannheim fahren. Ich werde unsere zweite Mannschaft, unsere U21, auf dem Fröhnerhof unterstützen. Sie hat am Samstag fast zeitgleich um 13.30 Uhr ein Spitzenspiel daheim gegen Schott Mainz. Nebenbei verfolge ich das Derby übers Smartphone, diese Möglichkeiten gibt es ja heute zum Glück.
