Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Viel Luft nach oben: DFB-Frauen besiegen Vietnam 2:1

Laura Freigang (10, links) und Lena Lattwein (14) schlagen im Spiel am Ball vorbei.
Laura Freigang (10, links) und Lena Lattwein (14) schlagen im Spiel am Ball vorbei.

Beim mühsamen Länderspielsieg der deutschen Fußballerinnen gegen WM-Neuling Vietnam feiern in Offenbach vor allem die Gästefans. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg findet nach dem Abpfiff deutliche Worte.

Es gab ziemlich viele Menschen auf der sonnenüberfluteten Gegengerade der traditionsreichen Spielstätte am Bieberer Berg, die schwenkten am Samstag unentwegt ihre roten Flaggen mit gelbem Stern. Dass ihr Frauen-Nationalteam aus Vietnam in Offenbach vorspielte, versetzte eine stattliche Anzahl an Landsleuten in helle Aufregung. Als Neuling bei der WM in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) geht es für die Fußballerinnen aus Vietnam nur um ein ehrbares Abschneiden, dagegen haben sich deutsche Spielerinnen vorgenommen, den dritten Stern – also den nächsten Titel nach 2003 und 2007 – zu gewinnen. Diesem Anspruch konnte die bunt durcheinander gewürfelte DFB-Auswahl im ersten und zugleich vorletzten WM-Vorbereitungsspiel jedoch nicht ansatzweise gerecht werden. Unterm Strich stand ein mühsamer 2:1-Arbeitssieg.

Unter den 13.652 Zuschauern feierten am Ende aber nur die Asiatinnen frenetisch. Wegen des späten Anschlusstreffers von Thanh Nha Nguyen in der Nachspielzeit (90.+2) folgte sogar noch eine Ehrenrunde. Derweil sprach Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg an die deutschen Fans fast schon eine Entschuldigung aus. „Das ist nicht die Idee, wie wir Fußball spielen wollen. Es gibt in allen Bereichen noch ganz viel zu arbeiten und ganz viel zu tun“, sagte die 55-Jährige: „Wir sind bei 40 Prozent.“

Fehlertoleranz ausgereizt

Trotzdem hätte sie sich gewünscht, dass ihr Ensemble die von ihr ausgegebene „Fehlertoleranz“ nicht dermaßen ausreizt. Im athletischen Bereich will Voss-Tecklenburg die nächste Zeit vorankommen, „die Fitness schieben wir nach oben, aber ich weiß nicht, ob jede Spielerin unsere Prinzipien bei der Positionierung verstanden hat“. Außerdem habe sie bei einigen Basistugenden „einen anderen Anspruch“.

Stolz waren nach dem Spiel vor allem die Vietnamesinnen, die eine Ehrenrunde absolvierten.
Stolz waren nach dem Spiel vor allem die Vietnamesinnen, die eine Ehrenrunde absolvierten.

Ein feiner Hackentreffer von Paulina Krumbiegel auf Vorlage von Nicole Anyomi (3.) weckte frühe Erwartungen, die lange nicht erfüllt wurden. Immerhin schaffte die eingewechselte Janina Minge noch einen zweiten Treffer (80.).

„Wild gespielt“

Lena Lattwein fand deutliche Worte für den zusammenhanglosen Auftritt: „Das war eine zusammengewürfelte Mannschaft, aber so wild haben wir auch gespielt. Wir müssen uns in vielen Bereichen steigern. Wir hatten offensiv keinen Zug zum Tor und defensiv eine schlechte Positionierung.“

Deutschland hatte zweimal Grund zur Freude.
Deutschland hatte zweimal Grund zur Freude.

Nach der erst am vergangenen Dienstag angelaufenen Vorbereitung mit erst drei Trainingseinheiten bleibt als Erklärung für diese durchwachsene Vorstellung, dass die meisten Stützen vom VfL Wolfsburg und FC Bayern ja noch fehlten. Die Münchner hatten mit ihrer verspäteten Abstellung von fünf Akteuren natürlich Mitschuld am unrunden Auftritt, weil niemand aus dem Bayern-Quintett mitspielte.

Physische Vorteile nicht genutzt

Dass der Rest des Kaders dennoch klare physischen Vorteile gegen diesen im Schnitt einen halben Kopf kleineren Gegnerinnen nicht ausspielten, sah verstörend aus. Gut, dass vom vor drei Wochen im Champions-League-Finale geforderten VfL Wolfsburg nicht noch Merle Frohms geschont wurde, die nicht nur bei einem Fernschuss von Thin Van Duong famos rettete (42.). Als Sophia Kleinherne einen schlimmen Fehlpass spielte, schoss Kapitänin Hai Yen Pham zum Leidwesen ihrer Anhänger nur ans Außennetz (77.). Auch im Vorwärtsgang klappte bei der DFB-Auswahl nicht wirklich viel. So lief das Spiel beispielsweise an der auf mehr Einsatzzeit drängenden Laura Freigang vorbei. So wichtig die Führungsspielerin von Eintracht Frankfurt für die Harmonie ist, sucht sie auf dem Platz im DFB-Dress vergeblich ihre Rolle. Dabei sollten sich laut Voss-Tecklenburg doch die „Spielerinnen im Selektionsprozess“ zeigen.

 Jubelnde Fans in Offenbach.
Jubelnde Fans in Offenbach.

Doch unendlich Zeit, bis zum Abflug am 11. Juli nach Sydney an der Abstimmung zu feilen, ist eben auch nicht. Das erste Trainingslager endet bereits am Dienstag, ein zweites steigt dann vom 2. bis 8. Juli, wobei die darin integrierte WM-Generalprobe gegen Sambia in Fürth (7. Juli/20.30 Uhr/ARD) einen „emotionalen Push“ (Voss-Tecklenburg) geben soll.

Es braucht aber auch einen fußballerischen Schub, wenn dieses Team nach der machbaren Vorrunde gegen Marokko (24. Juli), Kolumbien (30. Juli) und Südkorea (3. August) vor einer Achtelfinalhürde wie Brasilien oder Frankreich stehen sollte. Sonst könnte die in deutschen Großstädten angelaufene WM-Kampagne zum Erwerb des dritten Sterns schnell ins Leere laufen.

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