Motorsport
Valentino Catalano: Ohne Führerschein Autorennen gefahren
Valentino Catalano blieb hartnäckig. Der Knirps nervte seinen Vater sozusagen regelmäßig. Irgendwann war Papa Daniel das Genörgel zu viel und der Sohnemann durfte endlich das tun, was er wollte: Kart fahren. Da war Valentino Catalano gerade mal fünf Jahre alt, als er beim Motorclub Haßloch erste Erfahrungen mit dem Rennsport sammelte.
Der Motorsport wurde dem Jungen quasi in die Wiege gelegt. Denn schon sein Vater Daniel war Rennfahrer in der Formel König, in der auch der junge Michael Schumacher erste Erfolge feierte. „Bei uns daheim standen ganz viele Pokale rum, und ich habe meinen Vater schon früh genervt, weil ich unbedingt Kart fahren wollte. Am fünften Geburtstag bekam ich dann endlich meinen ersten Helm und die ersten Handschuhe“, erzählt Valentino. Sein Vater nahm ihn schließlich mit nach Haßloch. „Seitdem hänge ich da fest“, sagt Valentino.
Nach ersten Fahrversuchen geht es steil bergauf
Die ersten Fahrversuche erfolgten auf einem großen Parkplatz, auf dem mit Pylonen ein Slalomparcours abgesteckt wurde; mit einem Kart, der höchstens 60 Stundenkilometer schnell fuhr. Dabei war er so erfolgreich, dass ihn diese Zeitung im Jahr 2014 mit nur neun Jahren zum „Talent des Jahres“ kürte. Ein Jahr später folgte der Schritt auf die richtigen Rennstrecken, gekrönt vom Sieg beim ADAC Cart Cup Junior im Jahr 2018 mit 13 Jahren. Ein weiteres Jahr später gewann Catalano alle Rennen in der Juniorenklasse der Formel 4, die ein Bindeglied am Übergang von Kart- zu Autorennen ist.
Ab da ging es Schritt für Schritt weiter, Valentino fuhr Autorennen, obwohl er noch gar keinen Führerschein hatte: „Den habe ich erst seit einem Jahr. Ich musste trotz meiner Rennerfahrung alle Fahrstunden nehmen, die alle anderen auch brauchen. Aber zum Glück ist mir das leicht gefallen.“
Für Team Gebhardt im Cockpit
Seit diesem Jahr fährt der Pfälzer für das traditionsreiche Team Gebhardt. „Luigi Mele, einer ihrer Mitarbeiter, kannte meinen Opa noch aus der Schulzeit“, erzählt Catalano: „Der hat nachgefragt, ob ich an einem Wechsel interessiert sein könnte.“ Der Wechsel hat sich für beide Seiten gelohnt. 2024 holte Catalano, der inzwischen als Förderpilot von der ADAC Stiftung Sport unterstützt wird, den Titel beim ADAC Prototype Cup. Der besteht aus sechs Rennwochenenden mit jeweils zwei Rennen, wobei das erste Wochenende wegen Schlechtwetter abgesagt werden musste. Die ausgefallenen Rennen wurden später am Lausitz- und am Hockenheimring nachgeholt.
Drei Rennen an einem Wochenende sind eine extreme Belastung für die Fahrer, körperlich und mental. In den Autos gibt es keine Klimaanlage, weil jedes zusätzliche Gewicht vermieden werden muss. Da der Motor direkt hinter dem geschlossenen Cockpit platziert ist, erreichen die Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius. Und die Fahrer tragen Helme, Rennanzüge und feuerfeste Unterbekleidung. Außerdem wirken in den Kurven extreme Kräfte auf die Körper der Fahrer – manchmal das Dreifache des eigentlichen Körpergewichts der Piloten. Um sich auf die Belastungen bestmöglich vorzubereiten, bekam Catalano einen Trainingsplan von der ADAC-Stiftung Sport, bei dem Ausdauer und Kraftübungen ohne Zuhilfenahme von Gewichten im Vordergrund stehen. Fünfmal pro Woche trainiert der 18-Jährige.
Parallel zu den Rennen macht er Abitur
Auch der mentale Aspekt spielt eine Rolle, sagt der Westheimer: „Die Rennen bedeuten großen Stress. Man fährt über 200 Stundenkilometer schnell, ganz eng an den anderen Autos, da braucht es volle Konzentration.“ Der Puls schnellt bei den Rennen nach oben, doch Catalano hat Rituale und Atemübungen, um den Herzschlag zu reduzieren.
Wenn er keine Rennen fährt, ist Valentino Catalano mit seinem Fachabitur am Kurpfalz-Gymnasium in Mannheim beschäftigt. Schließlich braucht man einen Plan B, falls die Rennfahrerkarriere nicht wie gewünscht verläuft. Aktuell absolviert er ein Praktikum in der Firma seines Großvaters, die sich mit der Restauration von Autos befasst.
Kurzfristig will der Pfälzer seine Erfolgsgeschichte mit Gebhardt ausbauen und in anderen Rennserien Titel gewinnen. Langfristig will er die 24 Stunden von Le Mans gewinnen – und einige andere große Rennen wie Daytona oder Sebring. Daher strebt Catalano danach, von einer Automobilmarke als Werkfahrer verpflichtet zu werden. Das erleichtert einiges.