Eiskunstlauf
Trotz Bestleistungen ist Deutschland von WM-Medaillen weit entfernt
Ein fünfter Platz im Paarlauf und damit drei WM-Startplätze für 2023: Die Berliner Minerva Hase und Nolan Seegert haben ihre durchwachsene Saison mit einer souveränen Leistung beendet. Doch ob es nächste Saison genug deutsche Paare gibt, die diese Startplätze nutzen können, ist fraglich: Seegert, der im Juli 30 wird, denkt ans Aufhören. „Wir wollen in den nächsten Monaten entscheiden, wie es weiter geht“, sagte er.
Abhängen könnte die Entscheidung auch davon, wie lange der Krieg in der Ukraine und die Sperre für russische Sportler dauern. Die Berliner trainieren eigentlich in Russland. Eine neue Trainingsbasis dürfte sich jedoch finden, sollte der Ausschluss Russlands fortbestehen. Ohne die drei Top-Paarlaufteams aus St. Petersburg und Moskau hätten Hase/Seegert zudem eine EM-Medaille ziemlich sicher als derzeit zweitbestes europäisches Paar hinter den Georgiern.
Das zweitbeste deutsche Paar Annika Hocke/Robert Kunkel wiederum steckte diese Saison in einem Tief. Und dem dritten Paar fehlt die Startberechtigung: Ruben Blommaert trainiert zwar seit 2020 mit der finnisch-russischen Läuferin Alisa Efimova. Die 22-Jährige hat aber noch keine Freigabe des russischen Verbands.
Nicole Schott überzeugt
Zwei deutsche Frauen-Startplätze für die WM 2023 wiederum holte Nicole Schott, die Zehnte wurde. Besser lief seit 1998 keine Deutsche auf WM-Ebene. Nach ihrem starken Kurzprogramm konnte sie in der Kür trotz nur eines offensichtlichen Fehlers – ein Salchow gelang nicht dreifach – nicht das hohe Niveau des Wettbewerbs erreichen. Die 25-Jährige will nun noch weiter laufen. Der zweite Startplatz könnte an die in Mannheim ausgebildete Kristina Isaev gehen.
Auch im Männer-Wettbewerb steigt das Niveau stetig an – und die deutschen Läufer können kaum Anschluss halten. Der 19-jährige Nikita Starostin ist bei seinem WM-Debüt mit 205,72 Punkten auf Platz 22 gekommen. Zum Vergleich: Sieger Shoma Uno aus Japan erzielte über 100 Punkte mehr. Was Starostin nach vorn bringen könnte: Er trainiert in Belgien beim Team, das Loena Hendrickx betreut, die in Montpellier Silber gewann. Gold ging auch hier an Japan, das insgesamt vier Medaillen holte – die USA erreichten sogar fünf.
Stärker noch bejubelt wurden jedoch die ukrainischen Starter, insbesondere die Eistänzer, die zu Jamalas ESC-Krimlied „1944“ und einem ukrainischen Volkslied antraten, das zu einer Art Kriegshymne geworden ist. Die deutschen Eistänzer fehlten wegen eines positiven Covid-Tests.