Handball
Tom Jansen: Nah der Heimat nur EM-Zuschauer
Statt auf dem Spielfeld zu stehen, musste Jansen sich am Donnerstagabend „schweren Herzens“ mit der Rolle des Zuschauers in der Mannheimer SAP-Arena begnügen. Der gebürtige Pfälzer, der wegen der Staatsangehörigkeit seiner Eltern seit fünf Jahren auch das Trikot der niederländischen Handball-Nationalmannschaft trägt, hatte sich Anfang Oktober in der Partie seines Vereins VfL Gummersbach bei der HBW Balingen-Weilstetten das linke Kreuzband und den Meniskus gerissen. Damit zerplatzte ein Kindheitstraum, ein EM-Turnier in Deutschland zu spielen.
Im Oktober wurde Jansen in Köln operiert und wird erst zur Saison 2024/25 wieder aufs Parkett zurückkehren. „Das tut schon sehr weh“, erzählt der 29-malige Nationalspieler. „Am Anfang war es für mich noch viel schwieriger. Jetzt geht es. Ich muss mich einfach damit abfinden“, sagt der Blondschopf: „Gerade in Deutschland, dazu noch in Mannheim vor eigenem Publikum, das wäre für mich was ganz Besonderes gewesen. Aber es ist jetzt so, wie es ist. Es ist sehr, sehr schade.“
In der Jugend spielte Jansen bei der TSG Haßloch, beim TV Hochdorf und bei der TSG Friesenheim. Dann folgte die aktive Zeit in Hochdorf und in Schwetzingen.
Die Kameraden bereits besucht
Schon am Dienstagabend, als das niederländische Team sein Quartier im Radisson Blue in den Quadraten bezog, machte Jansen einen Abstecher zu seinen Kameraden: „Es tat gut, meine Freunde wieder zu treffen und sich gegenseitig in den Arm zu nehmen. Ich hatte sie vermisst.“ Auch die Kollegen freuten sich, ihn, der in den kommenden ein bis zwei Wochen mit leichtem Lauftraining beginnen wird, wieder zu sehen. Jansen gehört inzwischen zum festen Stamm der Niederländer. Er wird deshalb alle Spiele seiner Mannschaft in der SAP-Arena verfolgen.
Eigens wegen der EM hat er seine Reha für mehrere Wochen in die Quadratestadt verlegt. „Die EM wollte ich auf keinen Fall verpassen, auch wenn ich jetzt in einer ungewohnten Rolle bin“, sagt Jansen. Er wird aber nicht im Mannschaftsquartier sein. „Man muss dem Team auch die Ruhe geben. Ich versuche den Abstand zu wahren. Dafür werde ich mich mit den Kameraden sicherlich direkt nach einem Spiel treffen“, erzählt er.
Die Reha darf nicht leiden
Derzeit wohnt Jansen bei Freunden in Heidelberg und absolviert seine Reha im Mannheimer Sportpark Pfeifferswörth – einen Steinwurf von der SAP-Arena entfernt, wo die Niederlande um ihren Cheftrainer Staffan Olsson um die Punkte für den Einzug in die Hauptrunde spielen. „Mein Fokus liegt klar auf der Reha. Diese darf wegen der EM nicht leiden. Ich will wieder zurückkommen“, betont Jansen.
Gestern Abend gelang dem Team Oranje gegen Georgien mit 34:29 der erwartete Auftaktsieg. „Wir haben keine leichte Gruppe. Aber auch gegen Bosnien können wir mit unserem schnellen Spiel was erreichen. Dann schauen wir, was gegen Schweden, den Europameister, möglich ist“, sagt Jansen.