FCK
Tobias Sippel mit Gladbach auf seinem „Betze“ – Auch Gerry Ehrmann kommt
Montage sind nicht jedermanns Sache. Tobias Sippel aber freut sich riesig auf Montag. Dann, am 9. August, weilt der Torwart endlich wieder mit einer Fußballmannschaft auf dem Betzenberg. Der ist während seiner 17 Jahre beim 1. FC Kaiserslautern lange sein zweites Wohnzimmer gewesen. Nun kommt Sippel dort zum ersten Mal als Spieler einer gegnerischen Mannschaft hin.
Ob er für den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach am Montag (20.45 Uhr) im DFB-Pokal-Erstrundenspiel beim Lauterer Drittligisten tatsächlich aufläuft, ist noch offen.
„Ein ganz besonderer Abend für mich“
„Es wird aber so oder so ein ganz besonderer Abend für mich“, sagt Sippel im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Es werden viele Kumpels von mir da sein“, erzählt der 33-Jährige, bei den Gladbachern der Torwart hinter dem unumstrittenen Schweizer Nationaltorhüter und EM-Viertelfinalisten Yann Sommer (32). Seinen Kollegen lobt Sippel, einst deutscher Juniorenspieler und U21-Europameister 2009, in höchsten Tönen. „Er ist so professionell, auf dem Platz und außerhalb. Von der Ernährung bis zum Einzeltraining.“ Zwischen ihnen gebe es kein ungesundes Konkurrenzdenken; „Yann und ich sind auf einer Wellenlänge“, sagt Sippel.
Unabhängig davon freut sich der 33-Jährige auf den FCK. Er verfolgt seinen Jugendverein und ersten Profiklub intensiv. Den engsten Kontakt pflegt Sippel, der mit seiner Frau Sandra und den Kindern Lenn (knapp drei Jahre alt) und Loris (gut drei Monate) in Düsseldorf-Meerbusch lebt, zu seinem einstigen Lauterer Mitspieler Florian Dick. Der ist angehender Teammanager beim FCK. Auch zu zwei altgedienten FCKlern, Zeugwart Wolfgang Wittich und dem ehemaligen Torwarttrainer Gerry Ehrmann, hält Sippel die Verbindung. „Ich war Trainer, Freund, halbe Vaterfigur, hatte ihn seit der D-Jugend“, sagt Ehrmann heute. „Tobi und meine anderen Jungs konnten und können mich nachts um drei anrufen, wenn was ist.“ 2015 ist Sippel vom FCK, der das Aus verkündete und bei dem Marius Müller als neue Nummer eins vorgesehen war, zur Borussia gewechselt.
Ab der D-Jugend von Gerry Ehrmann trainiert
Seitdem war er nur noch einmal wieder auf dem „Betze“, als Zuschauer. Um so größer ist die Vorfreude auf Montag. Im März hat er seinen Vertrag in Gladbach bis 30. Juni 2023 verlängert. „Ich will noch drei, vier, fünf Jahre spielen, fühle mich körperlich topfit. Die Power und die Einstellung hat mir Gerry schon ab der D-Jugend antrainiert“, sagt Sippel lachend. „Davon profitiere ich heute noch sehr.“ Er ist seinem ersten Lehrmeister sehr dankbar, aber auch den folgenden Fachtrainern. Uwe Kamps habe ihm in Gladbach den „Feinschliff, die fußballerische Note“ verpasst, mit Steffen Krebs „haben wir mit Spezialbrillen viel an der Orientierung und Wahrnehmung gearbeitet“. „Jetzt ist mit Fabian Otte ein junger Torwarttrainer aus Burnley gekommen, aus der Premier League. Wieder andere Ideen.“ Die Arbeit der Torwarttrainer fasziniert ihn – ein Berufswunsch für später. „Ich mache mir Notizen, habe mir bestimmte Übungen aufgeschrieben, habe mir notiert, wie eine Vorbereitung aufgebaut wird.“ Auch ein Fachbuch für Trainer hat er sich schon gekauft. „Ich bin bei der Borussia auch viel mit den jungen Torhütern im Austausch, das macht mir Freude.“
Adi Hütter hat sich noch nicht festgelegt
Gladbach liegt ihm. Das ist offensichtlich. Die Rollen sind klar verteilt, Sommer fehlt selten. Wenn, dann ist Sippel da. Wie in der vergangenen Saison in vier Bundesligapartien. Im DFB-Pokal durfte Sippel unter Ex-Trainer Marco Rose spielen. Der neue Chefcoach Adi Hütter hat sich noch nicht festgelegt. Aber Sippel ist gelassen. „Ich bin nicht als zweiter Torwart abgestempelt, ich erfahre in Gladbach große Anerkennung, und es macht mir viel Spaß bei der Riesenqualität, die wir im Training haben“, sagt er entspannt. Die Zeit außerhalb der Pfalz hat den gebürtigen Bad Dürkheimer, der dort in der Heimatstadt seiner Eltern mit seiner Frau für die Ferien zu Hause nun auch eine eigene Wohnung gekauft hat, reifen lassen.
Die Vaterrolle tut Sippel gut
Auch die Vaterrolle tut ihm gut. „Ich kümmere mich im Moment ein bisschen mehr um Lenn, meine Frau hat mit dem kleinen Loris genug zu tun“, berichtet Sippel stolz.
Als FCK - Gladbach gelost wurde, „ist mein Handy vor Nachrichten schier explodiert“, erzählt er. „Ist doch klar, es ist das schönste Spiel für mich. Ich hab’ lange darauf gewartet. Noch dazu ein Flutlichtspiel, was gibt’s Schöneres?“ Er kann kaum abwarten, bis es endlich Montag ist.
