Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel SV Waldhof Mannheim trennt sich von Trainer Marco Antwerpen

Marco Antwerpen wird nicht mehr an der Seitenlinie des SV Waldhof Mannheim stehen.
Marco Antwerpen wird nicht mehr an der Seitenlinie des SV Waldhof Mannheim stehen.

Schlusslicht und ein peinliches Pokal-Aus – das war zu viel für die Verantwortlichen von Waldhof Mannheim. Nun haben sie Trainer Marco Antwerpen von seinen Aufgaben entbunden. Auch ein Pfälzer ist als Nachfolger im Gespräch.

Drittligist SV Waldhof Mannheim hat auf die Talfahrt in der 3. Fußball-Liga reagiert und nur wenige Tage nach dem 1:1 im Kellerduell bei Hansa Rostock Trainer Marco Antwerpen entlassen. Die Kurpfälzer stehen mit nur zwei Punkten aus den ersten fünf Ligaspielen am Tabellenende. Dazu setze es vor wenigen Tagen ein peinliches Landespokal-Aus bei Landesligist VfR Gommersdorf.

Kurz und knapp endete das Kapitel Antwerpen beim Waldhof am frühen Dienstagnachmittag nach nicht einmal acht Monaten: „Der SV Waldhof Mannheim hat Marco Antwerpen von seinen Aufgaben als Trainer entbunden. Über eine Nachfolgeregelung informieren wir zeitnah“, heißt es dazu lediglich auf der Homepage. Damit dürfte auch die Zeit von Co-Trainer Frank Döpper beim Waldhof beendet sein. Mehr zu der Personalie war vom Verein am Dienstag nicht zu erfahren. Voraussichtlich schon am Mittwoch soll der neue Trainer vorgestellt werden. Dann, so heißt es vom Verein auf Nachfrage, würden sich die Vertreter auch öffentlich äußern.

Mit Kraftakt zum Klassenverbleib

Antwerpen war Ende Januar für den glücklosen Rüdiger Rehm an den Alsenweg gekommen. Zu diesem Zeitpunkt schwebte der Traditionsklub in Abstiegsgefahr. Mit einem Kraftakt schaffte der ehemalige Trainer des 1. FC Kaiserslautern mit der Mannschaft den Klassenverbleib. In der Rückrundentabelle landeten die Kurpfälzer noch auf Platz sieben - der Maßstab für die neue Runde.

In der neuen Saison sollte es also wieder besser laufen beim Waldhof. Dazu holten Anthony Loviso, der inzwischen zum Sportlichen Leiter beim Waldhof aufgestiegen ist, und Antwerpen 13 neue Spieler. Zwölf verließen den Verein, darunter arrivierte Kräfte wie Bentley Baxter Bahn, Fridolin Wagner oder Pascal Sohm.

Daumen am Montag nach unten

Doch: Antwerpen gelang es in den vergangenen Woche nicht, eine tragfähige Mannschaft auf den Platz zu bringen. Zum Spiel in Rostock brachte er im Vergleich zur vorhergehenden Heimniederlage gegen Saarbrücken (0:1) sieben neue Spieler, darunter den im Sommer ausgemusterten Torhüter Jan-Christoph Bartels. An der schwachen Leistung seiner Mannschaft änderte das nichts. Nun stehen für Antwerpen in fünf Spielen in dieser Saison lediglich zwei Unentschieden auf der Habenseite.

Dem Vernehmen nach soll Waldhof-Präsident Bernd Beetz am Montag den Daumen zur Personalie Antwerpen gesenkt haben. Die Gremien folgten am Dienstag.

Eine skurrile Pressekonferenz

Schon die Pressekonferenz vor dem Rostock-Spiel, in der sich Antwerpen öffentlichkeitswirksam an die Fans gewandt hatte, um zu verdeutlichen, dass er kein „harter Hund“ sei, kam dem Vernehmen nach innerhalb des Vereins und bei Sponsoren nicht gut an. Als Leumund für das gute Klima in der Mannschaft musste Kapitän Marcel Seegert auf dem Podest herhalten. Normalerweise bestreitet Antwerpen die Spieltags-Pressekonferenz allein.

Die Auftritte der Mannschaft zeigten indes ein anderes Bild; eines, bei dem der Trainer längst die Kabine verloren hatte – auch wenn Stürmer Terrence Boyd am Samstag noch betont hatte: „Ich habe keinerlei Sorge, dass das Team nicht intakt ist oder sich nicht alle verstehen.“ Möglicherweise war der Trainer da ausgenommen?

Trotz der für die 3. Liga teilweise namhaften Neuzugänge mit etwa Rico Benatelli, Maximilian Thalhammer, Adrian Fein und Nicklas Shipnoski spielte die Mannschaft von Spieltag zu Spieltag immer schlechter. Auch wenn Antwerpen beim 1:1 im Ostseestadion am Samstag ein gutklassiges Drittliga-Spiel gesehen haben wollte – seine Analyse war dann doch für seine Mannschaft angesichts von nur zwei Chancen gegen einen nicht wirklich übermächtigen Gegner schon Augenwischerei.

Interimslösung für die englische Woche?

Dem Vernehmen nach hat sich Loviso in den vergangenen Tagen mit Torsten Lieberknecht getroffen, der Anfang September beim Zweitligisten SV Darmstadt 98 wegen Erfolglosigkeit als Trainer zurückgetreten war. Ob Lieberknecht die Arbeit bei einem Drittligisten wirklich reizt?

Es ist angesichts des Zeitfensters bis zur angekündigten Ernennung des Antwerpen-Nachfolgers aber auch möglich, dass der Verein in der anstehenden englischen Woche mit Heimspielen gegen den VfL Osnabrück und Rot-Weiss Essen dazwischen bei Alemannia Aachen auf Kai Herdling als Interimslösung zurückgreifen wird. Der Verein hatte den 40-Jährigen Mitte August als Sportlichen Leiter der Nachwuchsabteilung vorgestellt. Herdling hatte zuvor beim Bundesligisten TSG Hoffenheim gearbeitet. Denkbar ist, dass er bei einer erfolgreichen Gestaltung der drei Partien dann zum Cheftrainer berufen wird.

x