Sport
Sportbund-Gala: Achterbahn der Gefühle
Ruder-Olympiasieger und Hockey-Helden erzählen von den Erlebnissen bei den Spielen in München 1972
Alois Bierl probierte als Jugendlicher einiges aus an Sportarten: Leichtathletik, Boxen, Judo, Radfahren. Doch keine der Disziplinen eroberte so recht sein Herz. Dann sah Bierl, der Bayer in der Pfalz, ein paar Jungs in seinem Alter rudern und setzte sich kurzentschlossen beim Ludwigshafener RV ins Boot. Einige Trainingsjahre später wurde er 1972 in München Olympiasieger – erwartungsgemäß und mit dem sogenannten „Bullenvierer“, der so hieß, weil „wir eben kräftiger als der Durchschnitt waren“, erzählte Bierl (77) launig und mit der Gelassenheit eines Champions.
Neben ihm auf der Bühne stand da Vereinskamerad Winfried Ringwald, in München im Deutschland-Achter Fünfter und 1973 mit Bierl im Zweier Bronzemedaillengewinner bei der EM in Moskau. Mit München verbindet er vor allem eine „Achterbahn der Gefühle“, emotional und ehrfürchtig. Oben erlebte er die wunderbare Atmosphäre unter Sportlern, das größte Ereignis für Athleten. Ganz unten muss er den terroristischen Anschlag der Palästinenser auf die israelische Mannschaft verarbeiten. An jenem tragischen Abend war Ringwald „hautnah“ dabei, weil er im Velodrom die Radfahrer besucht hatte. Wie man das in der Sportfamilie eben macht.
Unvergessene Triumphe für Trump
Zu der gehörte auch der Frankenthaler Hockeyspieler Peter Trump, mit zarten 21 Jahren der jüngste Spieler im Team. Er kehrte mit Olympiagold in die Pfalz zurück und fragte sich: „Was sollte da noch kommen?“ Antwort: ganz schön viel! Zum Beispiel mehrere deutsche Meisterschaften mit der TG, der sensationelle Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1984 gegen Brüssel und einige EM-Titel mit der Nationalmannschaft. Triumphe für Trump!
Gegen Brüssel pausierte Trump verletzt mit dickem Knie, hielt dafür aber eine „denkwürdige Kabinenpredigt“. Dieser lauschte auch Heiner Dopp, über den Trump am Montag sagte, er habe in jener Partie „gespielt wie vom anderen Stern“. Zur TG gekommen war Dopp einst vom Erzrivalen Dürkheimer HC – allein das war schon Bürde genug. Wie er die Drucksituation meisterte? Im ersten Jahr machte Dopp schweren Herzens einen „großen Bogen um den DHC-Stand beim Wurstmarkt“, plauderte er aus. Im zweiten ging’s schon wieder. Und heute trinken die einstigen Rivalen wahrscheinlich gemeinsam Schorle vorm Riesenrad ...