Sport
Sport-Kolumne: Coronavirus-Krise muss alle zum Nachdenken anregen
Größere und nun auch die meisten kleineren Veranstaltungen sind mittlerweile untersagt worden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das ist völlig richtig – es geht um unsere Gesundheit. Und es geht auch ganz entscheidend darum, wie jeder einzelne mit sich und seinen Mitmenschen umgeht. Da bieten die schlimmen Zeiten um Corona wieder einmal einen Anlass, über unser aller Verhalten intensiv nachzudenken. Rücksicht auf andere nehmen, auch diesen Grundwert will der Sport als Teil unserer Gesellschaft vermitteln. Da ist es unverständlich, wenn sich vor den Stadien, die zunächst einmal menschenleer bleiben sollten im Kampf gegen das Coronavirus, Menschentrauben bilden, um sich das Spiel auf einer Leinwand anzuschauen. So geschehen etwa am Mittwochabend. Und dann feiern die Fußballprofis, die gerade vor leerer Tribüne ein Spiel gewonnen haben, mit den Fans vor der Arena. Welches Vorbild geben sie für die Gesellschaft ab?
„Offensiv“ husten und dabei lachen – unfassbar
Unfassbar auch, wenn der Stürmer Diego Costa von Atlético Madrid nach dem Sieg im Champions-League-Achtelfinale beim FC Liverpool an wartenden Journalisten vorbeiläuft und grinsend in ihre Richtung hustet.
Aber es geht längst nicht nur um unser Verhalten im Zusammenhang mit dem neuen Virus. Es geht ums Ganze. So war es vorigen Samstag zum Fremdschämen und einfach nur furchtbar, zwei Fans des 1. FC Kaiserslautern zu sehen, die in sehr unvorteilhafter Kleidung Richtung Fritz-Walter-Stadion gelaufen sind, um das Drittligaspiel des FCK gegen Meppen zu besuchen. Ich bedauere sie nicht deshalb, weil sie mitansehen mussten, wie sich der FCK am Ende nach 3:1-Führung auf dilettantische Weise noch selbst um den Sieg gebracht und 3:3 gespielt hat.
Ein ganz übler Slogan
Die beiden, vom Alter her können es Vater und Sohn gewesen sein, liefen einträchtig nebeneinander her mit ihren neuen roten Regenjacken. Das Problem: der Schriftzug auf der Rückseite der leichten Jacken, die in der Vorwoche vor dem Derby beim SV Waldhof Mannheim von Fans an Fans verkauft worden waren. „Waldhof verrecke“ ist schon lange ein ganz übler Slogan, nicht zuletzt wegen der Anlehnung an „Juda verrecke“.
Die Jacken, die in der Kurve von vorne zweifellos ein eindrucksvolles einheitliches rotes Bild abgaben, hätten schon im Derby wegen des schlimmen Aufdrucks auf der Rückseite tabu sein müssen. Sie aber jetzt zur Alltagskleidung umzufunktionieren und den Schriftzug spazieren zu tragen, ist völlig daneben.
Und wenn der Vater seinem kleinen Sohn tatsächlich diese Jacke gekauft hat und mit ihm jetzt so an verregneten Tagen zum Fußball geht: Was ist das für eine Erziehung? Was ist das ein Verständnis der Vorbildfunktion? Es ist einfach nur noch deprimierend, wenn Vorbilder zum Nachteil werden.
Atlético und Coach Simeone – alle Achtung!
Jürgen Klopp war richtig sauer. Und das nicht nur wegen der 2:3-Schlappe seines FC Liverpool in einer ereignisreichen Verlängerung in der Anfield Road in der Champions League gegen Atlético Madrid. Klopp sagte, er wolle nicht den schlechten Verlierer geben und nur über die Unfairness des Bezwingers Atlético Madrid reden. Obwohl es – wie erwähnt – nicht geht, dass Diego Costa grinsend in Richtung wartender Journalisten hustete. Aber Atlético und sein extravaganter Trainer Diego Simeone haben es wieder mal geschafft, einen der ganz Großen im Weltfußball zu schlagen. „Dreckige“ Defensivtaktik hin oder her – das ist legitim. Simeone hat mit seinen Einwechslungen ein glückliches Händchen bewiesen: Marcos Llorente mit seinen zwei Treffern und Álvaro Morata erzielten alle Atlético-Tore in dieser packenden Partie. Alle Achtung!