FUSSBALL-WM RHEINPFALZ Plus Artikel „So eine Stimmung im Stadion habe ich noch nie erlebt“ – Pfälzer Fans in Katar

Vor dem Al-Janoub-Stadion in Katar: Thomas (links) und Christoph Reuter aus Wachenheim an der Weinstraße.
Vor dem Al-Janoub-Stadion in Katar: Thomas (links) und Christoph Reuter aus Wachenheim an der Weinstraße.

Die Freude am Fußball: Für Thomas Reuter (50) und seinen Sohn Christoph (24) aus Wachenheim an der Weinstraße ist sie Lebenselixier. Unter diesem Motto sind sie auch diesmal wieder unterwegs – und schauen sich binnen zwei Wochen 17 WM-Spiele live vor Ort an.

Die Diskussion liegt von Anfang an immer über allem, was mit der Weltmeisterschaft in Katar zu tun hat. Sollte man hinfliegen, um WM-Partien in den eindrucksvollen, klimatisierten Stadien zu erleben? Oder sollte man das Turnier boykottieren, sich nicht mal Fernsehbilder betrachten?

Auch Thomas und Christoph Reuter konnten, können und wollen sich der Frage nicht entziehen. Aber sie sind viel zu sehr Fans des Sports, um sich das Erlebnis direkt vor Ort entgehen zu lassen. Seit der EM 1996 in England ist Thomas Reuter regelmäßig auf großen Turnieren unterwegs.

Seit der WM 2006 in Deutschland ist auch Sohn Christoph dabei. Südafrika 2010 und Brasilien 2014 mussten sie auslassen. „Da hatte ich ja noch Schule“, sagt Christoph Reuter. Für Thomas Reuter ist Katar die fünfte WM live im Stadion.

Es geht den beiden eingefleischten Fans des 1. FC Kaiserslautern, mit dem sie auch sehr oft unterwegs sind, um den Sport und die Treffen mit ihren ähnlich fußballverrückten Bekannten aus ganz Deutschland. „Hier sind wir viel mit einem Fürth-Fan und einem Nürnberg-Fan unterwegs, die wir bei der EM 2016 in Frankreich kennengelernt haben“, erzählt Thomas Reuter. „Clubberer“ und „Ferdder“, Lokalrivalen vereint, ja, das geht. Auch sie übernachten auf der „MSC Poesia“, einem der drei riesigen Kreuzfahrtschiffe der Reederei MSC, die im Hafen von Doha liegen. Eine Kreuzfahrt ohne Fahrt.

„Auf dem Schiff gibt’s alles“

Auf dem mit mehreren Pools und Bars ausgestatteten Schiff gibt es reichlich WM-Übertragungen – und keine Diskussionen um alkoholhaltige Getränke. Das Bierverbot rund um die Stadien greift hier nicht, genau so wenig wie in den lizenzierten Bars in der Stadt. „Auf dem Schiff gibt’s alles“, berichtet Thomas Reuter. „Hier sind Fans aus aller Herren Länder, Japaner, Amerikaner, Waliser, Engländer“, sagt Sohn Christoph. Im Hafen von Doha trifft sich alles – wie in der Stadt und rund um die Stadien.

In Katar ist es Vormittag, 10.30 Uhr. Die Reuters befinden sich beim Telefonat mit dieser Zeitung zwischen Frühstück und Pool. Das Thermometer im Hafen von Doha zeigt 27 Grad. Morgens eine Abkühlung im Schwimmbecken, nachmittags und abends Live-Fußball in einem der topmodernen WM-Stadien. So laufen die meisten Reuter-Tage in Doha ab, der Millionen-Metropole, die die weit gereisten Wachenheimer mit ihren Glitzer-Wolkenkratzern beeindruckt hat.

Überraschend lange Fußwege

Zwei Spiele an einem Tag, das Turnier der kurzen Entfernungen macht’s möglich. Aber „einen Vierer“ zu schaffen, wie es Thomas Reuter nennt, vier Spiele an einem Tag, sei wegen der für die Fans überraschend langen Fußwege schwer.

„Von der U-Bahn zum Lusail-Stadion haben wir zu Fuß 35 Minuten gebraucht“, sagt Thomas Reuter. Dennoch ist die U-Bahn für viele Fans erste Wahl, denn Doha ist proppenvoll mit Fußballtouristen. „Vor allem rund um die Abendspiele, wenn hier Rush-Hour ist, herrscht Verkehrschaos“, erzählt Thomas Reuter.

Party pur bei Argentinien - Mexiko

Allein rund 40.000 argentinische Fans sind in Katar vor Ort, um Fußball zu feiern. Dass bei Argentinien - Mexiko (2:0) am Samstag auf den Rängen Party pur herrschte, bestätigen auch die Wachenheimer. „So eine Stimmung im Stadion habe ich noch nie erlebt, es war so laut. Wahnsinn“, sagt Christoph Reuter. Die ersten beiden Spiele des deutschen Teams haben die Reuters natürlich auch im Stadion gesehen, im Gruppenfinale am Donnerstagabend sei alles drin, sagen sie. „Einen klaren Turnierfavoriten sehe ich noch nicht“, meint Thomas Reuter.

Busfahrer wird von Fans per Navi gelotst

Die Organisation vor Ort loben die Pfälzer. Auskunftsfreudige Volunteers stünden alle paar Meter bereit. Einen Busfahrer, der sich verfahren hat und von Fans dann per Navi gelotst wurde, haben sie allerdings auch schon erlebt.

Rund 2500 Euro pro Person für zwei Wochen inklusive Flug, Übernachtungen und Tickets haben sie bezahlt. Sie sind sicher – wenn sie am Sonntag heimfliegen, werden sie sagen: „Es hat sich gelohnt.“

x