Handball
Schiedsrichterinnen Tanja Kuttler und Maike Merz haben bei der EM alles im Griff
Im vergangenen Jahr bei der WM in Polen und Schweden feierten sie ihre Premiere auf ganz exklusivem Parkett. „Wir saugen alle Momente auf bei dieser EM, denn für uns gibt es hier auch unfassbar viel zu lernen“, berichtete Tanja Kuttler. Und Maike Merz betonte: „Es ist überwältigend und macht viel Spaß. Einfach der Wahnsinn. Wir wollen zeigen, dass wir hierhergehören und mit den männlichen Kollegen mithalten können.“
Der Deutsche Handballbund gab den Schwestern in einer digitalen Medienrunde die Möglichkeit, über ihre jüngsten Erfahrungen zu sprechen. Und diese waren ausnahmslos positiv. Die Schiedsrichterinnen machten einen entspannten, froh gestimmten Eindruck.
Alles lief glatt
Bisher kamen die deutschen Vorzeigeschiedsrichterinnen zu zwei Einsätzen. Und zwar in den Partien Schweden gegen Bosnien-Herzegowina in Mannheim sowie Dänemark gegen Griechenland in München. Bis auf eine kleine Rudelbildung nach einem Kopftreffer, der für Aufregung im Spiel sorgte, lief alles wie am Schnürchen für die deutschen Schiedsrichterinnen. Sie mussten sich aber nicht zwischen die Hitzköpfe stellen, die Lage entspannte sich rasch wieder.
Das Ziel ist Qualität, nicht Quantität. Ihr Ansatz ist, nicht möglichst oft auf dem Feld zu stehen, sondern bei den Auftritten zu überzeugen. „Wir hatten zwei tolle Spiele und sind schon super glücklich damit. Wir genießen jetzt jeden Moment, den wir noch hier sind“, erklärte Maike Merz. Ihre Schwester Tanja Kuttler betonte: „Es geht hier für uns nicht nur darum, möglichst viele Spiele zu pfeifen, hier gibt es für uns auch unfassbar viel zu lernen, in diesem Kreis der absoluten Schiedsrichter-Elite Europas.“
Analysen nach den Spielen
Nach jedem EM-Spieltag kommen die Unparteiischen zusammen und analysieren wichtige Sequenzen der Partien und tauschen sich mit ihren Kollegen aus. Tanja Kuttler und Maike Merz tun dies auch mit den deutschen Herren Robert Schulze und Tobias Tönnies oder Charlotte Bonaventura und Julie Bonaventura aus Frankreich. In der deutschen Schiedsrichter-Chefin Jutta Ehrmann-Wolf haben sie eine Ansprechpartnerin und Vertraute.
Die Schwestern stammen aus Tettnang am Bodensee, sie haben früher Handball gespielt und haben dann die Disziplin gewechselt. Jetzt sind sie Vorbilder, bekommen viel Post. „Es gibt viele, die sich melden und sagen, das will ich auch mal machen. Darüber freut man sich natürlich.“
Sie haben Kinder, die Vorbereitung auf so ein Turnier ist nicht gerade einfach. „Wir haben, wie vor jedem Turnier, eine große Excel-Tabelle erstellt mit allen Kindern drin, mit der Betreuung morgens, mittags, abends, nachts. Das ist schon eine riesige Tapete“, berichtete Merz. Die Familie hält zusammen, alle machen mit, um den Müttern zu ermöglichen, bei der Europameisterschaft dabei zu sein.
Eine Hürde nach der anderen
Im Sauseschritt haben sie eine Hürde nach der anderen genommen. Sie waren das erste Frauen-Gespann in der Bundesliga, dann pfiffen sie in der Champions League. „Es ist schon brutal viel passiert in den letzten fünf Jahren. Wenn man zurückblickt, kann man manchmal nur den Kopf schütteln. Also da sind Dinge passiert, die wir uns in unserer gesamten Karriere nicht vorstellen konnten“, bilanzierte Kuttler.
Es ist erst ein Jahr her, dass der frühere Weltmeister Christian Schwarzer den Einsatz des Frauen-Gespanns bei der Weltmeisterschaft kritisierte. Er bekam mächtig Gegenwind. „Absolut aus der Zeit gefallen“, so bewertete beispielsweise DHB-Präsident Andreas Michelmann die Einschätzung Schwarzers. Heute ist solch eine Meinung nur noch schwer vorstellbar.