Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Sander Sagosen: Wir werden jeden Tag besser

Sander Sagosen.
Sander Sagosen.

Interview: Sander Sagosen (25) ist der beste Handballer der Welt. Er verrät, wie er sich beim THW Kiel eingelebt hat und warum er zur WM nach Ägypten fährt.

Herr Sagosen, vor dem Spiel beim TV Stuttgart Sie waren mit Ihrer Mannschaft in Quarantäne. Wie empfanden sie diese Zeit?
Diese zehn Tage waren kompliziert. Wir waren die ganze Zeit zu Hause. Die einzige Abwechslung waren die beinahe täglichen PCR-Tests in Altenholz, die uns im Auto abgenommen wurden. Aber ich versuche, allem immer etwas Gutes abzugewinnen: Ich habe in diesen zehn Tagen zu Hause gut trainiert, hatte Zeit für meine Freundin und bin bereit für die großen Aufgaben, die vor und nach Weihnachten anstehen.

Es ist eine sehr komplizierte Saison. Wie nehmen Sie das wahr?
Es war ein schweres Jahr – im Sport und in der ganzen Welt. Dieses Corona-Jahr ist einfach Mist. Um meinen Kopf nicht nur mit negativen Dingen zu belasten, versuche ich, jeden Tag einfach nur meine Arbeit bestmöglich zu erledigen. Aber ich freue mich unglaublich darauf, in ein paar Monaten wieder so etwas wie Normalität verspüren zu können. Und ich freue mich riesig auf mein erstes Spiel in einer ausverkauften Wunderino-Arena!

„Wir haben eine fantastische Mannschaft“

Wie weit würden Sie sagen ist Ihre Integration im Team nach Ihrem Wechsel aus Paris? Haben Sie ihre Rolle gefunden?
Es ist einfach, beim THW Kiel anzukommen. Wir haben eine fantastische Mannschaft, in der viele gute Typen sind, das gesamte Umfeld macht es einem leicht. Alle sind unglaublich freundlich und hilfsbereit, ich habe mich von meinem ersten Tag an wie zu Hause gefühlt. Meine Rolle im Team habe ich längst gefunden, aber ich brauche noch etwas Zeit, um mich an die Bundesliga zu gewöhnen.

Die Leistungen des THW in der Liga sind konstant, in der Champions League gab es einige Ausrutscher. Woran liegt das?
Ja, wir haben vier Spiele in der Champions League verloren. Aber man muss auch mal sehen, gegen wen wir drei dieser Spiele verloren haben: gegen Barcelona und Veszprem. Das sind zwei der Top-4-Teams der Welt. Wir hatten ein riesiges Programm in den vergangenen Monaten zu absolvieren, wir arbeiten jeden Tag hart dafür, besser zu werden. Und ich denke, wir werden tatsächlich von Spiel zu Spiel stärker. Wir sind auf dem richtigen Weg, jetzt kommen die großen Partien vor und nach Weihnachten: Das Top-Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen und das Final Four in der Champions League. Ich freue mich riesig auf diese großen Spiele!

„Müssen unser Ding machen“

Glauben Sie, dass Flensburg, die Löwen oder die Füchse dem THW folgen können?
Na klar. Das ist die Bundesliga, das ist die stärkste Liga der Welt. Und deshalb ist es ja auch so schwer, diese zu gewinnen, jedes einzelne Spiel zu gewinnen. Flensburg, die Löwen und die Füchse haben richtig gute Mannschaften und bisher gut gespielt. Aber eine unserer Stärken ist, dass wir nur auf uns schauen. Wir müssen unser Ding machen, unsere Spiele gewinnen. Dann können wir am Ende der Saison sehen, wo wir gelandet sind – hoffentlich auf Platz eins!

Das große Thema im Moment ist die WM in Ägypten. Ihre Meinung?
Vorab: Ich habe einen Riesen-Respekt vor der Entscheidung einiger Spieler, nicht zur WM zu fahren. Für mich, der noch kein Familienvater ist, war aber immer klar: Wenn das Hygienekonzept stimmt und wenn unser Arzt sagt, dass wir dort in der Bubble keiner größeren Gefahr ausgesetzt sind, will ich die WM für Norwegen spielen.

„Norwegen ist bereit“

Norwegen war ein paar Mal nah dran, ist Norwegen nun bereit für den letzten Schritt?
Wir sind bereit. Wir haben eine Top-Mannschaft, aber bei einer WM hast du fünf, sechs, sieben andere Nationen, die das Turnier auch gewinnen können. Wir haben eine schwere Gruppe mit Frankreich und Österreich, aber wir haben auch viele gute Spieler, die bei den besten Vereinen der Welt spielen und in guter Form sind. Mal sehen, was im Januar passiert – vor allem vor dem Hintergrund, dass auch die Weltmeisterschaft anders sein wird, als alle vor ihr. Da wird es auch entscheidend sein, welche Mannschaft am besten mit den äußeren Umständen wird umgehen können.

Interview: Udo Schöpfer

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