Fußball-EM RHEINPFALZ Plus Artikel Rumänien 2024: Die Generation der Seele

Manchmal wirken Spieler und Trainerstab Rumäniens nach ihren Spielen nicht nur höchst erfreut, sondern entrückt und fast ergriff
Manchmal wirken Spieler und Trainerstab Rumäniens nach ihren Spielen nicht nur höchst erfreut, sondern entrückt und fast ergriffen.

Einigkeit, Ehrgeiz und totale Aufopferung: Ob diese Eigenschaften Rumänien genügen, um im Achtelfinale gegen die Niederlande zu bestehen?

Wenn Edward Iordanescu bei diesem Turnier über seine Spieler spricht, schwingt oft Pathos mit. Der Trainer der rumänischen Nationalmannschaft hebt gerne die Werte hervor, die Vorbildfunktion für die Kinder in der Heimat, die mit „Liebe zu ihrem Land“ aufwachsen könnten, und dass er die Freude „in den Herzen der Fans“ miterlebe. „Um alles zu bekommen, muss man alles geben“ sagte Iordanenscu vor dem EM-Achtelfinale gegen die Niederlande an diesem Dienstag in München.

Es mag am Naturell liegen, ein bisschen auch am Temperament und vor allem an der Geschichte des Landes, an der Fußball-Historie, dass Iordanescu, aber auch die Spieler manchmal fast ergriffen wirken nach den Erfolgen in der Vorrunde, die sie als Erster der Gruppe E abgeschlossen haben. Die Rumänen gehörten nach dem Ende des Eisernen Vorhanges, nicht zu den Allerbesten in Europa, aber sie hatten in Gheorghe Hagi einen der Besten der Welt in ihre Reihen und ein paar sehr gute Fußballspieler darum herum.

Die Namen Iordanescu und Hagi stechen heraus

Bei der WM 1994 erreichten sie das Viertelfinale, ebenso bei der EM 2000. Es war eine goldene Generation, und ein bisschen wird nun die aktuelle Mannschaft an dieser Gruppe Hochtalentierter von damals gemessen. Allerdings nicht nur, weil Rumänien zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder bei einem großes Turnier die Gruppenphase überstanden hat. Es sind die Namen Iordanescu und Hagi, die den Bogen spannen von den neunziger Jahren bis in die Gegenwart.

Edward Iordanescus Vater Anghel war der Architekt der Mannschaft, die bei der WM in den USA für den bisher größten Erfolg des Landes im Fußball gesorgt hatte. Und es liegt in der Natur der Sache, dass Ianis Hagi, der einzige Spieler aus dem EM-Kader mit einem klangvollen Namen, früh mit seinem Vater verglichen wurde. Aber aus dem Schatten des großen Gheorghe konnte der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler trotz seines Talents bisher nicht treten. Nach einem Kreuzbandriss Anfang 2022 ist er noch immer dabei, sich zurückzukämpfen.

Der Sohn des großen Gheorghe: Ianis Hagi.
Der Sohn des großen Gheorghe: Ianis Hagi.

Während Gheorghe Hagi im gleichen Alter zu Real Madrid wechselte, war der Sohn von den Glasgow Rangers 2023/24 an den mittelmäßigen spanischen Klub Deportivo Alavés ausgeliehen und zählte dort nicht einmal zum Stammpersonal. Er tue alles in der Nationalmannschaft, „um sich zu beweisen“, hatte Iordanescu vor Turnierstart im „Kicker“ gesagt. Aber wegen der fehlenden Spielpraxis im Verein war er zu Beginn des Turniers nur zu kürzeren Einsätzen gekommen, „eine Strategie, um ihn zu integrieren“, erklärte Iordanescu. Gegen die Slowakei stand Hagi erstmals bei dieser EM in der Startelf und erzielte den Ausgleich per Elfmeter.

Vergleiche unerwünscht

Schon nach dem 3:0 gegen die Ukraine wehrte sich Iordanescu gegen die Vergleiche mit der Mannschaft um Gheorghe Hagi. „Nennt sie nicht goldene Generation. Nennt sie Generation der Seele“, sagte er. „Ich bin sicher, dass viele in der Vergangenheit, ihre Seele für Rumänien eingesetzt haben, aber nicht so wie diese Generation.“ Diese Mannschaft könne „von nun an viele Generationen inspirieren“, findet er. Denn sie habe „Talent und Potenzial“.

Allerdings hatte sich Iordanescu zu Turnierstart ein bisschen Sorgen um die Physis gemacht, um den fehlenden Rhythmus. Denn im Kader sind neben Hagi einige Spieler, die bei ihren Klubs nicht zum Stammpersonal zählen oder wie Nicolae Stanciu und Andrei Burca in der saudischen Liga kicken. Aber bisher war kein Energieverlust zu erkennen bei der Mannschaft, die sich mit Leidenschaft und großen Willen nach einer schlechten Vorbereitung mit torlosen Unentschieden gegen Bulgarien und Liechtenstein ins Turnier gekämpft hat.

Die größte Herausforderung

Gegen die Niederlande (Dienstag, 18 Uhr, München/ARD, MagentaTV) ist Rumänien der klare Außenseiter. „Wir stehen definitiv vor der größten Herausforderung auf unserem gemeinsamen Weg“, zitiert die rumänische Sportzeitung „Gazeta Sporturilor“ den Trainer. Iordanescu hebt die „individuelle Qualität“ der Niederländer und „ihre große Erfahrung“ bei Turnieren hervor. Seine Mannschaft setze „Einigkeit, Ehrgeiz und totale Aufopferung“ dagegen. Ob das im Achtelfinale reicht?

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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