Olympia RHEINPFALZ Plus Artikel Ruder-Goldhoffnung Zeidler ist voll im Plan

Industrielle Schönheit im Hafen von Tokio, für die Oliver Zeidler (links) keine Augen hatte.
Industrielle Schönheit im Hafen von Tokio, für die Oliver Zeidler (links) keine Augen hatte.

Oliver Zeidler will in Tokio Gold gewinnen, dafür wählte er einen ungewöhnlichen Weg. Bislang ist das Experiment aufgegangen, das erste Rennen des Ruderers war ein lockerer Aufgalopp.

Es ist doch nicht alles perfekt gelaufen in der Vorbereitung. „Wir hatten mit mehr Luftfeuchtigkeit gerechnet“, sagte Oliver Zeidler. Der 24-Jährige hatte Schutz unter einem Sonnenschirm gesucht, als er über seine erste olympische Erfahrung berichtete. Freitagmorgen startete er auf der Regattastrecke im Hafen von Tokio in den Wettkampf, den er in ein paar Tagen mit dem Gewinn der Goldmedaille beenden möchte. Eher beenden will, denn der Münchner hat sich die ehrgeizige Vorgabe gegeben, im Finallauf am kommenden Freitag als Erster über die Ziellinie zu fahren. Im Vorlauf ist das gelungen, wenngleich wenig überraschend. Ungefährdet und ohne große Anstrengungen absolvierte Zeidler sein olympisches Debüt.

Simulation im Keller bei den Eltern

Bislang ist alles glatt gelaufen, und bislang hat sich die ungewöhnliche Vorbereitung bezahlt gemacht. Im Gegensatz zur kompletten deutschen Rudermannschaft verzichtete der Einer-Fahrer auf das finale Trainingslager vor den Spielen in Japan. Zeidler blieb in München und simulierte dort auf einem Ergometer die Bedingungen, die im Hafen von Tokio auf ihn zukommen. Im Elternhaus hat er sich im Keller einen Trainingsraum eingerichtet, in den Wochen vor dem Abflug nach Japan stellt er dort die besonderen klimatischen Bedingungen nach. Die benachbarte Sauna wurde aufgeheizt und die Türen offengelassen, um die Temperatur zu erhöhen. Mit Ventilatoren und Wasserflaschen sollte die Luftfeuchtigkeit auf ein Niveau gebracht werden, das dem in Tokio ähnelte. „Das haben wir wohl übertrieben“, sagte Zeidler, während ein Flugzeug im Landeanflug auf den internationalen Flughafen für ein paar Momente seine Worte überdeckte. Die Regattastrecke liegt unweit des Flughafens. Sie wird zusätzlich von der futuristischen „Tokyo Gate Bridge“ eingerahmt, die sich an der höchsten Stelle 87 Meter über der Wasseroberfläche mit mehr als 2600 Meter Länge über die Bucht von Tokio spannt.

Keine Augen für die Schönheit des Hafens

Für die industrielle Schönheit der direkten Umgebung der 2000 Meter langen Strecke hatte Zeidler wenig Aufmerksamkeit übrig. Er ging professionell mit seinem ersten Rennen um, in dem er sichtlich kontrolliert zur Sache gegangen war. „Das war eine Trainingsfahrt. Dieses Tempo kann Oliver drei Mal hintereinanderfahren“, berichtete Heino Zeidler. Der Trainer und Papa wirkte wie der Junior gelassen und entspannt. Oliver Zeidler konnte sogar darüber scherzen, dass ein Ägypter in seinem Vorlauf in der Endphase des Rennens die Orientierung verlor und auf seine Bahn wechselte. „Das hat mich dann doch gewundert“, sagte Zeidler. Schwierigkeiten erwuchsen für den Favoriten daraus nicht, denn der Deutsche lag viele Bootslängen vor dem Konkurrenten aus Nordafrika.

So locker und so leicht wird es für Zeidler in den kommenden Tagen nicht mehr werden – aber darauf ist der Weltmeister von 2019 vorbereitet. Am Montag geht es mit dem Viertelfinale weiter. Hinter dem Norweger Kjetil Borch und dem Griechen Stefanos Ntouskos fuhr der Deutsche die drittbeste Zeit aller Vorläufe. Beide Kontrahenten zählen zu den Konkurrenten von Zeidler. Den in den Vorläufen erreichten Zeiten maß der Modellathlet wenig Beachtung bei. „Die Bedingungen wechseln hier schnell, deshalb ist wichtig, wer die Rennen gewinnt, nicht, welche Zeiten gefahren werden“, sagte Zeidler. Er wirkte mit sich zufrieden. Die deutsche Goldhoffnung vermittelte den Eindruck, als laufe bis zu diesem Zeitpunkt alles so ab wie er es mit seinem Vater geplant hat. „Es ging darum, die Bedingungen hier kennenzulernen und sich an die Strecke zu gewöhnen“, erklärte er.

Ablenkungen sind nicht erwünscht

Erst am Mittwoch und damit ungewöhnlich kurzfristig vor dem Wettkampfstart war der Münchner von Deutschland aus nach Asien geflogen. „Ich habe in Deutschland die perfekten Voraussetzungen für die Vorbereitung“, hatte er die Entscheidung schon vor ein paar Wochen begründet. Nicht nur im Keller bei den Eltern spulte er sein Trainingsprogramm ab, auch auf der heimischen Regattastrecke, die der in Tokio von den Begebenheiten ähnelt, brachte er sich in die Form, die ihn in Japan zu Gold tragen soll.

Ablenkungen sind bei der Mission nicht erwünscht. Im Olympischen Dorf wunderte er sich über die Festtagsstimmung. „Manchmal habe ich mich gefragt, ob die Leute für einen Wettkampf oder eine Feier da sind“, berichtete er von seinen ersten Eindrücken aus dem Innenleben des Athletendorfes. Zeidler wird sich davon nicht ablenken lassen, selbst der eigene Geburtstag an diesem Samstag wird nicht gefeiert. Der Fokus ist auf den kommenden Freitag und das Finale im Ruder-Einer ausgerichtet.

Oliver Zeidler vor dem Vorlauf.
Oliver Zeidler vor dem Vorlauf.
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