Sport Rote Teufel nach Traumstart traumatisiert
KAISERSLAUTERN. Nach 45 Minuten sah es nach einem Traumstart des 1. FC Kaiserslautern aus. Nach 94 Minuten aber schienen die Roten Teufel samt ihrer Fans traumatisiert: Der FCK verspielte die 2:0-Pausenführung, musste sich nach dem 2:2 gegen Union Berlin über zwei verschenkte Zweitliga-Punkte ärgern.
Jean Zimmer spielte Türöffner für die Roten Teufel. Mit zwei wunderbaren Torvorlagen wurde der 22-Jährige zum Wegbereiter der 2:0-Führung. Großartig sein Solo über mehr als das halbe Feld in der 34. Minute, die Flanke setzte Ruben Jenssen per Kopf ins Netz. Es war der dritte Saisontreffer des quicklebendigen Norwegers, der im Zusammenspiel mit Mateusz Klich und Daniel Halfar das Spiel der Lauterer sichtlich kultivierte. Zumindest bis zur 65., 70. Minute ... Vier Minuten vor der Pause wehrte Kacper Przybylko per Kopf den vierten gefährlichen Eckstoß der Eisernen ab, wieder legte Zimmer den Schnellgang ein, sprintete auf und davon, Marcel Gaus vollendete zum 2:0. Es war der erste Saisontreffer des als Ersatz für den erkrankten Chris Löwe gut verteidigenden Gaus. Es war die sechste Torvorlage des hochbegabten Zimmer in dieser Saison. Gaus initiierte kurz vor dem Pausenpfiff einen weiteren Konter, doch Przybylko scheiterte mit einem Schuss aufs kurze Eck an Jakob Busk. Der Däne, in der Winterpause nach Berlin gekommen, hat Daniel Haas als Nummer 1 verdrängt. Pech, dass Gaus nach einem klasse Pass Halfars drei Minuten nach dem Seitenwechsel mit einem linken Hammer den Ball an die Unterkante der Latte drosch. „Das wäre die Entscheidung gewesen, aber auch so hätten wir das Spiel gewinnen müssen“, haderte Gaus. Der FCK verteidigte lange gut. Kleine Unsauberkeiten bereinigte das funktionstüchtige Kollektiv. Bis zur 76. Minute, als der Ex-Lauterer Fabian Schönheim einen Kroos-Eckball fast ungehindert per Kopf zum Anschlusstreffer nutzte. „Das ist Scheiße“, schimpfte Kapitän Halfar über die nicht existente Zuordnung in der Schlüsselszene: „Wir hätten den Sack vorher zumachen müssen!“ „Nach dem Standardtor kamen wir ins Schwimmen“, gestand FCK-Trainer Fünfstück enttäuscht, dass die gute Leistung am Ende nicht mit drei Punkten belohnt wurde. Bobby Wood, der bis zur 86. Minute keinen Stich bekam, spielte Markus Karl, den eingewechselten Alexander Ring und Stipe Vucur aus und überlistete Torwart Marius Müller mit einem Schuss ins kurze Eck. Sein Pflichtspieldebüt erlebte der vom norwegischen Erstligisten Viking Stavanger gekommene isländische Nationalstürmer Jón Dadi Bödvarsson. Er spielte gut, verstand die Bälle auch mit dem Rücken zum gegnerischen Tor gut festzumachen, erntete nach 27 Minuten erstmals Szenenapplaus und ging nach 70 Minuten mit Wadenkrämpfen und bekam viel Beifall. Bemerkenswert die Kopfballstärke des lauf- und spielstarken Angreifers, der unentwegt marschierte. Nach seinem klasse Pass scheiterte der für den am Sprunggelenk lädierten Przybylko gekommene Maurice Deville am guten Busk (62.), der auch gegen Karl klasse parierte (58.). Ein Knackpunkt im Spiel der Lauterer, dass nach dem kampfstarken Przybylko auch Bödvarsson ausgetauscht werden musste. Deville und der im Abschlusstraining noch so starke Antonio Colak vermochten die Bälle nicht zu halten, die Bälle in die Spitze hatten Bumerangwirkung. „Wir haben nach 60 Minuten aufgehört, Fußball zu spielen“, gestand der enttäuschte Jenssen, der nach einer Stunde wie auch der vor der Pause bisweilen brillante Passgeber Klich merklich nachließ. „Wir haben in der zweiten Halbzeit aufgehört, Fußball zu spielen und nur noch verteidigt“, schimpfte auch Jean Zimmer. Die Mannschaft setzte zu früh auf den Verwaltungsmodus. In der Nachspielzeit war Tim Heubach nah dran am Siegtor, scheiterte aber knapp. „Wir haben zwei völlig unnötige Tore bekommen“, haderte Heubach mit der gefühlten Niederlage. So spielTen sie 1. FC Kaiserslautern: Müller - Zimmer, Vucur, Heubach, Gaus - Halfar, Karl, Klich (76. Ring), Jenssen - Bödvarsson (70. Colak), Przybylko (60. Deville) Union Berlin: Busk - Kessel, Trimmel, Leistner, Schönheim - Zejnullahu (60. Quaner), Kroos - Skrzybski (46. Brandy), Kreilach, Thiel (76. Redondo) - Wood Tore: 1:0 Jenssen (34.), 2:0 Gaus (41.), 2:1 Schönheim (76.), 2:2 Wood (86.) - Gelbe Karten: Gaus (3) - Kreilach (5/1), Wood (4), Kroos - Beste Spieler: Zimmer, Bödvarsson, Halfar - Kroos, Busk, Schönheim - Zuschauer: 23.829 - Schiedsrichter : Petersen (Filderstadt).
