Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Radstar Pascal Ackermann trainiert in der pfälzischen Heimat

Vor vier Wochen schrieb sich Pascal Ackermann noch gut gelaunt für Rennen ein – hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Vor vier Wochen schrieb sich Pascal Ackermann noch gut gelaunt für Rennen ein – hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Tour, Giro, Vuelta – was wohl aus den großen Rundfahrten dieses Jahr wird? Die Frage kann Radprofi Pascal Ackermann auch nicht beantworten. Aber er hätte da eine Idee, wenn die Corona-Pandemie mal besiegt sein sollte. Und was er weiß: Die sonnige Pfalz ist ein tolles Trainingsrevier.

„Ich bin jetzt im Training, kannst mich ab 16 Uhr erreichen“, schreibt Pascal Ackermann am frühen Dienstagmorgen via WhatsApp. Und das bitte soll Stand-by-Betrieb sein, wie er seinen Zustand beschreibt? „Naja, wir trainieren nicht Vollgas“, konkretisiert der 26-Jährige. Und als er pünktlich um 16 Uhr dann für ein Gespräch zur Verfügung steht, hat er vier Stunden über pfälzische Straßen und Wege in den Beinen, „120 Kilometer, natürlich allein“. „Pfälzerwald, Weinstraße, Kalmit“, verrät er. Den mit 672,6 Metern höchsten Berg des Pfälzerwaldes ist er am Dienstag viermal rauf und runter gefahren. Bei herrlichem Sonnenschein – aber eiskaltem Ostwind. „Ich habe derzeit keine andere Kleidung an als im tiefsten Winter“, sagt er lachend.

In Abu Dhabi schon vorsorglich in Quarantäne

Sein einschneidendes Corona-Erlebnis hatte der Minfelder bereits vor knapp vier Wochen: Als die UAE-Tour in den Vereinigten Arabischen Emiraten abgebrochen wurde und er sowie seine Peloton-Kollegen mitten in der Nacht zum Virustest aus den Betten geholt und sofort danach wieder aufs Hotelzimmer für die vorsorgliche Quarantäne geschickt wurden. „Klar, davor wurden ein paar Rennen in China abgesagt“, wusste Ackermann. Aber in Dubai und Abu Dhabi erwischte es die Radszene dann mit voller Wucht. „Wir mussten so lange fahren wie möglich“, verweist er auf das anschließende Etappenrennen Paris - Nizza, „das sind wir unseren Sponsoren schuldig. Wichtig ist jetzt, dass die Zahlungen weiter gehen.“ Dafür würde er auch Geisterrennen mit für Zuschauer geschlossenen Zielbereichen in Kauf nehmen.

„Italien wird dieses Jahr ganz schwierig“

Derzeit aber fährt niemand Radrennen. In der großen weiten Welt nicht, in der Pfalz nicht. Gerade wurde sogar schon das Rennen in Queidersbach Anfang Juni abgesagt. Der Giro d’Italia ist verschoben – jene große Rundfahrt, die Pascal Ackermann endgültig zu riesigem Ruhm in der Radsportwelt verhalf, als er 2019 als erster Deutscher überhaupt das lilafarbene Trikot des Punktbesten gewann. „Ich vermute mal, Italien wird in diesem Jahr ganz schwierig“, sagt Ackermann angesichts der dramatischen Zustände in dem Land. Und trotzdem hegt er die Hoffnung, „dass die drei großen Rennen im Notfall nachgeholt werden. Vielleicht ja in abgespeckten Varianten. Die Tour wird definitiv Vorrang kriegen, dann der Giro, dann die Vuelta“. So oder so, passt es jetzt nicht ganz gut, dass sein Tour-de-France-Debüt seitens seines Profistalls Bora-hansgrohe ja ohnehin erst für 2021 vorgesehen war? „Vielleicht fahre ich sie auch 2020“, sagt Ackermann lachend und wohl nur halb im Scherz, denn: „Es wird viele Änderungen geben.“ Wenn überhaupt.

Teambesprechungen nur via Skype möglich

Eigentlich ist er vor kurzem nach Bregenz-Lochau gezogen – der besseren Trainingsmöglichkeiten wegen. Die sind jetzt aber sehr eingeschränkt, Österreich hat sich und seine Menschen sehr früh und sehr strikt gegen die Pandemie abgeschottet. „Ich bin dann lieber zu meiner Family, das macht mehr Sinn. In Österreich hätte ich so nicht trainieren können“, erzählt Ackermann. Die Eltern Ute und Thomas freuen sich natürlich, dass sich der Sohn nun so gut wie möglich in der südpfälzischen Heimat in Form hält. Und solange das Wetter passt, ist hier erst mal vieles machbar. Denn fünf Stunden nur auf der Rolle strampeln und die Wand anschauen, „dafür bin ich nicht der Typ“. Die Bora-Teambesprechungen finden übrigens via Skype-Call statt.

Als wir am Dienstag kurz nach 16 Uhr telefonierten, war die Nachricht des Tages noch recht frisch: Olympia ist verlegt. Für Pascal Ackermann kein großes Thema, der Kurs in Tokio wäre für ihn als reinen Sprinter eh zu schwer gewesen. „Das ändert an meinem Leben nichts“, sagt er lapidar. Heutzutage solch einen Satz zu hören, tut dann manchmal auch ganz gut.

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