Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzische Erfolge bei den Bahn-Meisterschaften

Der spätere Sieger Luca Spiegel (rechts) mit Betreuer Hermann Mühlfriedel sowie Henrik Hackmann mit Trainer-Urgestein Frank Zieg
Der spätere Sieger Luca Spiegel (rechts) mit Betreuer Hermann Mühlfriedel sowie Henrik Hackmann mit Trainer-Urgestein Frank Ziegler beim Start zum Sprint bei der Bahnrad-DM in Berlin.

Senkrechtstarter Luca Spiegel gewinnt bei der Bahnrad-DM den Titel im Sprint vor Henric Hackmann. Alessa-Catriona Pröpster, die olympische Ersatzfrau von Paris und endlich wieder im Wettkampfmodus, triumphiert im Keirin.

Im Bahnradteam Rheinland-Pfalz herrschte am Samstag in Berlin ausgelassene Feiertagsstimmung. Der Senkrechtstarter im deutschen Sprint, der erst 20 Jahre alte Luca Spiegel aus Landau, hat in der Königsdisziplin seinen ein Jahr älteren Trainingskollegen und WG-Mitbewohner Henric Hackmann aus Kirchheim besiegt. Und Alessa-Catriona Pröpster, wie Spiegel im RV Offenbach daheim, gewann vor Clara Schneider das Keirinrennen. Anne Slosharek aus Ludwigshafen wurde Vierte.

Es schien, als spielte Spiegel ein wenig mit „Hacki“, jedenfalls hatte er beide Läufe unter Kontrolle. „Es waren zwei sehr schöne Rennen. Ich habe gesehen, was Henric macht, er hat gesehen, was ich mache. Dann wurde es ein faires Kräftemessen“, sagte Spiegel, dem die deutsche Meisterschaft vor fünf Jahren an gleicher Stelle in den Sinn kam. Damals hatte Hackmann Spiegel im Halbfinale der Jugend besiegt. Und 2024? Da starten sie in neun Wochen gemeinsam bei den Weltmeisterschaften in Ballerup.

Wiedersehen bei der WM

Zwei Pfälzer in Dänemark – auch für den pfälzischen Bundestrainer Jan van Eijden, der einst in Kaiserslautern seine Karriere startete und im Jahr 2000 den Sprint-WM-Titel gewann, eine interessante Entwicklung.

„Spannende Läufe, Luca war stärker“, anerkannte 1000-m-Meister Hackmann. Während er am Sonntag noch um den Keirintitel kämpft, fliegt Spiegel mit seiner irischen Freundin Lara Gillespie, die in Paris Olympia-Zehnte im Omnium wurde, nach Portugal in den Urlaub. „Ich will jetzt einfach mal das Rad beiseite stellen und abschalten. Das ging jetzt alles so richtig lange, es reicht“, sagte Spiegel. Erst alle Trainingslager intensiv mitgemacht, dann der Sprint-EM-Titel der Junioren in Cottbus geholt, dann die Plätze sechs und neun in Paris ins Buch geschrieben und den Sturz im Keirin-Halbfinale einfach abgehakt und im zerrissenen Trikot das kleine Finale gefahren. Ein paar Tage musste er seine Kopfschmerzen im Berliner Hotelbett kurieren, dann steuerten seine Beine wieder seinen Körper.

„Zwei aus einer Trainingsgruppe im Finale um den Titel zu haben, ist bei den Männern was Besonderes. Beide haben eine rasante Entwicklung genommen. Sie schenkten sich heute nichts. Ich habe mich da überhaupt nicht eingemischt, aber ich bin total stolz auf sie“, sagte ein sichtlich gerührter Trainer Frank Ziegler.

Endlich wieder Wettkampf

Endlich wieder im Wettkampfmodus: Alessa-Catriona Pröpster, die Ersatzfrau von Paris, wo sie schwierige, aber letztlich doch auch megaschöne Tage verbrachte, lebt in den Wettkämpfen wieder auf. „Ich habe in Paris alle Emotionen der Mädels mitbekommen, die richtig schönen mit der Bronzemedaille von Lea, Pauline und Emma im Teamsprint, aber auch die weniger schönen, als auch die beiden anderen Teams aus Großbritannien und Neuseeland Weltrekorde fuhren und an ihnen vorbeizogen“, erzählte die 23-Jährige. Sie gestand aber auch: „Es ist sehr schade, wenn man zu viert trainiert, dann aber eben nicht starten kann. Ich wurde halt nicht dafür belohnt für all die Jahre, wo ich auch mitgeholfen habe, die Olympiaqualifikation abzusichern“.

Nun, Alessa Pröpster hat sich in Paris eine „ganze Kelle Motivation abgeholt“. Zum Beispiel, als sie im Olympischen Dorf Sportgrößen wie Alexander Zverev, Simone Biles und Noah Lyles begegnete, oder als sie am frühen Morgen des letzten Olympiatages mit Pauline Grabosch auf E-Bikes durch Paris düste und den Sonnenaufgang auf dem Montmartre genoss. Der auf ihrem Handy installierte Timer jedenfalls läuft: Am Samstag zeigte er 1427 Tage bis zur Eröffnungsfeier in Los Angeles an.

In Berlin angekommen, erklärte sie: „Wenn man immer sagt, ich sei die viertschnellste Frau in Deutschland, und wenn die anderen drei nicht antreten, dann ist ja klar, was ich will: Goldmedaillen“. Die erste hat sie sich im Keirin geholt, die zweite soll am Sonntag zum Abschluss der DM im Sprint folgen. Aber Druck wolle sie sich keinen machen, sondern nur: „Ruhig bleiben und Spaß haben“. Auch ihr Blick geht nach Ballerup. Sie ist die Dritte aus dem Kaiserslauterer Wohn-WG-Trio, die die deutschen Farben bei der WM in Dänemark vertreten wird.

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