Handball
Paukenschlag bei den Löwen
Angekündigt war sie ja, die „Personalie“. Der eine oder andere rechnete am Donnerstagnachmittag damit, dass die Löwen in der Not vorübergehend noch einen Torhüter verpflichten. Doch es kam ganz anders.
Hamburg als Mittelpunkt
„Es ist sicher keine einfache Entscheidung, die ich gemeinsam mit meiner Familie getroffen habe. Die Rhein-Neckar Löwen sind ein fantastischer Klub mit tollen Möglichkeiten und ehrgeizigen, sportlichen Zielen. Langfristig sehe ich aber meinen Lebensmittelpunkt in Hamburg. Der Handball hat immer mein Leben bestimmt, und ich werde ihm sicher in anderer Form erhalten bleiben. Meine Tätigkeit bei den Löwen war und ist aufgrund der Corona-Pandemie eine außergewöhnliche und sehr intensiv fordernde Zeit, von einem normalen Trainings- und Spielbetrieb sind wir leider noch weit entfernt“, erklärte Martin Schwalb.
Schwalb betreibt den Neuaufbau
Der Coach übernahm nach sechs Jahren Auszeit die Löwen im Februar 2020, er folgte auf den zuweilen überforderten Schweden Kristjan Andrésson. Nach ein paar Spielen war dann im Frühjahr schon Schluss wegen der Pandemie, in der neuen Saison ab September trieb Schwalb die Entwicklung einer neuformierten Mannschaft voran. In der Tabelle rangieren die Löwen auf Platz zwei, mit fünf Punkten Rückstand zum THW Kiel, der drei Spiele weniger hat als die Löwen und Dritter ist. In der European League steuert das Team Richtung Achtelfinale. Die Spieler wurden am Donnerstagvormittag informiert.
„Den Rhein-Neckar Löwen werde ich auf alle Fälle verbunden bleiben und im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen, wo ich kann. Gemeinsam mit meiner Mannschaft möchte ich nun die laufende Saison natürlich bestmöglich beenden, denn meine Entscheidung ändert überhaupt nichts an unseren gemeinsamen Zielen“, sagte Schwalb, der vor dem Engagement als Sky-Experte arbeitete.
Keine finanziellen Gründe
Die Löwen hatten sich das anders gedacht. „Wir hatten gute und ehrliche Gespräche und waren frühzeitig über seine Gedankengänge informiert, den Lebensmittelpunkt wieder nach Hamburg zu verlegen. Wir bedauern diese Entscheidung, möchten aber gleichzeitig betonen, dass es keine finanziellen Gründe waren, dass Martin uns verlässt“, erläuterte Geschäftsführerin Jennifer Kettemann der RHEINPFALZ. „Es ist kein Geheimnis, dass wir gerne über die Saison hinaus mit Martin weitergearbeitet hätten. Er hat unsere Mannschaft in der vergangenen Saison in einer sehr schwierigen Phase übernommen und innerhalb von kurzer Zeit zu neuer Spielfreude und Begeisterung verholfen. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Es ist sehr schade, dass praktisch seine komplette Amtszeit in die Corona-Pandemie fällt, die uns alle vor große Herausforderungen stellt.“
Jennifer Kettemann vermochte am Donnerstag noch nicht zu sagen, wer als Nachfolger in Betracht kommt, ob es wieder ein deutscher Trainer wird oder einer aus dem Ausland. Für den Sportlichen Leiter Oliver Roggisch war Schwalb „der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt“. Zumindest herrscht jetzt Klarheit.
Nach nur knapp eineinhalb Jahren wird die Ära Martin Schwalb bei den Rhein-Neckar Löwen im Juni dann aber schon wieder vorbei sein.
