Brighton RHEINPFALZ Plus Artikel Pascal Groß muss sich in Brighton gedulden

Bedrängt Tottenhams Star Harry Kane, der am Ball ist: Pascal Groß.
Bedrängt Tottenhams Star Harry Kane, der am Ball ist: Pascal Groß.

Es ist besonders in diesen Zeiten wichtig, sich und seine Situation richtig einschätzen zu können. Pascal Groß sitzt gerade in seiner Wohnung in Brighton in Südengland fest, mit Ausnahme der kurzen Spaziergänge mit seinem Hund ist der Profi aus Mannheim in den eigenen vier Wänden gefangen.

Groß steht beim englischen Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion unter Vertrag und kann seinem Job wegen der Corona-Pandemie im Moment nicht nachgehen. Die Liga hat sich eine Pause bis zum 30. April verordnet – und ob die Saison danach beendet werden kann, ist fraglich. „Es sind verrückte Zeiten“, sagt Groß am Telefon: „Aber ich weiß, dass ich es trotz der schwierigen Lage noch ganz gut habe.“

Groß kennt die Probleme, die viele seiner Freunde jetzt haben. Wenn neben der Sorge vor der Krankheit die Ungewissheit im Job kommt. „Die wissen zum Teil nicht, wie es weitergeht. Ich weiß es zu schätzen, dass die Lage für mich wirtschaftlich nicht bedrohlich ist“, erklärt der Mittelfeldspieler, der mit seiner Freundin im südenglischen Badeort lebt und dort zunächst über den Umgang der Einheimischen mit der Bedrohung überrascht war. Einschränkungen im öffentlichen Leben gab es erst mit einiger Verspätung. Während in Deutschland schon verboten war, sich in Gruppen zu versammeln, schlenderten an der malerischen Promenade in Brighton die Menschen weiterhin entlang. Die Sorge vor der Verbreitung der Krankheit ist erst mit Verspätung auf der Insel angekommen.

Mitten im Abstiegskampf

Mit Brighton befand sich Groß mitten im Abstiegskampf, als die Saison unterbrochen wurde. Für den Mannheimer rückte der Sport aber schnell in den Hintergrund, denn durch seine italienischen und spanischen Teamkollegen wurde ihm bewusst, wie dramatisch die Lage ist. Und deshalb ist er bereit, mitzuhelfen, die Not zu lindern. Einen Gehaltsverzicht ist in seinem Klub bislang nicht angedacht, aber Groß ist bereit, auf andere Weise zu helfen. In der Vergangenheit hat sich der Fußballer oft bei sozialen Projekten engagiert, jetzt ist er fest entschlossen, seinen ihm möglichen Teil beizusteuern, um die Not zu lindern. Das reguläre Training ist derzeit für Groß und seine Kollegen nicht möglich, aber der Klub hat allen Spielern individuelle Trainingspläne ausgearbeitet. Zudem treffen sich die Profis einmal täglich vor dem Rechner, um unter Anleitung eines Fitnesstrainers Kraft- und Stabilisationsübungen zu absolvieren. Ein kleiner Rest Gemeinschaft in einer Zeit, in der das soziale Miteinander so sehr eingeschränkt. „Das ist eine gute Sache, so geht der Kontakt nicht ganz verloren“, sagt Groß.

Flug nach Deutschland nicht erlaubt

Seinem ersten Impuls nach der Saison-Unterbrechung, gemeinsam mit seiner deutschen Freundin, in die Heimat zu fliegen, konnte Groß nicht folgen. Der Klub untersagte es den ausländischen Spielern, das Land zu verlassen, weil nicht klar ist, wann und ob die Saison fortgesetzt wird. „Wer weiß, ob man dann wieder zurück ins Land kommt, viele Grenzen sind im Moment ja dicht“, so Groß. Kontakt in die Heimat hält er deshalb über das Handy – und der Austausch mit seinen Eltern ist ihm wichtig: „Um mich selbst mache ich mir keine Sorgen, aber um meine Eltern und meine Oma schon.“

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