Fussball-EM RHEINPFALZ Plus Artikel Ohne Wenn und Aber: Löw übernimmt die Verantwortung für das Aus

Der scheidende Bundestrainer Joachim Löw.
Der scheidende Bundestrainer Joachim Löw.

Der scheidende Bundestrainer Joachim Löw übernimmt die Verantwortung für das Scheitern bei der Europameisterschaft. Das Gerüst der Mannschaft für die Zukunft dürfte stehen. Aber wie sieht sie aus?

Diese Niederlage gegen England saß, dieses erneute Scheitern traf. „Man hat bei allen auch gemerkt, die Nacht war kurz. Niemand konnte in der Nacht die Ruhe finden. Die Enttäuschung und die Niedergeschlagenheit waren schon riesengroß. Die Spieler werden auch ein paar Tage brauchen“, sagte Joachim Löw über die Stunden im „Home Ground“ von Herzogenaurach am Mittwoch in seiner letzten Bilanzpressekonferenz als Bundestrainer. Löw hielt in der Nacht noch eine kleine Rede ans Team und an den Betreuerstab, bedankte sich für das Vertrauen und die langjährige Zusammenarbeit.

Der 61-Jährige übernahm am Mittwoch die Haftung. „Es tut mir leid, dass wir unsere Fans enttäuscht haben und nicht die Begeisterung ausgelöst haben, die wir uns vor dem Turnier vorgenommen haben. Es liegt in meiner Verantwortung, und ich übernehme natürlich auch die Verantwortung für dieses Ausscheiden ohne Wenn und Aber. Von da her braucht es etwas Zeit, um diese Enttäuschung wirklich zu verarbeiten.“

Muss sich die deutsche Mannschaft nun zunächst einmal hinten an stellen? Nach der enttäuschenden Weltmeisterschaft in Russland war das Aus in London ja der zweite Rückschlag. „Ich kann nicht damit zufrieden sein, dass wir Außenseiter sind. Wir haben als Deutschland immer den Anspruch und die Ambitionen, vorne mitzuspielen. Wir haben gute Spieler. Einige müssen noch mehr Erfahrung sammeln und bei ihren Vereinen in verantwortliche Rollen kommen“, meinte DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

Keine Detailanalyse

Bundestrainer Joachim Löw wollte bei seiner Analyse des 0:2 gegen England nicht ins allerletzte Detail gehen, er erklärte zum frühen Aus: „Die Mannschaft muss noch ein Stück reifen, um als Mannschaft erwachsen zu sein.“ Löw geht nun von Veränderungen aus, sieht aber für sein gescheitertes Team durchaus gute Perspektiven. „Wir haben eine Reihe junger Spieler, die in den nächsten zwei, drei Jahren noch mal einen großen Schritt nach vorne machen werden.“ In den fehlenden Automatismen im Vergleich zu beispielsweise den Engländern erblickte er einen Grund für den K.o.

„Was wir nicht geschafft haben, ist, eine gewisse Kontinuität in unser Spiel hineinzubekommen. Das fing schon 2018 bei der WM an, als wir das Spiel gegen Schweden noch gedreht haben oder das mitreißende Spiel jetzt gegen Portugal“, fand Bierhoff.

Grundgerüst steht

Das Grundgerüst für die nächsten Jahre steht. Neben Mats Hummels und Thomas Müller werden auch immer mal wieder Toni Kroos und Ilkay Gündogan als Kandidaten gehandelt, die ihre Karriere in der Nationalmannschaft beenden könnten. Laut Bierhoff hat noch kein Spieler seinen Abschied angedeutet. Einen Schritt nach vorne bei der Europameisterschaft haben vor allem Kai Havertz und auch Robin Gosens gemacht. In dem Grundgerüst werden Joshua Kimmich und Leon Goretzka zentrale Figuren sein. Einige stagnieren, zum Beispiel Timo Werner. Mit Jamal Musiala machte ein Talent den ersten Schnupperkurs. Was passiert mit dem Dortmunder Marco Reus? Kommt er noch einmal zurück?

Bierhoff wünscht sich, dass künftig wieder mehr U21-Spieler eingebaut werden. Aber das ist gar nicht so einfach. Ein Beleg. „2014 hatten wir sieben Spieler im Weltmeister-Kader, die 2009 U21-Europameister geworden sind. 2021 war es mit Serge Gnabry nur einer von 2017.“ Die Fehler sind erkannt. Es fehlt nach Ansicht von Bierhoff inzwischen der Killerinstinkt, es fehlt auch ein Strafraumspieler. „Das haben wir angeführt und hoffen, dass uns der deutsche Fußball dabei auch folgt. Der deutsche Fußball muss sich zusammentun.“

Hansi Flick als Hoffnung

Die Hoffnung liegt nun auf Löws Nachfolger Hansi Flick. „Jeder Trainer hat seine eigene Handschrift. Ich kenne Hansi Flick auch lange. Er hat neben der sportlichen Kompetenz auch starke menschliche Fähigkeiten. Da ähnelt er Joachim Löw“, erläuterte Bierhoff. Am 2. September geht es in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein weiter. Laut Bierhoff soll es eine souveräne Qualifikation werden.

Manuel Neuer tröstet Joshua Kimmich.
Manuel Neuer tröstet Joshua Kimmich.
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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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