Kommentar
Nicht ist für die Ewigkeit – auch nicht Gerd Müllers Torrekord
Man stelle sich dies für einen Moment vor. Bayern München empfängt am letzten Spieltag dieser Saison den FC Augsburg. Es läuft die 89. Minute. Robert Lewandowski steht noch immer bei 39 Saisontoren, eines fehlt, um die scheinbar ewige Bestmarke Gerd Müllers aus der Saison 1971/72 einzustellen. Ein Pfiff. Elfmeter. Für den Meister. Lewandowski legt sich den Ball zurecht, läuft an, doch dann – schiebt er die Kugel absichtlich am Tor vorbei und lupft das Trikot. Zum Vorschein kommt ein Unterhemd mit dem Konterfei des „Bombers der Nation“, dazu ein Schriftzug: „Gerd, für immer unerreicht“. Was wäre das für eine Hommage an den großen, kleinen-dicken Müller, der 75-jährig und schwer an Demenz erkrankt diesen pathetischen Moment nicht mehr mitverfolgen könnte. Gerade die Älteren bis Alten unter den Fußballfans würden sich in Ehrfurcht vor Lewandowski verneigen. Ob Gerd Müller so etwas überhaupt gewollt hätte?
Lewandowski wird den Rekord brechen
Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass Lewandowski den alten Rekord ein- und einen neuen aufstellen wird, es sei denn, er holt sich beim Gastspiel in Freiburg die fünfte Gelbe Karte ab, ohne vorab getroffen zu haben. Lewandowski wird die neue Messlatte sein, und er hat es verdient. Er ist der perfekte Stürmer, ohne Schwächen, einer der besten, die es je auf diesem Globus gegeben hat. Einst aber wird einer kommen, der ihn vom Thron stößt. Vielleicht erst, wenn Lewandowski 75 ist. Nichts ist für die Ewigkeit.
Bo Svensson wird Angebote bekommen
Das gilt auch für Trainer. Bo Svensson wird sich vor Angeboten nicht retten können, wenn er derart erfolgreich weiterarbeitet. Dass Mainz 05 in der Liga bleibt, kommt einem sportlichen Wunder gleich und ist sein Verdienst. Er wird weiterziehen. Irgendwann. Vielleicht unter Tränen wie einst Jürgen Klopp. Nichts ist für die Ewigkeit.