Fußball
Neuanfang beim DFB: Der große Schulterschluss
Es geht darum, Zeichen zu setzen. Diesen Eindruck versprühen die Granden beim Deutschen Fußball-Bund schon seit dem bitteren, weil frühen Ende bei der Weltmeisterschaft in Katar. Nun ja, im Grunde versendeten sie vor und während dieses aus vielen Gründen verpatzten Turniers schon vielerlei Botschaften, aber die waren eher (sport)politischer Natur – und versandeten am persischen Golf.
Inzwischen ist alles eine Nummer kleiner. Im Umfeld der A-Nationalmannschaft geht es darum, wo immer möglich eine neu eingekehrte Demut unter Beweis zu stellen. Das Teamhotel ist nicht mehr ganz so luxuriös wie in der jüngeren Vergangenheit, und die jungen Männer, die in die Eliteauswahl des deutschen Fußballs berufen wurden, stehen nicht mehr meterhoch über dem Rest der Kicker der Nation. „Das hat ja einen symbolischen Sinn, dass wir das heute so machen“, sagte Rudi Völler am Montag.
„50, 60 Spieler sind Basis für alles“
Der ewige „Ruuudi“, in Personalunion zudem der neue DFB-Sportdirektor, saß mittig auf dem Podium auf dem schicken Campus des Verbandes in Frankfurt, neben ihm hatten Bundestrainer Hansi Flick und U21-Coach Antonio Di Salvo Platz genommen. Nicht nur die A-Nationalmannschaft ist wichtig, sondern der Nachwuchs ebenfalls – das war die Botschaft an diesem Tag. „Diese 50 bis 60 Spieler sind die Basis für alles im deutschen Fußball“, erklärte Völler, mit ein wenig Pathos in der Stimme.
Zum ersten Mal seit dem Vorrundenaus von Katar kam die A-Nationalmannschaft zusammen, am kommenden Samstag (gegen Peru) und dem darauffolgenden Dienstag (gegen Belgien) stehen Länderspiele an. Mit altem Bundestrainer, neuem Sportdirektor und einem an einigen Stellen veränderten Kader kommt es zu einem Neuanfang. Beim DFB sind sie an vielen Stellen bemüht, einen Schulterschluss herzustellen, da bildet die A-Nationalmannschaft keine Ausnahme. Aus diesem Grund saß Di Salvo ebenfalls auf dem Podium.
Fünf Neue aus der U21
Ein verändertes Miteinander hatte Flick schon vor ein paar Tagen begonnen, als er zunächst vier und inzwischen fünf Akteure in seine Mannschaft berief, die zuletzt im Kader der U21 gestanden hatten. Josha Vagnoman (VfB Stuttgart), Felix Nmecha (VfL Wolfsburg), Malick Thiaw (AC Mailand), Mergim Berisha (FC Augsburg) und Kevin Schade (FC Brentford) stehen für eine bewusste Durchmischung und das offensichtliche Zeichen, dass nach dem sportlichen Debakel bei der WM nicht alles einfach so weiter geht. „Ich hätte gerne die Berichte gelesen, wenn wir nichts Neues gemacht hätten“, sagte Flick mit einem Lächeln im Gesicht.
Der Bundestrainer möchte sich in den kommenden Tagen ein Bild von den Spielern machen, in denen er „Potenziale erkannt“ habe. Gleichzeitig soll die Nominierung den etablierten Kräften aufzeigen, dass nicht jeder seinen Platz für das Ereignis sicher hat, das in knapp 15 Monaten zu einem großen fest werden soll: Die Europameisterschaft im eigenen Land. Immerhin sind Akteure wie Leroy Sané (FC Bayern), Antonio Rüdiger (Real Madrid) oder Niklas Süle (Borussia Dortmund) diesmal nicht dabei.
„Zusammenhalt kreieren“
Damit die Heim-EM zum Erfolg wird, muss ein großer Zusammenhalt herrschen. Das haben beim DFB alle erkannt. Deshalb stand am Montagnachmittag eine öffentliche Trainingseinheit an, die bis zu 5000 Zuschauern die Möglichkeit geben sollte, ihre Stars aus nächster Nähe unter die Lupe nehmen zu können. Bis zur Mittagszeit hatten sich immerhin rund 2500 Personen angemeldet. Es ist also noch Luft nach oben hinsichtlich der Euphorie rund um die A-Nationalmannschaft.
Es gibt noch einiges zu tun, und weil der DFB die Fans nicht per Zwang zum Mitfiebern bringen kann, kümmert er sich um die Bereiche, die er beeinflussen kann. Für Dienstagabend ist ein gemeinsames Essen des A-Kaders mit der U21 angesetzt, mitsamt lockerem Plausch im Anschluss. „Es ist wichtig, dass wir Zusammenhalt kreieren“, sagte Völler.
Sportlich lautet der Auftrag an Flick, bis Juni nächstes Jahres dafür zu sorgen, dass die deutsche Mannschaft in der Lage ist, die „zwei, drei, fünf Prozent mehr“ (Völler und Flick) aus sich herauszuholen, die nach DFB-Recherchen hinsichtlich Mentalität, Wille und Gier in Katar gefehlt hatten, um eine bessere Rolle bei der WM zu spielen. Mit einem groß angelegten Schulterschluss soll die Basis dafür geschaffen werden.