Fussball
Mitgliederversammlung des FC Bayern München gerät zum Desaster
Der letzte Auftritt endete in einem Schweigen. Es war Uli Hoeneß, der vielleicht beschwichtigen oder doch auch seinem Ärger Luft machen wollte, auf seine rustikale Art und Weise, die oft genug schon Wirkung gezeigt hatte. Doch dazu kam es nicht mehr. Der Ehrenpräsident des FC Bayern setzte vor dem Mikrofon zu einer Rede oder eben Schelte an, aber die Stimmung war längst zu aufgeheizt. „Wir sind die Fans, die ihr nicht haben wollt“, riefen die aufgebrachten Klubmitglieder. „Wir sind Bayern und ihr nicht.“ Hoeneß verließ das Podium und kurz darauf die Halle im Audi Dome. „Ich schäme mich“, sagte er im Vorbeigehen. „Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe.“
Katar sollte kein großes Thema werden
Dass es bei der Jahreshauptversammlung des deutschen Rekordmeisters nicht harmonisch zugehen würde, zumindest nicht immer, war schon zuvor klar. Zwar hatte der Verein alles unternommen, um Katar nicht zu einem großen Thema werden zu lassen beim ersten Treffen mit den Mitgliedern seit zwei Jahren – aber eben damit genau das Gegenteil erreicht. Zuerst war der Antrag von Michael Ott, den Sponsorvertrag mit Qatar Airways nicht mehr zu verlängern, vom Klub ignoriert worden. Dann scheiterte der Antragsteller mit seiner einstweiligen Verfügung vor Gericht, mit der Begründung, dass das Thema Sponsoring laut Satzung Aufgabe des Präsidiums sei, die Mitglieder hätten da kein Mitspracherecht. Auch eine Beschwerde beim Amtsgericht war abgelehnt worden.
Der Verein als Verlierer
Der Verein wähnte sich als Sieger – und war am Ende doch der Verlierer, weil er kein gutes Bild abgab und zudem mehrere Niederlagen kassierte in den Abstimmungen zu diversen Anträgen. In einem ging es um eine präzisere Verankerung des Menschenrechtsgedanken und somit auch wieder um Katar.
Nur 780 von 1700 im Rahmen Corona-Auflagen möglichen Mitgliedern waren in den Audi Dome gekommen, alle genesen oder geimpft und alle zusätzlich getestet. Ein Großteil davon hatte nicht nur vor, die großen Erfolge zu beklatschen, die Titel und Pokale, die zu Beginn der Versammlung in die Halle getragen worden waren, sondern verstand sich als kritischer Begleiter. „Wir stellen uns jeder Diskussion, aber sie soll sachlich und auf nüchterner Basis stattfinden“, sagte Präsident Herbert Hainer bei seiner Rede zu Beginn, um am Ende genau diese Diskussion abzuwürgen. „Hainer raus“, riefen die Mitglieder, als der eine Viertelstunde nach Mitternacht einige weitere Wortmeldungen unterband.
Die Entfremdung
Wenn man sich vielleicht in ein paar Jahren fragt, wann alles begonnen hat oder besser wann der Verein die Basis verlor, könnte diese Jahreshauptversammlung eine zentrale Rolle spielen. Die Verantwortlichen haben am Donnerstagabend unfreiwillig und teilweise auf eine nicht sehr souveräne Art und Weise zum Besten gegeben, dass der Fußballklub inzwischen sehr, sehr weit entfernt ist vom früheren Anspruch, den Spagat zwischen Familienbetrieb und globalem Unternehmen hinzubekommen, zwar Asien und Amerika im Fokus zu haben, aber in Bayern daheim zu sein. Und es war der Moment, in dem sie die Basis den Eindruck bekam, dass kein Interesse mehr besteht an einem Dialog.