Bogenschiessen RHEINPFALZ Plus Artikel Mit blitzsauberer Teamleistung zu Bronze

Michelle Kroppen (rechts), Charline Schwarz (Mitte) und Lisa Unruh freuen sich über die Bronzemedaille.
Michelle Kroppen (rechts), Charline Schwarz (Mitte) und Lisa Unruh freuen sich über die Bronzemedaille.

Es war eine blitzsaubere Teamleistung, mit der sich die deutschen Bogenschützinnen in Tokio im kleinen Finale gegen Belarus die Bronzemedaille sicherten. Dabei sah es am Freitag noch gar nicht nach Edelmetall aus.

Ohne Zuschauer im Stadion hört man jeden Jubelschrei. Da müssen ja selbst die zirpenden Grillen im Yumenoshima Park von Tokio erschrocken sein. Am Ende des Duells im kleinen Finale, als Lisa Unruh (32) mit einer Zehn ganz cool die Bronzemedaille sicherte, wusste keiner, wer lauter geschrien hatte: Charline Schwarz, mit 20 die Jüngste, oder Michelle Kroppen (25), die sich selbst nicht wieder erkannte: „Ich wusste gar nicht, dass ich so schreien kann“, sagte Kroppen (Jena). Auf jeden Fall klebten sie sich in den Armen und hüpften kurz. Aber es war erneut zu heiß, um ausgelassen zu feiern. Das hoben sie sich für den Abend auf. „Wir werden bisschen Karten spielen“, sagte Lisa Unruh. Das hat wirklich jeder verstanden.

Gegen Weißrussland siegte das Trio 5:1 und rückte den schönen Bogensport einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit einer blitzsauberen Teamleistung. Zwar schickt jede den Pfeil alleine auf die 70-m-Reise, oder wie Lisa Unruh sagt: „Jede denkt an den geilen Schuss“, jede macht ihre zwei Schüsse in den 120 Sekunden pro Satz für sich, aber das gegenseitige Mutmachen und Tipps geben, das schweißt zusammen.

Unglückliche Niederlage

Vergessen war die unglückliche Niederlage eine halbe Stunde davor im Halbfinale gegen die Russinnen, vergessen auch die schwache Qualifikation am Freitag, die laut Bundestrainer Oliver Haidn die ganze Saison auf den Kopf zu stellen drohte. Hauptsache Medaille im Team-Wettbewerb. Wie schon 1996 in Atlanta (Silber) und 2000 in Sydney (Bronze). „Im Team ist es noch mal schöner als im Einzel“, sagte Charline Schwarz aus Feucht, und Lisa Unruh, die Erfahrenste aus Berlin, meinte: „Ich habe mir diese Medaille so sehr gewünscht, es ist schön zusammen zu siegen“. 55:48 Ringe im ersten Satz, 53:51 Ringe im zweiten Satz und dann diese nervenstarke Zehn, mit der Lisa Unruh, die Silberfrau von Rio, den Ausgleich zum 55:55 und den Sieg schaffte. Von „bin überwältigt, wir haben super geschossen“ (Unruh) über „es wird alles erst über mich einfallen, wenn ich die Medaille in der Hand halte“ (Schwarz) bis hin „zu unbeschreiblich und wunderschön“ gingen die Emotionen hoch, als die Drei noch vor der Siegerehrung den Journalisten Rede und Antwort standen.

Raus aus dem Freitagstief

Natürlich war da die Frage, was sie taten, um aus dem Freitagstief in der Qualifikation herauszukommen, oder jene Frage nach der geschossenen Zwei, mit der Lisa Unruh im letzten Schuss den zweiten Satz gegen Russland im Halbfinale aus der Hand gab. Abhaken und vergessen – zwei starke Worte, die da fielen. „Ich als die Junge habe noch mehr Hochs und Tiefs als die anderen. Ich hab’s abgehakt, weil ich wusste, dass ich Team schießen kann“, sagte Charline Schwarz. Lisa Unruh ging mit sich hart ins Gericht. „Der Wind hat mich zwar weggeschurkelt, aber schuld war ich selbst. Ich konnte meine Technik nicht ausüben, hatte Spannung verloren, das war richtig kacke. Ich sagte mir, das muss ich vergessen, vergessen, vergessen“. Sie ist dann auch mit zwei Zehnern zurückgekommen. Vielleicht hätten sie ohne den missratenen Schuss das Finale gepackt, aber Gold schien unerreichbar. Korea schlug Russland locker 6:0.

„Wir wussten, was wir können“

Oliver Haidn und die Damen-Bundestrainerin Natalia Butuzovawir genossen das Happy Ende. Haidn sagte: „Wir hatten so einen schwierigen Start gehabt nach so einer Corona-Saison, in der wir hart arbeiteten, da kommen Gedanken in den Kopf, was ist da los. Wir sagten uns heute früh, wir müssen gewinnen, nichts als gewinnen. Wir wussten ja, was wir können. Und gegen Taiwan im Achtelfinale haben wir uns befreit“.

Am Eiffelturm kämpfen die Beachvolleyballer um Edelmetall.

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