Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Milde Strafe nach dem Horrorfoul an Adler Esposito: Die DEL sorgt für Kopfschütteln

Luke Esposito wird am Freitagabend in der SAP Arena vom EIs gebracht.
Luke Esposito wird am Freitagabend in der SAP Arena vom EIs gebracht.

Entwarnung nach dem Schock: Luke Esposito von den Adlern Mannheim hat sich beim 7:1 gegen Berlin nicht schwerer verletzt. Unverständnis löst aber die Reaktion der DEL aus.

Eishockey ist ein harter Sport, voller Dynamik, großem Tempo, vielen Zweikämpfen und knackigem Körpereinsatz. Die Kultur des „harten Mannes“, der auch mal die Fäuste sprechen lässt, wird im Eishockey immer noch als Teil der Kultur gelebt und von den Fans auch gefeiert. Dabei wird oft übersehen, welchen Preis die Spieler für diese Härte und Kultur zahlen.

Der wohl schlimmste Fall ist der des Rosenheimer Oberligaspielers Mike Glemser, der im Februar 2023 nach einem Check des Gegenspielers in die Bande stürzte und sich zwei Halswirbel brach. Glemser sitzt seitdem gelähmt im Rollstuhl.

Ähnliche Ängste hatten viele, die am Freitagabend sahen, wie der Mannheimer Angreifer Luke Esposito regungslos auf der Trage vom Eis gebracht wurde. Der Adler-Profi war beim 7:1-Sieg gegen die Eisbären vom Berliner Veilleux in einer Art und Weise umgefahren worden, wie man sie selbst im harten Eishockey nur selten sieht. Die Scheibe lange war weg, Esposito beinahe stehend ohne Körperspannung, den Blick auf die andere Seite gerichtet, so fuhr der Berliner den 31-jährigen US-Amerikaner mit voller Wucht und hoher Geschwindigkeit um.

Dass die Adler zum ersten Mal nach zwölf Niederlagen in Folge gegen das Team die Eisbären zum ersten Mal wieder schlugen, den amtierenden Meister sogar deklassierten, geriet aufgrund der Angst um die Gesundheit des Spielers zur Randnotiz. Am Sonntag ließen die Adler einen 2:1-Heimsieg gegen den ERC Ingolstadt folgen. Leon Gawanke und Tom Kühnhackl drehten die Partie nach langem 0:1-Rückstand.

Berliner Veilleux nur für sechs Spiele gesperrt

Die noch bessere Nachricht erreichte die Mannheimer Fans und Eishockey-Deutschland am Samstagabend kurz nach 20 Uhr.

In einer Meldung teilten die Adler mit, dass Esposito das Krankenhaus verlassen habe und sich nun zur Erholung und Gesundung bei seiner Familie befinde. Kurz zuvor hatte die Deutsche Eishockey-Liga die Strafe bekanntgegeben. „Sechs Spiele Sperre für Berlins Yannick Veilleux“, war auf der Homepage der DEL zu lesen.

Er habe „keinen Versuch gemacht zum Puck zu gelangen, der Check sei rücksichtlos und zu spät gewesen“, teilte die Liga mit. Zudem wandte Veilleux demnach „übermäßige und überflüssige Kraft an“ und sei zudem wegen früherer Vergehen ein „Wiederholungstäter“.

Die DEL zählt also die Vergehen vollständig auf, ergänzt noch um den Punkt, dass Veilleux als Rüpel kein Unbekannter ist und zieht ihn nur für drei Wochen aus dem Verkehr? Der Liga-Disziplinarausschuss hat in der Szene mit laxen Richtersprüchen schon oft für Kopfschütteln gesorgt, aber das Urteil von Samstag stellte einen Tiefpunkt und eine Schande für das deutsche Eishockey dar. Wenn das alles ist, was man als Spieler an Strafe für ein Inkaufnehmen des Karriereendes und schlimmer Verletzungen eines Gegenspielers zu erwarten hat, wird der Gedanke an einen zwar harten, aber fairen Sport mit Füßen getreten. Diese Sperre ist nichts anderes als ein Freifahrtschein, dass man als Spieler auf dem Eis tun und lassen kann, was man will.

Und wenn es die Liga schon nicht schafft, solch eine Aktion angemessen zu bestrafen, wäre es Sache der Vereine, dies zu regeln und den Spieler selbst für längere Zeit aus dem Spielbetrieb zu nehmen. Dass davon nicht auszugehen ist, war bereits am Freitag nach dem Spiel auf der Pressekonferenz zu sehen. Berlins Coach Serge Aubin bedauerte zwar die Folgen des Fouls seines Spielers, zum Foul selbst kam von ihm hingegen kein Wort der Entschuldigung.

Die Spieler riskieren viel für ihren Sport, für die Unterhaltung der Zuschauerinnen und Zuschauer. Sie haben es verdient, von der Liga und den Teams geschützt zu werden.

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