American Football RHEINPFALZ Plus Artikel Matthew Stafford: Endlich mal ein Sieger sein

Quarterback Matthew Stafford fand in Los Angeles das vor, was ihm in Detrot zwölf Jahre fehlte – ein Team, das erfogreich sein k
Quarterback Matthew Stafford fand in Los Angeles das vor, was ihm in Detrot zwölf Jahre fehlte – ein Team, das erfogreich sein kann.

Im ersten Jahr bei seinem neuen Team hat Quarterback Matthew Stafford direkt den Super Bowl erreicht. Gegen die Cincinnati Bengals sind die Los Angeles Rams der haushohe Favorit. Das birgt Gefahren – auch wegen Staffords riskantem Spiel. Doch nahezu jeder gönnt ihm den Erfolg. Selbst die, von denen es man nicht unbedingt erwartet.

Selbst in Detroit drücken sie ihm die Daumen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn ein Spieler um einen Wechsel bittet, den Transfer fordert, so wie es Matthew Stafford vor ziemlich genau einem Jahr getan hat. Mal wieder war die Saison der Lions kein großer Wurf geworden, in den Play-offs war die Football-Mannschaft aus Detroit erneut nur Zuschauer – da wollte der Quarterback nur noch weg. Das Angebot der Los Angeles Rams passte, der Deal war durch. In Ungnade ist Stafford bei den Anhängern deshalb aber nicht gefallen. Im Gegenteil. Sie haben Verständnis dafür.

Zwölf Jahre lang hat er es versucht, nachdem die Lions Stafford 2009 als ersten Spieler überhaupt bei der jährlichen Talentbörse ausgewählt hatten. Wer diesen ersten Pick hat, der war in der Vorsaison das schlechteste Team der National Football League. Die Lions waren besonders schlecht und hatten das Kunststück fertig gebracht, kein einziges Spiel zu gewinnen, sondern alle 16 zu verlieren – als erste Mannschaft in der NFL-Geschichte überhaupt.

In der Stadt gemocht

Die Aufgabe, dieses Team zum Erfolg zu führen, glich einem Himmelfahrtskommando. In zwölf Jahren mit Stafford kamen die Lions zu einer Bilanz von 74 Siegen, 90 Niederlagen und einem Unentschieden. Nur vier Spielzeiten schlossen sie mit mehr Siegen als Niederlagen ab, dreimal kamen sie in die Play-offs, ohne jedoch davon ein K.-o-Spiel zu gewinnen.

Stafford, der vor wenigen Tagen 34 Jahre alt wurde, stellte Vereinsrekorde auf, spielte verletzt, versuchte alles, opferte sich auf. Zudem mochte er die Stadt – und die Stadt mochte ihn, sah in ihm einen Hoffnungsträger. Gemeinsam mit seiner Frau Kelly unterstützte er soziale Projekte und engagierte sich für unterprivilegierte Teile der Gesellschaft, das Paar spendete beispielsweise eine Million Dollar, um einen Football-Platz für Jugendliche zu bauen. Kurz nach seinem Wechsel nach Los Angeles floss eine weitere Million.

Endlich ein Team, das siegen kann

Bei den Rams hat Stafford nun das, was ihm bei den Lions die ganze Zeit fehlte: ein Team um sich herum, das in der Lage ist zu gewinnen. Verteidiger, die Angriffe abwehren und solche, die ihn beschützen. Mitspieler, die seine Pässe fangen können. Bei der Kaderplanung sind die Rams dabei volles Risiko gegangen und haben ein Star-Ensemble in Los Angeles versammelt. Aaron Donald und Cooper Kupp beispielsweise, die als Nachwuchsspieler zu den Rams stießen. Die Verteidiger Von Miller und Jalen Ramsey etwa, oder der Wide Receiver Odell Beckham jr., die allesamt relativ frisch in Los Angeles sind.

So wie auch Stafford. Die Verantwortlichen wollten ihn unbedingt und schickten im Gegenzug ihren Stamm-Quarterback Jared Goff nach Detroit, zusammen mit den Zugriffsrechten in der ersten Draft-Runde 2022 und 2023. Für den Erfolg in der Gegenwart steht die Zukunft der Mannschaft ein stückweit auf dem Spiel. Doch der Plan scheint aufzugehen: Nun spielen sie in der Nacht zu Montag um 0.30 Uhr deutscher Zeit im Super Bowl LVI. Im eigenen Stadion in Los Angeles sind die Rams gegen die Cincinnati Bengals haushoher Favorit.

Doch diese Rolle birgt auch Gefahren. Bei allem Spektakel, das die Mannschaft in dieser Saison auf dem Platz gezeigt hat, war auch das Spiel von Matthew Stafford nicht immer fehlerfrei. Er zeigt viele tiefe und lange Pässe, mitunter nicht ungefährlich. 4886 Yards Raumgewinn und 41 Touchdowns hat er so in den 17 Spielen der Punkterunde erzielt. Das sind Top-Werte. Allerdings zählt Stafford auch zu den Quarterbacks mit den meisten Fehlwürfen, 17 seiner Pässe landeten beim Gegner. Seine Zuspiele fliegen oft nur knapp an den Verteidigern vorbei, und manche werden dann eben auch abgefangen.

Viele Optionen für Punkte

Deshalb gilt es, möglichst fehlerfrei zu bleiben, so wie bisher in den Play-offs. Vor allem eine Angriffsserie aus dem Viertelfinale bleibt dabei in Erinnerung. Kurz vor Schluss hatten die Tampa Bay Buccaneers um Tom Brady nach 3:27-Rückstand noch zum 27:27 ausgeglichen. 42 Sekunden blieben Stafford, mit zwei Pässen auf seine Lieblingsanspielstation Cooper Kupp über 20 und 44 Yards pflügte er über das Feld und brachte seine Mannschaft so nah an die gegnerische Endzone, dass ein Field Goal zum Sieg genügte. Kupp wurde am Donnerstag zum Offensivspieler des Jahres gekürt. Besonders dieses Zusammenspiel der Beiden müssen die Bengals in den Griff bekommen. Aber auch dann hat Stafford genügend andere Optionen, um Punkte zu erzielen.

Die Detroit Lions haben in den vergangenen 65 Jahren nur einen Sieg in den Play-offs errungen. Die Fans dort haben sich mit der Erfolglosigkeit abgefunden und träumen nicht von Super Bowls. Aber wenn Matthew Stafford jetzt tatsächlich die Vince Lombardi Trophy gewinnt, gönnen sie es ihm. Und vielleicht fühlen sie sich sogar ein klein wenig wie Sieger.

Im Internet

Infos rund um den Super Bowl unter www.rheinpfalz.de/sport/American-Football

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