Olympische Spiele RHEINPFALZ Plus Artikel München 1972 – die Spiele werden im Jubiläumsjahr lebendig

Das Zeltdach im Münchner Olympiapark – auch nach 50 Jahren spektakulär.
Das Zeltdach im Münchner Olympiapark – auch nach 50 Jahren spektakulär.

Vor 50 Jahren feierte die Sportwelt die Olympischen Spiele in München. Es waren heitere, durch das Attentat auf die israelische Mannschaft aber auch traurige Spiele. Die Stadt jubiliert und gedenkt der Opfer. Mit einem Großereignis im August reifen Gedanken über erneute Spiele in Deutschland.

Vor 50 Jahren, da drohten auf Rasenflächen in deutschen Parks Schilder wie „Betreten des Rasens verboten“. Nur im Münchner Olympiapark nicht. „Da war (und ist) das Betreten des Rasens ausdrücklich erlaubt“, hob Anton Biebl, Münchens Kulturreferent, am Donnerstag hervor. Der Olympiapark ist ein vergnüglicher Teil im Leben der Münchner, noch immer – und 50 Jahre nach den Olympischen Spielen 1972 ein bedeutendes Vermächtnis. Die bayerische Landeshauptstadt hat nun das Jubiläumsjahr eingeläutet, es soll ein erlebbares Jubiläum werden.

Von Nachhaltigkeit war noch keine Rede

Die Spiele damals: im Grünen, kurze Wege, offen und transparent, kulturell wertvoll. Sie sollten unter dem spektakulären Zeltdach für etwas ganz Neues, etwas Anderes stehen. „Die Idee war 27 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, der Welt ein modernes, liberales, weltoffenes Deutschland zu zeigen“, betonte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. Die Bundesrepublik wollte sich abgrenzen von Hitlers Spielen 1936, die Anlagen sollten nicht monumental und gigantisch sein, wie die Olympiaparkchefin Marion Schöne sagte, sondern leicht und offen für alle. Ein Nachhaltigkeitskonzept habe es nicht gegeben, „sondern man hat einfach gemacht“.

Der damalige OB Hans-Jochen Vogel, der auf die Vision des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees Willi Daume eingegangen war, sprach oft von den Spielen vor dem 5. September und den Spielen nach dem 5. September. Von den heiteren Spielen, und den tragischen, traurigen.

Palästinensische Attentäter hatten am 5. September 1972 die Wohnungen der israelischen Mannschaft gestürmt und Geiseln genommen. Bei der Befreiungsaktion starben elf Sportler, ein Polizist und fünf Terroristen. Die Stadt München will die Erinnerung an die Opfer wachhalten, das Gedenken werde „zum integralen Bestandteil des Jubiläumsprogramms“, sagte OB Reiter. Während des gesamten Jahres wird an die Opfer erinnert werden. Jeden Monat soll eine Biografie im Mittelpunkt stehen. Als Zeichen dafür, sagte Reuter, dass München eine Stadt ist, die sich „gegen sich gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus auflehnt und dagegen vorgeht“.

Europameisterschaften der Höhepunkt im August

Die offizielle Gedenkveranstaltung wird am Nachmittag des 5. Septembers in Fürstenfeldbruck sein, wo die Geiseln in Hubschraubern starben, zuvor wird es einen kleinen Akt im Olympia-Park geben. Dort, im Olympischen Dorf, nahm 1972 das Drama seinen Lauf. Davor aber, vom 11. bis 21. August, werden die European Championships – Europameisterschaften in neun Sportarten – ausgetragen.

Natürlich sind diese internationalen Wettkämpfe für Thomas Weikert, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Anlass, über erneute Olympische Spiele in Deutschland nachzudenken. „Gegen die Bevölkerung Olympische Spiele zu veranstalten, ist nicht möglich“, sagte er, „und bevor wir uns mit einer konkreten Jahreszahl befassen, müssen wir in den Dialog mit allen Partner einsteigen, müssen Wege finden, die Bevölkerung, aber dann auch die Politik und die Wirtschaft mitzunehmen. Wenn uns das gelingt, dann steht uns die Welt für Olympische Spiele offen“.

Derzeit befasst sich das DOSB-Präsidium mit der Aufarbeitung vergangener und gescheiterter Bewerbungen. Noch sind die Winterspiele 2030 nicht vergeben. „Wenn es um Winterspiele ginge, wäre München sicher auch eine Option“, sagte Weikert, „es ist erstmal alles offen“.

Auswirkungen auf das Sportfördersystem

Für Weikert ist die überragende Bedeutung der 1972er Spiele für die Stadt unbestritten, die neben dem wunderschönen Olympiapark eine Fußgängerzone und eine U-Bahn bekam, aber der Einfluss auf das gesamte Sportgeschehen in Deutschland fasziniert ihn noch mehr. Die Spiele hatten enorme Auswirkungen auf das deutsche Sportfördersystem, es entstanden der Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“, gegründet wurde die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die Glücksspirale, der Sportausschuss im Deutschen Bundestag.

Seit 50 Jahren nun sitzt die Münchner Stadtgesellschaft auf dem Olympiaberg auf Picknickdecken und erlebt den Olympiapark. Bei Konzerten und Festivals. Das erste Konzert nach den Spielen 1972 gab übrigens Mireille Mathieu am 17. September. Und am 27. September unterlag im Europapokal der Landesmeister Galatasaray Istanbul 0:6 dem FC Bayern. Heuer soll so vieles passieren, dass man auch 2072 noch berichten wird.

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