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Lukas Mertens: Der Linksaußen trumpft bei der Weltmeisterschaft auf
Die Wahl des schönsten Tores eines Spiels gibt es noch nicht bei der Handball-Weltmeisterschaft. Gäbe es sie, dann hätte Lukas Mertens am Freitagabend nach der Partie zwischen Deutschland und Katar sicher eine kleine Trophäe mit ins Hotelzimmer genommen.
Es waren noch wenige Sekunden zu spielen in der ersten Halbzeit. Simon Ernst hatte den Ball und warf ihn aus der eigenen Abwehr weit nach vorne. Lukas Mertens, der deutsche Linksaußen, fing den Ball im Sprung und donnerte ihn eine Sekunde vor der Halbzeitsirene in die Maschen. 18:13, prima. Mertens saß dann einen Moment auf dem Boden und streckte beide Arme nach oben. Patrick Groetzki, der Flügelspieler von der anderen Seite, war der erste Gratulant. „Ja, das war ein schönes Tor, es war nicht der erste Treffer, der mir so gelang“, sagte der Magdeburger dieser Zeitung. Und er ergänzte: „Es war mehr Instinkt. Viel Zeit zum Überlegen hat man nicht. Es war eher intuitiv. Ich habe mir in den eineinhalb Sekunden keine Gedanken darüber gemacht, wo ich den Ball hinwerfe. Aber es ist nur ein Tor.“
In den sozialen Medien war dieser spektakuläre Moment ein großes Thema. Vergessen wird Mertens dieses Tor ganz sicher nicht: Es war sein erster WM-Treffer überhaupt ...
Guter Turnierstart
Lukas Mertens ist ein eher noch unbeschriebenes Blatt im deutschen Team. Die Aufmerksamkeit zogen auch in der Vorbereitung auf diese Weltmeisterschaft andere auf sich. Das könnte sich ändern. Der Linksaußen des SC Magdeburg machte am Freitag ein sehr gutes Spiel. Der 26-Jährige erzielte vier Tore. Am Sonntag beim schwer umkämpften 34:33-Sieg gegen Serbien spielte er noch besser. Mertens legte einen herausragenden Auftritt hin, war in der ersten Halbzeit nicht zu stoppen und verbuchte am Ende sieben Treffer. Lukas Mertens – ein Mann spielt sich in den Vordergrund.
In der jüngeren Handball-Geschichte war das deutsche Team gesegnet mit exzellenten Linksaußen. Auf dem Weg zum WM-Titel 2007 wechselten sich Torsten Jansen und Dominik Klein ab. Eine Marke: Stephan Kretzschmar. Viele, viele Jahre wirbelte Uwe Gensheimer auf der linken Seite. Als er vor der EM 2016 passen musste, sprang Rune Dahmke ein und wuchs über sich hinaus. Jener Rune Dahmke ist jetzt wieder dabei. „Wir ergänzen uns sehr gut. Das Turnier ist lang. Ich bin sicher, Rune wird seine Spielzeiten bekommen“, sagte der 26-Jährige.
Der Magdeburger Mertens debütierte am 5. November 2021 im Länderspiel gegen Portugal, Uwe Gensheimer hatte nach den Olympischen Spielen seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben. Mertens war schon bei der EM in Bratislava dabei, schied nach dem zweiten Spiel wie so viele aus, weil er positiv auf Corona getestet wurde.
Mit seinem Auftritt beim 31:27 gegen Katar und der Gala gegen Serbien unterstrich Mertens seine Ambitionen, die Nummer 1 auf dieser Position werden zu können, werden zu wollen. Er profitierte von der Absage des Göppingers Marcel Schillers, der im Schatten von Uwe Gensheimer zum Kronprinz auserkoren zu sein schien. „Ich habe immer mein eigenes Ding gemacht. Jeder Spieler ist eigen. Aber Uwe Gensheimer ist ein Name im deutschen, im europäischen, im Welt-Handball. Er ist für uns Linksaußen schon ein Vorbild. Das ist der Mann, der in den letzten zehn Jahren auf der Position überragt hat. Aber wie gesagt, ich versuche, jetzt meinen eigenen Spielstil durchzubringen, meinen Charakter zu zeigen“, sagte der flinke Außenspieler.
Wird es eine Ära?
Im Verein wechselt sich Mertens mit Matthias Musche ab, der Mann mit dem markanten Bart war vor Mertens Nationalspieler. „Wir verstehen uns sehr gut. Wir haben wirklich ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Wir sind Freunde. Wir haben viele Spiele, wir sind alle drei Tage unterwegs, wir teilen uns die Spielzeit, das passt alles“, führte Mertens aus. Und was hat der Kollege Musche dem Novizen Mertens vor seinem Debüt in der Nationalmannschaft mitgegeben? „Er hat gesagt: Bleib’ bei dir, spiel’ deinen Handball.“ Gesagt, getan.
Traut er sich zu, eine Ära zu prägen, wie der große Uwe Gensheimer beispielsweise? „Ich weiß nicht, ob ich das, was Uwe Gensheimer geleistet hat, schaffe, versuchen werde ich es auf jeden Fall. Ich werde versuchen, jeden Tag, jedes Spiel, meine Leistung zu zeigen, ich werde zeigen, dass ich alles aufopfere für Deutschland“, betonte der Flügelflitzer.
