Football RHEINPFALZ Plus Artikel Los Angeles Rams in der NFL: Zum Siegen verdammt

HoffnungsträgerMatthew Stafford ist der Quarterback der Los Angeles Rams. Er kam vor der Saison aus Detroit nach Kalifornien.
HoffnungsträgerMatthew Stafford ist der Quarterback der Los Angeles Rams. Er kam vor der Saison aus Detroit nach Kalifornien.

Um den Super Bowl im eigenen Stadion zu gewinnen, haben die Rams ihre Zukunft geopfert. Ein Manöver nicht ohne Risiko.

Boom-or-bust. Ach, die Amis bringen es immer so schön auf den Punkt. Drei Worte, und alles ist gesagt. Boom-or-bust, so lässt sich die momentane Situation der Los Angeles Rams in der National Football League wahrlich trefflich beschreiben. Ganz oder gar nicht, könnte man sagen, siegen oder fliegen, zum Äußersten bereit – aber auf Deutsch hallt der Klang der Worte bei Weitem nicht so dramatisch. Vielleicht so: Die Rams sind zum Siegen verdammt. Denn die Verantwortlichen haben nicht weniger als einen Teil der Zukunft des Teams geopfert, um genau jetzt Erfolg zu haben. Jetzt, wo der Super Bowl LVI in der Nacht zum 14. Februar deutscher Zeit eben in Los Angeles ausgetragen wird.

In der NFL ist häufig von Fenstern die Rede, jener Zeitspanne, in der der ganz große Erfolg möglich ist. Weil die Mannschaft gut zusammenpasst, die Mischung stimmt, die Spieler im richtigen Alter sind. Ein Team so aufzubauen, dass es in ein Super-Bowl-Fenster kommt, kann ein längerer Weg sein. Es geht darum, die richtige Balance zu finden zwischen der Auswahl von Talenten, dem Verpflichten von vertragslosen Spielern und dem Geschick bei Tauschgeschäften. Einfach auf Shoppingtour zu gehen, etwa wie im Fußball, ist kaum drin. Denn die NFL ist auf Chancengleichheit ausgelegt. Es gibt eine Gehaltsobergrenze für das ganze Team – und bei der der Talentbörse der Nachwuchsspieler hat das schlechteste Team der Vorsaison das erste Zugriffsrechts. In Los Angeles aber haben sie gesagt: Na und? Sie setzen alles auf eine Karte – und die heißt: Finale im eigenen Stadion. Ein riskantes Spiel.

Der Blockbuster Transfer

Vor der Saison haben die Rams Quarterback Matthew Stafford von den Detroit Lions geholt. Im Gegenzug wechselte ihr Spielmacher Jared Goff, der die Rams 2019 in den Super Bowl führte, nach Detroit. Mit im Gepäck: die Erstrunden-Wahlrechte bei der Talentbörse für die kommenden beiden Jahre. Cheftrainer Sean McVay erreichte mit Jared Goff zwar ein Endspiel, sehnte sich aber nach einem Quarterback, mit dem er den Super Bowl auch gewinnen könne, heißt es in der Los Angeles Times. Stafford, 33 Jahre alt, gilt als hochtalentiert, spielte aber zwölf Jahre lang für eines der schlechtesten Teams der Liga. 41 Touchdowns stehen für Stafford in der ersten Saison bei den Rams in der regulären Spielzeit zu Buche, 17 Pässe landeten bei gegnerischen Spielern.

Während der Saison verpflichteten die Rams zudem Verteidiger Von Miller von den Denver Broncos. Dafür gaben sie ihr Zugriffsrecht bei der Talentbörse in der zweiten und dritten im kommenden Sommer ab. Quasi nebenbei heuerte Odell Beckham jr. in Los Angeles an, nachdem ihn die Cleveland Browns entlassen hatten. Der Ballfänger steht für ein spektakuläres Spiel, im Grunde ganz passend für die Hollywood-Metropole. Nicht umsonst sprechen US-Medien von einem Blockbuster-Transfer. Und auch sonst versammelt der Kader zahlreiche Stars, die Defensive wird angeführt von Aaron Donald. In der Offensive glänzt einmal mehr Ballfänger Cooper Kupp.

Das Trainer-Wunderkind

Und dann wäre da noch der Cheftrainer selbst – Sean McVay, gerade erst 36 Jahre alt geworden. Ein Wunderkind als Trainer, er kann jeden Spielzug, den er mal angesagt hat, auswendig wiedergeben. Nun muss vor allem er zeigen, dass er seine Mannschaft nicht nur ins Endspiel führen, sondern es auch gewinnen kann. Anders als 2019, als er mit den Rams in Atlanta gegen die New England Patriots verlor – und sich eingestehen musste, von seinem Cheftrainer-Gegenüber Bill Belichick „ausgecoacht“ worden zu sein, wie er sagte.

Die Elemente für den größtmöglichen Erfolg sind bei den Rams zweifelsfrei vorhanden. Jetzt ist der Moment dafür, sagen sie in Los Angeles. Aber nur wenn die Mannschaft auch tatsächlich Super Bowl LVI im nagelneuen, fünf Milliarden teuren Sofi-Stadium im Stadtteil Inglewood, das passenderweise Team-Eigentümer Stan Kroenke gehört, gewinnt, wird es für die Verantwortlichen eine erfolgreichen Saison sein. Bereits das Halbfinale ist ein Heimspiel, die Ticket-Preise für die Partie gegen die San Francisco 49ers (Nacht zu Montag, 0.30 Uhr) sind auf 824 Dollar nach oben geschnellt – im Durchschnitt. Damit liegen sie rund 300 Dollar höher als beim anderen Halbfinale zwischen den Kansas City Chiefs und den Cincinnati Bengals, die am Sonntag um 21 Uhr aufeinandertreffen.

Liga so ausgeglichen wie selten

Und doch ist der maximale Einsatz der Rams keine Garantie für den maximalen Erfolg. Die Liga ist in diesem Jahr ausgeglichen wie selten, und auch die Play-offs zeigten sich offen, schwer vorhersagbar, bisweilen dramatisch. Drei der vier Viertelfinals wurden in den letzten Sekunden entschieden, ein Spiel erst in der Verlängerung. Die Rams selbst verspielten gegen die Tampa Bay Buccaneers eine 27:3-Führung und retteten sich gerade noch so zum 30:27-Sieg.

Und: Gegen die 49ers, gegen die es nun geht, sehen die Rams fast schon traditionell schlecht aus. Deren Cheftrainer Kyle Shanahan bezeichnen die US-Medien gerne als „Nemesis“ von Rams-Coach McVay. Beide kennen sich bestens, haben eine gemeinsame Vergangenheit. Rams und 49ers spielen jede Saison zweimal gegeneinander, seit 2018 hieß der Sieger stets San Francisco. Zuletzt am 9. Januar. Die Rams führten 17:0 – und verloren 24:27. Zu allem Überfluss auch noch im eigenen Stadion. Schon jetzt heißt es für die Rams: Alles oder nichts.

Superstar Aaron Donald führt die Rams-Defensive an.
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Odell Beckham jr. kam neu zu den Rams.
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Ballfänger Cooper Kupp.
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Die Los Angeles Rams.
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Auch Sean McVay muss liefern.
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Spektakel gehört in Hollywood dazu.
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