Ski Alpin RHEINPFALZ Plus Artikel Linus Straßer siegt in Kitzbühel: Nun gehört ihm eine Gams

Ein Sieg in Kitzbühel ist für Skirennläufer etwas Besonderes, besonders für Linus Straßer.
Ein Sieg in Kitzbühel ist für Skirennläufer etwas Besonderes, besonders für Linus Straßer.

Als kleiner Münchner Bub lernt Linus Straßer in Kitzbühel das Skifahren. Nun gewinnt er am Wochenende dort den Slalom-Weltcup. Es ist der bislang größte sportliche Erfolg des 31-Jährigen – und das Ende einer langen Durststrecke.

Wenn passiert, was passieren sollte, dann lassen sich Gefühle oft nicht beschreiben und auch die Handlungen später nicht mehr. Ein bisschen wie in Trance wirkte Linus Straßer, nachdem ihm am Sonntag sein bisher größter sportlicher Sieg gelungen war, der beim Weltcup-Slalom von Kitzbühel. Er stand im Zielraum, dreht sich zur Ehrentribüne und dann wieder Richtung Ganslernhang, ging in die Knie und küsste den Schnee. Ein wenig pathetisch mag diese Geste sein, aber ein Sieg in Kitzbühel ist für jeden Skirennläufer etwas Besonderes, erst recht für den 31-Jährigen. „Heute“, sagte Linus Straßer, „hat sich ein Kreis geschlossen.“

Die Geschichte ist fast ein wenig kitschig. Ein kleiner Junge aus München lernt in Kitzbühel Skifahren. Als er größer ist auch das Skirennfahren, bei einem Trainer, der später der Rennleiter der Hahnenkammrennen werden sollte. Mario Weinhandl stand an diesem Sonntag ebenfalls im Zielraum, und auch für ihn war es ein sehr emotionaler Moment, als sein einstiger Schützling als Sieger feststand. Straßer war einst auch Mitglied des Skiclubs geworden – und er ist es bis heute geblieben. Das kann sogar die Österreicher, die in allen drei Rennen ohne Podestplatz geblieben sind, etwas trösten. Straßer ist zudem der erste Sieger des Skiclubs Kitzbühel seit 50 Jahren, damals hatte Hansi Hinterseer den Slalom gewonnen. Wenn man so will, ist es sogar ein Heimsieg für ihn, denn Straßer wohnt mittlerweile im ein paar Kilometer von Kitzbühel entfernten Kirchberg.

Triumph am „Schweinsberg“

Es ist nicht immer ein Vorteil, wenn man den Rennhang so gut kennt wie Straßer den in Kitzbühel. Die bisherigen acht Versuche, den „Schweinsberg“, wie er ihn im vergangenen Jahr nach seinem vierten Platz nannte, ihn nicht nur zu bezwingen, sondern zu besiegen, waren alle gescheitert. Am Sonntag ist ihm dies im ersten Durchgang halbwegs gelungen, im zweiten perfekt.

Mit 14 Hundertstelsekunden Vorsprung gewann Straßer vor dem Halbzeit-Führenden Kristoffer Jacobsen aus Schweden. Dritter wurde der Schweizer Daniel Yule. Zuletzt hatte Pepi Ferstl 2019 in Kitzbühel triumphiert, allerdings im Super-G, eine Jahr davor Thomas Dreßen in der Abfahrt. Der letzte deutsche Slalomsieg liegt schon etwas länger zurück. Felix Neureuther gewann 2014 auf dem Ganslernhang. „Meine Mission war“, sagte Straßer, „eine Gams zu gewinnen“, die Trophäe, die es in Kitzbühel für die besten Drei gibt. „Zu gewinnen ist noch einmal etwas anderes. Das muss passieren.“

Stimmungsaufheller nach Rücktritt

Einen Tag nach dem Rücktritt von Thomas Dreßen und der Erkenntnis, dass die nun ehemaligen Teamkollegen des erfolgreichsten deutschen Abfahrers in der Weltcup-Geschichte den Anschluss in den beiden schnellsten Disziplinen verloren, sorgte Linus Straßer für einen Stimmungsaufheller. Dreßen stand nach einer langen Partynacht im Zielraum. Seine letzte Fahrt als Skirennläufer am Samstag, der würdige Abschied, dem ihm Teamkollegen und Konkurrenten bescherten, rückte die Krise etwas in den Hintergrund. „Die Defizite, die wir haben bleiben, aber wenn du hier den Slalom gewinnst, hilft das dem ganzen Team ein bisschen. Das ist Balsam auf jede Wunde“, sagte Sportvorstand Wolfgang Maier.

Für Linus Straßer ist es der dritte Weltcup-Sieg nach Zagreb (2021) und Schladming (2022). In dieser Saison hatte es bis Kitzbühel noch nicht mit einem Podest geklappt. Für den Münchner war es nur eine Frage der Zeit, weil er wusste, „dass ich extrem gut auf dem Ski stehe, ganz spielerisch“, nur eben immer etwas dazwischenkam. In Wengen war er schon bereit für Podest, aber dann fädelte er ein. „Er hat es jetzt endlich mal auf den Punkt gebracht“, sagte Maier. Am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt.

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