Fussball-EM
Löw lässt sich nicht in die Karten schauen
Die Fahrt von Herzogenaurach nach München, Ankunft im Hotel, Abschlusstraining in der Münchner Arena – und nun fiebert die deutsche Mannschaft dem Auftakt entgegen. „Wir sind gut vorbereitet, voller Ehrgeiz und Tatendrang. Wir sind gut gerüstet“, betonte Bundestrainer Joachim Löw gestern.
Die wichtigste Frage ließ er unbeantwortet: Spielt Joshua Kimmich wieder im zentralen Mittelfeld oder rückt er – wie im Test gegen Lettland – auf die rechte Außenbahn? „Der Jo ist vergleichbar mit Philipp Lahm, völlig problemlos auf unterschiedlichen Positionen, gleiche Leistung, gleiche Qualität. Grundsätzlich einstellen muss man ihn nicht. Ich werde noch ein abschließendes Gespräch mit ihm führen, dann schauen wir, auf welcher Position er aufläuft“, erläuterte der Bundestrainer.
Löw hat ein gutes Gefühl
Joachim Löw geht durchaus mit einem guten Gefühl in das Turnier. Und das liegt an der Arbeit im Trainingslager. „Wir haben in den letzten 14 Tagen das getan, was wir uns vorgenommen haben. Die letzten zwei Jahre waren Jahre schwierig. Wir haben viel miteinander gesprochen. Die Dinge wachsen besser zusammen, die Abläufe werden besser, in der zweiten Woche sind wir vorangekommen“, führte Löw aus.
Sein Eindruck: „Die Mannschaft sprüht vor Ehrgeiz. Der Teamspirit ist hervorragend, jeder ist sehr hungrig nach Erfolg, das stimmt mich zuversichtlich.“ Ähnlich lautet die Einschätzung von Kapitän Manuel Neuer. „Wir haben uns in den letzten Tagen und Wochen auf und neben dem Platz sehr gut vorbereitet. Die EM ist eine sehr große Herausforderung. Wir freuen uns darauf. Wir sind motiviert bis in die Haarspitzen.“ Die Rollenverteilung heute ist für den Kapitän nicht eindeutig. „Es ist so, dass wir selber eine Waffe sein können“, sagte der 35-Jährige. „Es ist nicht so, dass wir uns als Underdog sehen.“
Hat sich die Rücholaktion gelohnt?
Auf jeden Fall wird das Spiel gegen den Weltmeister gleich ein wenig Aufschluss darüber geben, ob die Rückholaktion der Routiniers Mats Hummels und Thomas Müller richtig war, die von Bundestrainer Joachim Löw nach über zwei Jahren Pause für die Europameisterschaft reaktiviert wurden. Übernehmen sie sofort die Führungsposition?
„Die haben richtig gute Jungs. Aber wir haben sehr viel entgegenzusetzen. Wir haben auch eine sehr gute Defensive, auch eine sehr gute Offensive. Wir wachsen immer mehr zusammen und werden optimal vorbereitet sein“, unterstrich Stürmer Timo Werner.
Mit dem Turnier geht eine Ära zu Ende, es ist der letzte Auftritt von Joachim Löw als Bundestrainer. Wie fühlt er sich? Spürt er Wehmut? „Das Turnier beginnt ja gerade erst und ist noch nicht zu Ende. Wenn es dann so weit ist – hoffentlich erst in ein paar Wochen – kann es natürlich sein, dass ein bisschen Wehmut einkehrt. Aber im Moment bin ich konzentriert und fokussiert auf die Sache“, erläuterte der 61-Jährige.
Deschamps: Knallerspiel
Auch bei Frankreich weiß man um die Bedeutung der prestigeträchtigen Partie. „Das ist gleich ein riesen Knallerspiel. Für Deutschland. Und auch für uns“, sagte Trainer Didier Deschamps. Sein Kapitän Hugo Lloris schenkt dem Spiel noch eine größere Bedeutung. „Das ist direkt ein Schlüsselspiel“, sagte der Torhüter: „Wenn wir Geschichte schreiben wollen, müssen wir direkt da sein.“
Leon Goretzka hat seinen Muskelfaserriss auskuriert. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München wird aber nicht in der Startformation stehen, dazu war seine Pause zu lange. Goretzka könnte aber durchaus in den Kader rutschen. Torhüter Bernd Leno ist heute die Nummer 2. Das wird sich von Spiel zu Spiel aber ändern, erklärte der Bundestrainer. Wie seine Spieler hält Joachim Löw nichts davon, dass vom 26 Mann starken Kader am Spieltag drei Akteure auf die Tribüne müssen.
So spielen sie
Frankreich: Lloris (Tottenham Hotspur/34 Jahre/125 Länderspiele) - Pavard (FC Bayern München/25/35), Varane (Real Madrid/28/75), Kimpembe (Paris St. Germain/25/16), Hernandez (FC Bayern München/25/26) - Pogba (Manchester United/28/80), Kanté (FC Chelsea/30/46), Tolisso (FC Bayern München/26/25) - Griezmann (FC Barcelona/30/91) - Benzema (Real Madrid/33/83), Mbappé (Paris St. Germain/22/44)
Deutschland: Neuer (Bayern München/35/100) - Ginter (Borussia Mönchengladbach/27/40), Hummels (Borussia Dortmund/32/72), Rüdiger (FC Chelsea/28/41) - Kimmich (Bayern München/26/55), Kroos (Real Madrid/31/102), Gündogan (Manchester City/30/46), Gosens (Atalanta Bergamo/26/7) - Havertz (FC Chelsea/21/14), Gnabry (Bayern München/25/22), Müller (Bayern München/31/102)
Schiedsrichter: del Cerro Grande (Spanien)

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