Sport Kuntz: Verein ordentlich übergeben

91-91025479.jpg

Hintergrund: Stefan Kuntz, bis 4. April Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, mahnt zu Geschlossenheit. Nur so könne die neue Führung ihre Ziele erreichen. Kuntz erklärte seinen Abschied, als er im Januar spürte, „nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein“.

Kaiserslautern

. Stefan Kuntz führte den 1. FC Kaiserslautern knapp acht Jahre. Am 8. April 2008 trat er an, am 18. Januar 2016 kündigte er seinen Rückzug an, nachdem der Aufsichtsrat die geplante Verpflichtung eines Abwehrspielers (Emanuel Pogatetz oder Mergim Mavraj) und des Stürmers Osayamen Osawe gestoppt hatte. Am 4. April 2016 schied Kuntz aus. Seit 23. August ist er Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft. Er habe den Verein „ordentlich übergeben“, versichert Kuntz. Bei der FCK-Jahreshauptversammlung am Samstag wird er nicht vor Ort sein. Er verweist auf die U21-Länderspiele am Donnerstag in Berlin gegen die Türkei und am kommenden Dienstag in Tychy gegen Gastgeber Polen. Am Ende des Geschäftsjahres steht ein Minus von 2,638 Millionen Euro in der FCK-Bilanz, sagt Finanzvorstand Michael Klatt. Ohne den Verkauf von Jean Zimmer an den VfB Stuttgart wären es vier Millionen gewesen. Kann man das wirklich ordentlich nennen? „Sportlich fühle ich mich verantwortlich bis 31. Dezember 2015“, präzisiert Kuntz. Er argumentiert: „Wir waren nach 19 Spielen Achter mit vier Punkten Rückstand auf den vierten Platz. Ich wollte in der Winterpause Emanuel Pogatetz und Osayamen Osawe verpflichten, um den TV-Geld-Platz nicht an Braunschweig zu verlieren, und um in der Spitzengruppe zu bleiben. Dies wurde vom Aufsichtsrat ebenso abgelehnt wie diverse Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern. Jetzt kann jeder selbst entscheiden, was mit diesen beiden Neuzugängen in der Rückrunde passiert wäre, vor allem auch ohne die Störfeuer aus den eigenen Reihen. Osawe ist sicher einer der nächsten Spieler, die verkauft werden können.“ Mit dem amtierenden Aufsichtsrat habe der Vorstand im März die Planung für die jetzt laufende Saison erstellt und die Lizenz ohne Auflagen und Bedingungen erhalten. Kuntz: „Das sind jetzt die Planzahlen, die unsere Nachfolger erreichen müssen.“ „Der Zimmer-Transfer hat im April geholfen, war aber nicht die einzige Möglichkeit, die Liquidität zu stärken, es gab noch andere Möglichkeiten, schnell die Liquidität zu verbessern“, sagt Kuntz: „Bei einem Lizenzspieleretat im vorderen Mittelfeld der Zweiten Bundesliga mussten wir jedes Jahr bei den Rahmenbedingungen des FCK ein Minus von circa 1,5 Millionen einplanen. Dieses Minus wurde vergrößert oder verkleinert durch Einnahmen im Ticketing, Hospitality oder Merchandising, durch das Überstehen der ersten Runde im DFB Pokal oder durch strategisch kluge, gewinnbringende Entscheidungen, wie beispielsweise den neuen Vermarktervertrag oder den neuen Pachtvertrag. Die höchste Einnahmequelle waren aber die Transfereinnahmen.“ Den Vorwurf, dass rund 200 Spieler in seiner Amtszeit kamen und gingen – alle Nachwuchsspieler eingerechnet – kontert Kuntz mit dem Hinweis auf die Transfererlöse. „Das war in unserer Art den Verein zu führen, die einzige Möglichkeit, einigermaßen konkurrenzfähig zu bleiben, ohne auszugliedern und nach einem Investor zu suchen, den Stadionnamen zu verkaufen oder die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen und trotzdem in den letzen beiden Jahren, für die wir vollständig verantwortlich waren, einen kleinen Gewinn zu schreiben.“ „Vor und in der aktuellen Saison kamen und gingen – Nachwuchsspieler außen vor – 28 Spieler. Wenn man das für acht Jahre Amtszeit wie bei mir hochrechnet ...“, sagt Kuntz mit Blick auf die Kritik an seiner Personalpolitik und dem Handeln der Nachfolger. „Wir konnten den Umsatz in der Zweiten Liga von circa 22 Millionen Euro 2008 auf konstant über 40 Millionen in unseren letzten Jahren in der Zweiten Liga steigern und hatten in den letzten vier Jahren jeweils über vier Millionen Transfereinnahmen“, bilanziert der ehemalige FCK-Boss. Die Zahlen der Bilanz 2015/16 enthalten in der Liquidität noch nicht die Einnahmen aus den Verkäufen von Jón Dadi Bödvarsson (Wolverhampton Wanderers) und Marius Müller (RB Leipzig) und diverse anderen Forderungen aus dieser Saison, betont Kuntz. Von daher sei der FCK „Ende August und September mit einer ausgezeichneten Liquidität ausgestattet gewesen und hat aktuell einen höheren Spieler- und Traineretat als zu unserer Zeit“. Dass der Führungswechsel mitten in der Saison stattgefunden hat, habe besondere Schwierigkeiten zu Folge, „die eine Strategie konnte nicht zu Ende gebracht werden, und der neuen Führung war die alte Strategie fremd“. Man solle aber nicht auf der einen Seite sagen, „die Vorgänger sind schuld und auf der anderen Seite die Transfers Müller und Bödvarsson sind das Werk vom neuen Vorstand“. „Der Müller-Transfervertrag wurde, glaube ich, am 14. Juni geschlossen, aus dem Orban-Transfer weiß ich, dass RB Leipzig sofort zahlen kann. Das hätte die Liquidität übrigens genau um die restliche Betze-Anleihe erhöht.“ Kuntz: „Von daher würde ich aus meiner Sicht das Fazit ziehen, dass wir den Verein anständig übergeben haben.“ „Die Rahmenbedingungen sind für die aktuelle Führung des FCK genauso schwierig wie für uns oder unsere Vorgänger. Jede Führung hat ihre eigene Strategie, um die vom Aufsichtsrat gestellten Planzahlen zu erreichen. Dazu muss sie sich voll und ganz auf die Zukunft und auf diese Arbeit konzentrieren können und nicht noch Kraft, Zeit und Geld in, oft aus Eitelkeiten entstandene Störfeuer investieren“, mahnt Kuntz.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der Newsletter wird jeden Freitag verschickt.

Noch mehr FCK gibt es hier:

Pokalsieger, Absteiger, Wiederaufsteiger, Meister: Der 1. FC Kaiserslautern ist wie kaum ein zweiter deutscher Fußballverein in der Region verankert. Unsere Redaktion ist dicht dran am FCK und bietet exklusive Einblicke in den legendärsten Club aus der Pfalz. Alle wichtigen Infos, Hintergründe und Neuigkeiten gibts für Fans auch in unserem Newsletter und dem Podcast Lautre!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x