Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Kritik der Adler Mannheim an Trainer Gross klingt wie eine Abmahnung

Meinungsfreudig, streitbar: Adler-Trainer Pavel Gross.
Meinungsfreudig, streitbar: Adler-Trainer Pavel Gross.

Dass Pavel Gross kein pflegeleichter Eishockey-Trainer ist, wussten die Adler, als sie ihn 2018 nach Mannheim lotsten. Und noch vor der laufenden Saison bekannte Gesellschafter Daniel Hopp offen, dass man nicht mit jeder Aussage des meinungsfreudigen Meistermachers von 2019 „hundertprozentig d’accord“ gehen müsse. Im Gegenteil, er sei dankbar für „konstruktive und offene Diskussionen“. Aber jetzt hat Gross den Bogen definitiv überspannt, beim Reizthema Corona. Erneut hat er Maßnahmen gegen die Pandemie kritisiert – diesmal auch die des eigenen Arbeitgebers. Dessen Reaktion klingt wie eine Abmahnung.

„Wir lange sollen wir uns als Klub das noch anschauen?“, fragte Geschäftsführer Matthias Binder am Donnerstag im RHEINPFALZ-Gespräch rhetorisch: „Die Grundwerte des Klubs sind größer als die Interessen auch eines leitenden Angestellten. Es ist der Punkt erreicht, wo wir uns wehren.“ Er selbst hatte zuletzt auch betont: „Über allem steht die Hospitalisierungsrate und die verheerende Situation auf unseren Intensivstationen.“ Die Adler engagieren sich in mehreren Projekten für die Corona-Schutzimpfung und Hilfsmaßnahmen.

Vorsichtsmaßnahme erzürnt den Coach

Worum geht es akut? In der Pressekonferenz nach dem 5:1-Sieg am Sonntag gegen München reagierte Gross gereizt auf die Frage nach dem kurzfristigen Ausfall seines Verteidigers Thomas Larkin: „Da musst du einen anderen fragen. Ich bin immer noch sauer, dass er nicht gespielt hat, da geht mir geht die Galle hoch.“ Nicht die Frage nervte den Coach, sondern der Grund: Larkin spielte nicht, weil es in seinem familiären Umfeld einen Omikron-Verdachtsfall gab. Nach der Rechtslage völlig korrekt. Doch Gross’ Aussage durfte als Attacke gegen Adler-Sportmanager Jan-Axel Alavaara und/oder den Hygienebeauftragen Youri Ziffzer verstanden werden. Die allerdings hätten sich nichts vorzuwerfen, im Gegenteil, betont Klubchef Matthias Binder: „Youri macht einen sehr guten Job. Lieber einen Spieler aus Vorsicht nicht spielen lassen, als sich hinterher Vorwürfe machen.“

Gesellschafter Hopp rüffelt Trainer scharf

Daniel Hopp rüffelte nun Gross im „Mannheimer Morgen“ öffentlich ebenfalls scharf: „Als Trainer der Adler Mannheim Pressekonferenzen des Arbeitgebers zu missbrauchen, um persönliche Meinungen kundzutun, die Interpretationsspielraum zulassen, ist respektlos und gefährlich.“ Beide, Hopp und Binder, kündigten ein intensives Gespräch mit ihrem Trainer an. Was derzeit nicht so einfach ist, wie Binder weiß: „Wir spielen ja alle zwei Tage.“ Und ständig auswärts.

Aussagen zur Pandemie im Grenzbereich

Aber dieses Mitarbeitergespräch ist nun bitter nötig. Bisher bewegten sich Gross’ Ansichten, geäußert gegenüber Journalisten, in einem Grenzbereich. Eine Chronologie: Das lange Zögern der Deutschen Eishockey-Liga 2020 bis zum späten Saisonstart kritisierte Gross zwar stets, die jetzigen Geisterspiele sind für ihn hinnehmbar – Hauptsache, es wird gespielt. Dass genesene Spieler bis zur ihrer Rückkehr aufs Eis ein langes Wiedereinstiegstraining (Return-to-play-Protokoll) absolvieren müssen, missfällt Gross, man habe es schließlich mit gesunden Leistungssportlern zu tun, betonte er häufig. Alles noch kein Querdenkertum. Doch im kleinen Kreis soll er nun sinngemäß geäußert haben, dass mehr Menschen für ihre Grundrechte demonstrieren sollten. Übrigens: Im November war Gross wie mehrere Spieler selbst mit dem Virus infiziert.

Ist nun das Tischtuch zwischen Trainer und Klub zerschnitten? Binder verneint das, ohne den Ernst der Lage zu verharmlosen. Er stellt klar: „Pavel ist ein Mitglied, ja ein Kind der DEL. Warum macht er so vieles schlecht in der DEL, in der er als Spieler und Trainer so viele Erfolge hatte?“ Und wieder fällt dieser Satz: „Pavel kennt die Grundwerte des Klubs.“ Man könnte das so interpretieren: Ordnet er sich ihnen nicht unter, werden die Adler die Reißleine ziehen.

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