Kommentar
Kostenlose Fußballspiele: Beste Werbung für alle
Es gibt nicht nur Zustimmung und Jubel, aber diejenigen, die sich erschreckt haben dürften, werden ihren Unmut nicht öffentlich kundtun. Wenn Fußballspiele bei Fortuna Düsseldorf (und wer weiß, auch anderswo in Deutschland?) bald nichts mehr kosten, bricht einigen die Geschäftsgrundlage weg. Schwarzmarkthändler vor der Arena und Ticketweiterverkaufsplattformen im Internet, Viagogo ist die größte und umstrittenste, könnten wirtschaftlich ins Trudeln geraten.
Es gibt keinen Samariter
Fortuna Düsseldorf muss selbiges nicht befürchten, selbst wenn der Zweitligist auf Sicht bei allen Heimspielen freien Eintritt gewähren würde. Die Verantwortlichen der Fortuna sind keine Samariter, die den Mittellosen helfen wollen. Sie sind clevere Strategen, die mit einem medialen Paukenschlag viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben, die nach den Gesichtspunkten des Marketings viel Geld wert ist.
In der Corona-Pandemie wurde überdeutlich, dass die Zuschauer(einnahmen) wichtig, aber nicht mehr systemrelevant sind. Die Millionen aus der TV-Vermarktung sowie die durch die Fernsehübertragungen erzeugte mediale Reichweite sichern das Überleben, weil letzteres die Währung für gut dotierte Sponsorendeals ist.
Aus diesem Grund haben die Düsseldorfer Macher zunächst vieles richtig gemacht. Sponsoren geben gerne öffentlichkeitswirksam Geld aus, wenn es um eine „gute Sache“ geht – und was könnte besser sein, als „Fußball für alle“, abgewandelt vom Düsseldorfer Motto „Fortuna für alle“? Wenn Partner gefunden werden, die ausbleibende Kartenerlöse kompensieren, ein Klub die Fans dafür kostenlos ins Stadion lässt, bedeutet das letztlich beste Werbung für alle Beteiligten. Neudeutsch: Für die Fortuna bedeutet das vorgestellte Projekt eine „Win-Win-Situation“. Dazu an dieser Stelle: Glückwunsch.
Bald kommt noch mehr „frische Kohle“
Vielleicht, aber das wäre eine böse anmutende Unterstellung, sind die Ticketeinnahmen deshalb bald gänzlich überflüssig, weil die Deutsche Fußballliga gerade dabei ist, einen Investor und mit ihm viel „frische Kohle“ ins Boot zu holen. Ende Mai soll auf der Mitgliederversammlung, an der auch die Fortuna-Bosse teilnehmen werden, beschlossen werden, in konkrete Verhandlungen mit möglichen Partnern zu treten.
Der Investor oder strategische Partner, einerlei wie der Kapitalbeschaffer genannt wird, soll ein paar Milliarden Euro in die Kassen der Klubs spülen. Bei der Fortuna würde eine hübsche Summe ankommen, die weitaus höher wäre, als die Einnahmen, die derzeit Jahr für Jahr mit Ticketverkäufen erlöst werden.