1. FC Kaiserslautern
Kommentar: Spannung zu High Noon
Zwölf Uhr mittags. Es ist an diesem Freitag nicht so, dass wie in dem Hollywood-Klassiker gleichen Titels ein Typ der Marke Gary Cooper und ein Bösewicht à la Ian MacDonald zum finalen Duell antreten – dennoch ist pünktlich zu High Noon höchste Spannung garantiert. Irgendwo in der Zentrale der Deutschen Fußball-Liga in Frankfurt am Main sitzt dann eine Person vor dem Computer und drückt aufs Knöpfchen – und schon verbreitet sich der Spielplan der zweithöchsten deutschen Spielklasse in Windeseile quer durch die Republik und auf die Laptops oder die mobilen Endgeräte.
Auf wen trifft der 1. FC Kaiserslautern zum Saisonstart Mitte Juli? Bestreitet er gleich am 15. des besagten Monats das Auftaktspiel, womöglich zuhause unter Flutlicht gegen einen attraktiven Kontrahenten? Es spricht einiges dafür. Würden die Roten Teufel mit einem Heimspiel gesegnet, dürften sich die übertragenden Sender auf eine hohe Einschaltquote freuen. Der Aufsteiger besitzt eine große Strahlkraft, ein (fast) volles Haus und eine prächtige Stimmung wären garantiert. Nicht wenige gehen davon aus, das erste Duell der Spielzeit 2022/23 könnte zwischen dem FCK und dem Hamburger SV stattfinden. Es wäre ein Kracher, nein:
Schmaler Grat zwischen Empathie und Erfordernis
So oder so: Der FCK steht vor einer schweren Aufgabe. Nichts anderes als der Verbleib in der Liga kann und darf das Ziel sein. Manch ein Spieler, der diese Order mit Vergnügen entgegengenommen hätte, musste den Klub verlassen. Alexander Winkler zum Beispiel. Der 30-jährige Innenverteidiger bestritt 27 Saisonspiele, er avancierte nach einer vermaledeiten ersten Runde am Betzenberg zu einer festen Größe in der Dreier-Abwehrreihe. Geschäftsführer Thomas Hengen sah für ihn aber keine Perspektive mehr. Hengen muss stets die sportliche Entwicklung vorantreiben, ohne die Empathie für die betroffenen Menschen zu vergessen. Es gibt leichtere Aufgaben.
Und es gibt angenehmere Aufgaben, als mit Beratern zu verhandeln, die öffentlich agitieren und mehr Wertschätzung für ihren Spieler fordern. Will sagen: mehr Geld. Hikmet Ciftci wäre gut beraten, seine finanziellen Vorstellungen nicht allzu hoch anzusiedeln. Ja, er war in der Endphase der vorigen Saison ein wichtiger Akteur. Ja, er bringt vieles mit, was einen guten Fußballer auszeichnet; er ist technisch versiert, zweikampfstark, hat einen Blick für Räume. Über volle zwei Jahre betrachtet hat er jedoch nur 30 Prozent der Partien bestritten, er war häufig verletzt und spielt bisweilen noch immer viel zu riskant. Zuvor, in Aue, war er gar nicht zum Zug gekommen. Es wäre für den 24-jährigen Ciftci allemal von Vorteil, auf eine seriöse Offerte des FCK zur Vertragsverlängerung einzugehen, statt sich kirre machen zu lassen. Hier weiß er, was er hat. Und hier kann er sich weiterentwickeln. Er sollte wissen: Auch bei Vertragsverhandlungen ist irgendwann High Noon.

