Eishockey
Kommentar: Bill Stewart kittet den Riss bei den Adlern Mannheim
Als Adler-Klubchef Daniel Hopp Ende März bei der Vorstellung von Interimstrainer Bill Stewart dem geschassten Vorgänger Pavel Gross ausdrücklich für dessen Arbeit in immerhin fast vier Jahren dankte, da waren das keine hohlen Worte. In der Saison 2017/18 steckte der Renommierklub des deutschen Eishockeys in der Sackgasse fest und wagte deshalb die Kurskorrektur, auch personell auf der Managerebene. Hopp betonte immer wieder den neuen Weg, den die Mannheimer seitdem gegangen sind und auf dem Gross gemeinsam mit Sportchef Jan-Axel Alavaara lange Zeit so etwas wie der Navigator war.
Die Corona-Folgen waren mehrfach massiv
Aber: Die Corona-Pandemie, auch der Umgang im Klub mit ihr, hat für riesige Schlaglöcher auf diesem Weg gesorgt. Die Fahrt wurde zunehmend unruhig – es bedurfte großer Kraftanstrengungen, das Lenkrad wieder einigermaßen fest in die Hände zu bekommen, um die nun für die Adler zu Ende gegangene Saison noch zu retten. Was im Übrigen durchaus gelungen ist, trotz des Ausscheidens im Halbfinale.
Erstens: Als die Saison 2019/20 vor den Play-offs abgebrochen wurde, brachte die Adler dies um die mögliche Titelverteidigung. Zweitens: Der Notmodus mit Mini-Play-off spielte ihnen ein Jahr später nicht in die Karten. Drittens: Der vernünftige Kurs des Klubs inmitten der nächsten Corona-Wellen einerseits und die fragwürdige Haltung des Cheftrainers zu den Maßnahmen andererseits sorgten im vergangenen Winter für ein zeitweise vergiftetes Klima und einen Riss quer durch die Organisation.
Bessere Play-offs als vor einem Jahr
Bill Stewart ist zu attestieren, dass er diesen Riss mit seiner Erfahrung und Energie kurzfristig auf sportlichem Weg kitten konnte. Müßig darüber zu spekulieren, ob mehr Zeit – also eine frühere Trennung von Gross, bereits zum Jahreswechsel – Stewarts Mission begünstigt hätte. So oder so konnten sich die Adler mit der guten Viertelfinalserie gegen Straubing und dem beeindruckenden Aufbäumen gegen Berlin im Halbfinale mit ihren Fans versöhnen. Die Play-offs waren um Längen besser als jene im Frühjahr 2021, als ebenfalls im Halbfinale Schluss war.
Der Blick muss nochmal geweitet werden
Das erneute Verpassen des grundsätzlichen Ziels Meisterschaft muss den Klub darin bestärken, den Weg konsequent weiterzugehen. Gross ist weg, Alavaara ist noch da. Er bürgt mit seinem Fleiß und seinem guten Scouting-Auge dafür, dass bei Neuzugängen genau hingeschaut wird – auch wenn nicht jeder passen kann. Alavaara hat zudem längst erkannt, dass der durch ihn nach Skandinavien geweitete Blick auch Richtung Osten gehen muss. Denn was aus der russisch dominierten KHL und ihren ausländischen Profis wird, ist in diesen politisch unruhigen Zeiten offen.
Der künftige Trainer muss den Weg mitgehen. In der Viertelfinalserie erntete Tom Pokel viel Sympathie in Mannheim, er hat allerdings gerade bei den Straubing Tigers verlängert. Immer wieder fallen die Namen der Kanadier Drew Bannister und natürlich Geoff Ward. Selbst Bill Stewart (64) schließt nichts aus – für sich. Und nicht vergessen sollte man, dass Klublegende Marcel Goc als Assistent Stewarts an Profil gewonnen hat für seine künftige Trainerkarriere. Die letzte, noch mal ungemein wichtige Auszeit dieser Saison am Donnerstagabend durfte er moderieren ...
