Eishockey
Adler Mannheim: Wenn Tore, Glück und das Momentum fehlen
Das Wort dieser Play-offs lautete „Momentum“. Diese Wucht, die einer gelungenen, vielleicht auch nur glücklichen Aktion oder Szene entspringt. Dieser Rückenwind, der auch einen Notausgang aus einer zuvor scheinbar hoffnungslosen Lage verheißt. Die Adler hatten sowohl im Viertelfinale gegen die Straubing Tigers als auch im Halbfinale gegen die Eisbären Berlin dieses Momentum mehrfach. Aber am Donnerstagabend blieben diese erhofften Aktionen Momente – ohne Momentum, also ohne Folgewirkung.
„Eine Mannschaft hatte es, die andere hat es gesucht“, analysierte Adler-Trainer Bill Stewart nach der 0:3-Niederlage in Berlin. Er musste gar nicht hinzufügen, dass sein Team das Momentum nicht fand.
KLubchef zieht den Hut
Ein Grund: „Wir hatten nichts mehr im Tank und konnten nichts zusetzen, weil die Aufholjagd viel Kraft gekostet hat“, sagte Klubchef Matthias Binder der RHEINPFALZ. Er verband diese Feststellung mit einer Verbeugung vor dem Team: „Ich ziehe den Hut vor der Mannschaft, wie sie diese Play-offs gespielt hat und was sie die letzten Wochen geleistet hat.“ Der Klub verlasse den Titelkampf „erhobenen Hauptes“. Auch wenn Verteidiger Korbinian Holzer direkt nach dem Spiel in seiner direkten Art feststellte: „Es geht mir ziemlich auf den Sack, dass wir ausgeschieden sind.“
Richtig ist, dass die Adler viel Kraft und Moral aufwenden mussten, um die Serie gegen den Meister nach den ersten beiden Niederlagen – trotz da schon über lange Strecken guter Auftritte – noch auszugleichen und in ein entscheidendes Spiel fünf münden zu lassen. Und ausgerechnet da, so schlicht das klingen mag, fehlte jedwedes Scheibenglück, prallte der Puck in den 50:50-Situationen entweder blöd von der Kufe des Gegners oder von der eigenen Kelle ab.
Rehabilitation nach schwieriger Saison
Allerdings legte Stürmer Tim Wohlgemuth auch den Finger in eine Wunde: „Klingt banal, aber ohne Tor gewinnst du kein Eishockey-Spiel.“ Eine „schwierige Saison insgesamt“ bilanzierte Torwart Felix Brückmann, „hintenraus haben wir alles versucht“. Sportmanager Jan-Axel Alavaara beantwortete die Charakterfrage angesichts der starken Play-offs nach wechselhafter, von zwei teaminternen Corona-Wellen beeinflusster und gegen Ende der Amtszeit von Pavel Gross sogar schlechter Punktrunde positiv: „Wenn man sieht, wie die Saison vorher gelaufen ist, ist es eine tolle Sache, dass wir nun Berlin noch mal so unter Druck setzen konnten.“
Die Trainerfrage – Bill Stewart sprang ja zunächst nur als Interimscoach ein – wollen die Adler ohne Zeitdruck beantworten, betonte Matthias Binder. Spieler wie Ilari Melart (zurück nach Finnland) und Jason Bast (zu den Kölner Haien) werden die Adler verlassen, Florian Elias wird in Schwenningen gehandelt. Taro Jentzsch kommt aus Iserlohn nach Mannheim, Stefan Loibl kehrt vielleicht aus Schweden zurück. Denkbar auch, dass es Dennis Endras schon ein Jahr vor Vertragsende zurück in die alte Heimat Augsburg zieht, die außerhalb der Saison ohnehin sein Lebensmittelpunkt ist – die Panthers suchen einen Torwart.
