Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Kevin Schley: Aus der Stille des Raumes

Stolze Spieler mit dem Adler auf der Brust: Kevin Schley (links, mit seinem Teamkollegen Leon Schröder aus Fischbach) im Jahr 20
Stolze Spieler mit dem Adler auf der Brust: Kevin Schley (links, mit seinem Teamkollegen Leon Schröder aus Fischbach) im Jahr 2020 bei einem Lehrgang der U21-Gehörlosen-Nationalmannschaft.

Seit 1992 gibt es den internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen, den 3. Dezember. Kevin Schley ist von Geburt an gehörlos. Das hindert den 21-Jährigen nicht daran, fußballerisch ein echter Hans Dampf in allen Gassen zu sein. Für das Jahr 2022 hat er etwas Besonderes im Visier.

Eine ganz normale Woche sieht bei Kevin Schley so aus: montags und mittwochs Training in Siegelbach, dienstags in Martinshöhe, freitags entweder in Siegelbach oder Martinshöhe, samstags Spiel mit dem SC Siegelbach, sonntags mit dem SV Martinshöhe. „Donnerstags habe ich frei“, sagt der Westpfälzer lachend.

Derzeit erzwungenermaßen sogar ein bisschen öfter. Denn die Frauen-Verbandsliga-Truppe des SC Siegelbach II, die der C-Lizenz-Inhaber trainiert, ist schon in der Winterpause. Und seit Sommer plagt sich der in Bruchmühlbach wohnende Schley mit einer langwierigen Verletzung herum, die seit der Vorbereitung eigene Einsätze auf der Außenbahn seines SV Martinshöhe nicht zulässt. Ein Fragment des Schienbeinknochens reizt Schleys linkes Knie nachhaltig, „die Patellasehne spielt da auch eine Rolle“. Nach einiger Zeit mit Physiotherapie, die wenig geholfen habe, hatte er zuletzt einfach pausiert. Vor knapp einem Monat hat er es dann mal versucht, den Probelauf aber nach 15 Minuten wieder abbrechen müssen. Jetzt überlegt er, sich doch operieren zu lassen.

Von Geburt an gehörlos

Kevin Schley ist seit der Geburt gehörlos. Beide Ohren seien fast gleichermaßen betroffen, erzählt er. Seit das im Alter von drei Jahren festgestellt wurde, trägt er Hörgeräte. Mit seiner Behinderung geht der Bruchmühlbacher, der erst die Augustin-Violet-Schule in Frankenthal, später zwei Jahre das Bildungs- und Beratungszentrum für Hörgeschädigte Stegen bei Freiburg besucht hat, ganz normal um. „Ich höre mit meinen Hörgeräten zwar nicht alles zu hundert Prozent. Aber wenn ich was nicht verstanden habe, frage ich halt nach.“ Steht er bei seinen Verbandsliga-Frauen an der Seitenlinie oder kickt er auf der Sickinger Höhe für seinen SV Martinshöhe, lässt er die Hörgeräte natürlich im Ohr.

Bei einem weiteren fußballerischen Standbein ist es gerade andersrum: Da muss er sie ausziehen. Egal, ob er für den Gehörlosen-Sportclub Karlsruhe spielt oder für die U21-Nationalmannschaft auf dem Feld steht, zu deren Kader er gehört. Bei einem Lehrgang in Leipzig im August 2021, glaubt er, hat er sich die jetzige Verletzung zugezogen. „Davor hatte ich gerade einmal mit meinem neuen Verein in Karlsruhe trainiert, spielen konnte ich seither für die nicht mehr“, erzählt er. 2018 war Kevin Schley mit dem deutschen U18-Nationalteam in Thailand bei der Futsal-WM für Hörbeeinträchtigte auf Platz vier gelandet. Noch ein Grund, sich jetzt vielleicht unters Messer zu legen: 2022 steht eine Gehörlosen-EM an, bei der er gerne mitspielen würde.

Zurzeit absolviert Schley an der Nikolaus-von Weis-Schule in Landstuhl eine Ausbildung zum Erzieher. Auf die obligatorischen sechs Wochen Praxis in einem Kindergarten in Bruchmühlbach im Februar freut er sich schon: „Das ist mal anderes und nicht so theoretisch wie in der Schule.“ Angst vor der Praxis hat er nicht: „ Seit 2014 bin ich ja schon jeden Mittwoch ander Grundschule in Martinshöhe, betreue Schüler bei den Hausaufgaben und leite AGs.“

Froh mit „seinen“ Frauen

Sehr zufrieden ist Schley, der zuvor in Martinshöhe schon ein Damenteam trainierte, auch mit dem bisherigen Abschneiden seiner Frauenmannschaft in Siegelbach. „Ich war ein bisschen überrascht, dass es so extrem gut gelaufen ist“, sagt er zu bisher sechs Siegen und zwei Remis des letztjährigen Abstiegskandidaten und jetzigen Tabellenfünften. „Aber die Stimmung ist Team ist klasse, das Trainerteam harmoniert, und die Vorstandschaft macht auch einen guten Job“, sagt er.

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