Handball
Kettemann weg – Rhein-Neckar Löwen kommen nicht zur Ruhe
Jennifer Kettemann ist nicht mehr Geschäftsführerin des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. In einer relativ nichtssagenden Pressemitteilung informierte der Klub am Freitag kurz nach 11 Uhr darüber, dass sich die Löwen und die 42-Jährige in „beiderseitigem Einvernehmen“ getrennt hätten. Jennifer Kettemanns Vertrag lief noch ein Jahr.
„Jenni hat die Rhein-Neckar Löwen in den vergangenen acht Jahren in vielen Bereichen enorm weiterentwickelt. Insbesondere auf den Gebieten Social Media, Sponsoring und Marketing hat sie Maßstäbe gesetzt“, lobte der Aufsichtsratsvorsitzende Lars Lamadé. Gründe für den Schritt? Fehlanzeige.
„Von Beginn an waren die Löwen, unser Sport mit seinen Werten und vor allem die Menschen im und rund um den Klub für mich eine Herzensangelegenheit. Schwierige Zeiten wie die Corona-Pandemie oder sportliche Niederlagen haben uns näher zusammenrücken lassen und stärker gemacht. (...) Sportlich sehe ich die Mannschaft für die kommende Saison gut aufgestellt. Ich bin von der Trendwende überzeugt“, erklärte Jennifer Kettemann. Auf RHEINPFALZ-Nachfrage betonte sie, für den Moment sei erst einmal alles gesagt.
Kettemann übernahm den Geschäftsführerposten im Mai 2016 für Lars Lamadé, der in den Aufsichtsrat rückte. In ihre Amtszeit fallen zwei deutsche Meisterschaften, drei Supercup-Gewinne, zwei Pokalsiege und zwei dritte Plätze in der European League. Diese Saison verlief ernüchternd, darüber konnte auch der Sprung ins Final Four nach Hamburg in der European League nicht hinwegtäuschen. In der Liga sprang nur Platz zwölf heraus, die Löwen haben den Anschluss an die Top-Mannschaften verloren.
Noch gravierender sind jedoch die finanziellen Probleme des Klubs. Uwe Gensheimer verglich kürzlich in einem RHEINPFALZ-Interview die Situation mit der im Jahr 2012, als sich Hauptsponsor Jesper Nielsen (Pandora) zurückzog. Ein dramatischer Vergleich.
Im April machte Jennifer Kettemann erhebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten und Unregelmäßigkeiten im Vertrieb öffentlich. Sie sprach von „Täuschungen und unwahren Darstellungen“ in den Büchern. Zuvor hatte sich der Klub von einem führenden Mitarbeiter der Geschäftsführung getrennt. Die Lage ist ernst, das verdeutlichte beispielsweise die Tatsache, dass der beliebte Nothelfer Tobias Reichmann nicht weiter verpflichtet werden konnte.
Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird Holger Bachert vorübergehend Kettemanns Aufgaben in der Geschäftsführung übernehmen. Er arbeitet bisher in den Bereichen Vertrieb und Sponsoring in leitender Funktion für die Löwen.