Fussball
Kölner Geißbock in höchster Gefahr
Größere Menschenansammlungen auf den Kölner Jahnwiesen werden in diesen Tagen zur Gewohnheit. Schon während des letzten Bundesligaspiels am Samstag gegen Schalke unterstützten zahlreiche Anhänger des Geißbockklubs ihr Team bei der Arbeit im Stadion gleich nebendran. Am frühen Mittwochabend rotteten sich erneut Tausende FC-Fans südlich der WM-Arena von 2006 zusammen – diesmal anlässlich des ersten Relegationsspiels des Bundesligisten gegen Holstein Kiel. Die Gäste aus dem Norden, als Zweitliga-Dritter für die finalen Nervenspiele qualifiziert, mussten diesmal noch ohne Fangesänge auskommen. Trotzdem brachten sie die klassenhöheren Kölner bei deren Mission Klassenerhalt durch ihren 1:0 (0:0)-Erfolg in die Bredouille. „Wir haben jetzt Halbzeit. Es ist überhaupt noch nichts entschieden“, betonte aber Friedhelm Funkel.
Funkels Kniff mit Hector
Er forderte sein Glück mit der Wiederholung eines schon mal gelungenen Experiments heraus: Wie beim wichtigen 2:1-Erfolg gegen Vizemeister Leipzig Ende April beorderte Kölns Cheftrainer Mittelfeldakteur Jonas Hector in die Sturmspitze. Kleiner Unterschied: Gegen RB wendete der 67-Jährige diesen Kniff erst mit Beginn der zweiten Halbzeit an, diesmal gab Hector von Anfang an den Mittelstürmer. Für ein klein wenig Aufregung sorgte der FC-Kapitän in dieser ungewohnten Rolle dann auch, als er im Kieler Strafraum den Ball eroberte, wo sein nachfolgender Schuss von Aleksandar Ignjovski noch zu einer Landung auf dem Tornetz abgelenkt wurde. Zu dem Zeitpunkt war allerdings bereits eine halbe Stunde gespielt, ohne dass sich zuvor Aufsehenerregendes ereignet hätte.
Ansatzweise gefährliche Szenen beschworen beiderseits vor allem Standards herauf. Grund genug für Torwart Timo Horn, seine favorisierten, aber noch arg zurückhaltenden Kölner Teamkollegen wenige Sekunden vor Hectors Schuss aufs Tornetz auffallend laut zu ermuntern: „Dranbleiben! Auf geht’s!“ Durchschlagenden Erfolg hatte der ganz in Gelb gekleidete Keeper mit seinen wiederholten Anfeuerungsrufen nicht.
Zum Gang in die Halbzeitpause ließen die Fans vor dem Stadion dann erst mal ein paar Böller knallen. Diese Form der Unterstützung für die FC-Spieler sorgte dafür, dass die Rheinländer auch im zweiten Durchgang die erste Gelegenheit verbuchen konnten: Beim Schuss des eingewechselten Dominick Drexler fehlten in der 54. Minute diesmal nur noch wenige Zentimeter zur Führung.
Ein schnelles Jokertor
Funkels Ensemble tastete sich an das 1:0 heran, doch plötzlich lagen die Gäste vorne – dem formidablen Riecher von Ole Werner sei Dank. Kiels junger Übungsleiter brachte mit seinem ersten Wechsel Simon Lorenz für Ignjovski ins Spiel. Kurz darauf segelte ein Eckstoß von Finn Porath vor das Kölner Tor, wurde dort von Jae Sung Lee in Richtung Elfmeterpunkt weitergeleitet – wo der noch frische Lorenz höher sprang als Hector und die Holsteiner 15 Sekunden nach seiner Einwechslung in Führung köpfte. In der letzten halben Stunde vergaben Ellyes Shkiri und Sebastian Andersson noch zwei gute Chancen für die Kölner – die beim Rückspiel am Samstag in Kiel nun eine ganz harte Nuss zu knacken haben. „Die erste Etappe ist gegangen. Wir nehmen das Selbstvertrauen, das 1:0 mit“, sagte Kiels Routinier Fin Bartels.