Fussball
Köln feuert Gisdol, Friedhelm Funkel wird übernehmen
Mit starrer Miene saß Jonas Hector am Sonntag nach Spielschluss an der Werbebande vor der menschenleeren Südtribüne, vier Minuten lang. Der Mainzer Danny da Costa setzte sich schon bald anteilnehmend neben den Kölner Kapitän, der die 2:3-Niederlage gegen die Rheinhessen irgendwie zu verarbeiten versuchte. „Ich ärgere mich extrem. Wir reißen uns jede Woche den Arsch auf und bringen uns dann um den Lohn“, meinte Hector wenig später – als die Kölner, mit nun fünf Punkten Rückstand auf Mainz und drei Zähler auf den Relegationsrang, auf den vorletzten Platz abgerutscht waren.
FC-Trainer Markus Gisdol hatte vor da Costa ebenfalls bei Hector an der Bande vorbeigeschaut – und hat seinen Job trotz des vor allem offensiv ansprechenden Auftritts seiner Mannschaft sechs Spieltage vor Schluss verloren. Die Partie gegen Mainz müsse gewonnen werden, und es sei wichtig, das auch deutlich zu machen – so lautete vorab die klare Ansage von Sport-Geschäftsführer Horst Heldt angesichts der prekären Lage.
Heldt marschiert ins Stadioninnere
Gleich nach dem Abpfiff marschierte Heldt im Rücken von Gisdol auf direktem Wege ins Stadioninnere. Nach einer Partie mit 23 Torschüssen der sonst so angriffsschwachen Kölner – die sich dafür in der Defensive einige folgenschweren Patzer erlaubten. Den ersten nach elf Minuten, als sie bei eigenem Einwurf tief in der eigenen Hälfte den Ball verloren. Zügig kombinierten sich die Mainzer auf der rechten Seite in die gefährliche Zone. Dort legte Leandro Barreiro für Jean-Paul Boetius auf, der mit einem feinen Schuss von der Strafraumgrenze via Lattenunterkante zur Gästeführung traf.
Doch Gisdols Team zeigte Nehmerqualitäten. In der 19. Minute verpasste Mittelstürmer Sebastian Andersson den Ausgleich nur um einen halben Meter, 60 Sekunden später fehlten dem Rückkehrer in die Kölner Startelf nach einer Flanke von Florian Kainz nach gekonnter Ballannahme mit der Brust sogar nur wenige Zentimeter zum Torerfolg. Das Abstiegsduell behielt einen hohen Unterhaltungswert: Nach einer guten halben Stunde verhinderte FC-Keeper Timo Horn gegen Innenverteidiger Moussa Niakhaté mit einem exzellenten Reflex einen höheren Rückstand – und schuf damit die Basis, um sein Team wieder zurück ins Spiel zu bringen. Das gelang dann kurz vor der Pause, als Referee Felix Brych ein Handspiel des Mainzers Philipp Mwene – bei einem Schuss von Kingsley Ehizibue – nach Studium der Videobilder mit einem Strafstoß ahndete. Duda verwandelte den Elfmeter mit einem platzierten Schuss ins linke Eck.
Zentner reagiert stark
Nach einer knappen Stunde verhinderte Keeper Zentner bei einem Kopfball von Duda mit einer blitzschnellen Handbewegung den zweiten Kölner Treffer – drei Minuten später war er bei einem Kopfball von Ellyes Skhiri dann machtlos. Doch nur vier Minuten später gestattete die FC-Abwehr den Gästen durch Karim Onisiwo den Ausgleich – und in der Nachspielzeit dann sogar den Siegtreffer durch Barreiro. Mainz ist nun die fünftbeste Rückrunden-Mannschaft.
„Wir haben noch sechs Spiele – in denen wir noch viel regeln können“, sagte Markus Gisdol am Ende tapfer. Und angesprochen auf seine berufliche Zukunft in Köln meinte der 51-Jährige: „Ich beurteile das jetzt nicht. Jedenfalls kann ich meinen Jungs heute keinen Vorwurf machen. Höchstens, dass sie zwei, drei Mal nicht so gut verteidigt haben.“ Aber dann kam das Aus ...
So spielten sie
1. FC Köln: Timo Horn - Ehizibue (46. Jakobs), Mere (78. Bornauw), Czichos, Katterbach (46. Jannes Horn) - Skhiri, Hector - Wolf, Duda (69. Rexhbecaj), Kainz - Andersson (76. Arokodare)
1. FSV Mainz 05: Zentner - St. Juste, Bell, Niakhaté - da Costa, Kohr, Barreiro Martins (90.+7 Hack), Mwene - Boetius (79. Latza) - Onisiwo (79. Quaison), Burkardt (55. Szalai)
Tore: 0:1 Boetius (11.), 1:1 Duda (43., Handelfmeter), 2:1 Skhiri (61.), 2:2 Onisiwo (65.), 2:3 Barreiro (90.+2) - Gelbe Karten: Duda (5), Katterbach (1) - Mwene (2) - Beste Spieler: Horn, Duda - Boetius, Niakhaté - Schiedsrichter: Brych (München)