Handball
Juri Knorr bereut nicht den Schritt aus der Komfortzone
Im Sommer wechselte Juri Knorr von den Rhein-Neckar Löwen zu Aalborg Handbold, und gerade am Anfang verstand der Deutsche in der Kabine des dänischen Klubs nur Spanisch. Im Kader des europäischen Spitzenvereins tummeln sich Akteure aus Dänemark, Schweden und Norwegen. Die Skandinavier haben die Sprachhoheit. „Wenn alle durcheinander reden, dann wird es schwierig“, sagte der Spielmacher, in den vergangenen Tagen ein Rückkehrer, denn mit der deutschen Mannschaft spielte er zweimal gegen Island als Vorbereitung auf die EM im Januar. Nach dem fulminanten 42:31-Erfolg in Nürnberg gab es am Sonntag in München eine 29:31-Niederlage.
Sprache ist entscheidend
„Durch die sprachliche Barriere verlangsamen sich gewisse Prozesse, die Integration. Ohne Sprache kannst du ja gar nicht zeigen, wer du wirklich bist. Sprache ist entscheidend“, betonte der Spielmacher. So langsam wird es: Knorr hat Sprachunterricht, und er kann schon erste Gespräche alleine führen. Einer seiner wichtigsten Ansprechpartner war Lukas Nilsson, mit dem er bei den Rhein-Neckar Löwen zusammenspielte. Der Schwede weiß, was es heißt, im Ausland zu leben.
Knorr hat als Teenager ein Jahr lang beim FC Barcelona reifen dürfen. So ungefähr wusste er also, worauf er sich einlässt. „Es war ein totaler Schritt aus der Komfortzone. Viele neue Dinge waren auf einmal da. Alle sind supernett, alle helfen mir. Ich war vier Jahre bei den Rhein-Neckar Löwen, bei denen ich mich sehr wohl gefühlt habe. Es war ein Schritt raus und auch ein harter Schritt, wenn die Realität kommt“, berichtete Knorr, dessen Wechselankündigung im September 2024 hohe Wellen geschlagen hatte. Raus aus dem Fokus der Öffentlichkeit? Mehr Ruhe? Knorr machte vor allem auch sportliche Gründe für den Ortswechsel geltend.
Schönes Wiedersehen
Es war dies nun seine erste Anreise zur Nationalmannschaft seit dem Wechsel nach Dänemark. Er hat das Wiedersehen genossen. „Ich habe mich gefreut, nach Deutschland zu kommen, bekannte Gesichter zu sehen, teilnehmen am gesellschaftlichen Miteinander“, führte er aus.
Auch Bundestrainer Alfred Gislason hat sich natürlich auf seinen Spielmacher gefreut. Und was macht er? Er setzte ihn zweimal zunächst auf die Bank, ließ die Rückraumreihe mit Marko Grgic, Julian Köster und Miro Schluroff beziehungsweise Renars Uscins los.
Fulminantes Spiel
Knorr hat das am Donnerstag auf seine Art kommentiert: In den letzten 15 Minuten vor der Pause warf er nach seiner Einwechslung sieben Tore. Am Ende kam er auf neun Treffer bei neun Versuchen. Knorr machte ein großartiges Länderspiel, auch weil er sich als Vorbereiter hervortat. „Es war ein nahezu perfektes Spiel“, sagte er nach seiner 80. Partie für Deutschland.
Knorr war spritzig, explosiv, auch wenn die Belastung in Dänemark für ihn höher ist, wie er in einem Mediengespräch vor dem Spiel in Nürnberg einräumte. Denn die Mehrfachbelastung hatte er in seiner Zeit bei den Löwen nur einmal, als das Team vorletzte Saison den Sprung in die European League schaffte. „Wir haben jede Woche zwei Spiele. Die Belastung ist sehr hoch. Wir haben häufiger Tagesreisen. Das Niveau in der Liga ist nicht so hoch. Man kann aber kein Spiel auf die leichte Schulter nehmen“, erläuterte der 25-Jährige.
Weniger dominant
Im zweiten Spiel gegen Island war er weit weniger dominant, ihm unterlief der eine oder andere Fehler. Island gewann das Spiel trotz eines starken David Späth im Tor verdient, revanchierte sich für die Klatsche.
Und mit ein bisschen Distanz – wie bewertet er seine Zeit bei den Löwen? „Ich war ja noch ein sehr junge Spieler. Ich hatte Anlaufschwierigkeiten. Peu à peu habe ich mich entwickelt. Ich bin glücklich, wie es gelaufen ist. Es war cool, es war eine gute Zeit.“