Bobsport RHEINPFALZ Plus Artikel Johannes Lochner im Interview über den Streit mit Francesco Friedrich: „Das macht den Sport kaputt“

Das Team bleibt zusammen: Bobpilot Johannes Lochner und Anschieber Georg Fleischhauer.
Das Team bleibt zusammen: Bobpilot Johannes Lochner und Anschieber Georg Fleischhauer.

Eigentlich ist es im Bobsport gute Sitte, dass sich die Top-Piloten nicht gegenseitig die Anschieber abwerben. Francesco Friedrich hat es dennoch versucht und wollte das Bobteam von Johannes Lochner sprengen. Nun spricht der im Interview.

Herr Lochner, Sie haben in diesem Herbst mächtig Schlagzeilen gemacht, weil Sie sich mit Ihrem Konkurrenten Francesco Friedrich gezofft haben. Der vierfache Olympiasieger hatte versucht, Ihren Anschieber Georg Fleischhauer abzuwerben. Hat sich alles wieder eingerenkt?
Sagen wir es mal so: Franz (Friedrichs Rufname; Anm. der Red.) wollte mir bei meiner Entscheidungsfindung, ob ich weitermache, helfen, indem er mir Georg abwirbt. Ohne Georg wäre es für mich klar gewesen, dass ich den ganzen Schmarrn nicht mehr mitmachen muss. Zuzuschauen, wie ich nur Zweiter werde, weil er mit Georg und seinem langjährigen Anschieber Alexander Schüller athletisch sehr sehr gut aufgestellt gewesen wäre, muss ich mir nicht mehr antun.

Was hat Sie zum Weitermachen bewogen?
Zunächst musste ich mir die entscheidenden Fragen beantworten.

Die da gewesen wären?
Will ich weitermachen oder nicht? Will ich Olympiagold gewinnen oder nicht?

Beide Fragen haben Sie mit einem Ja beantwortet?
Das Ergebnis fiel eindeutig aus, dass wir es auf alle Fälle versuchen wollen. Wenn ich 2026 in Cortina olympisches Gold gewinnen will, dann muss Georg in meinem Team bleiben. Er wollte es grundsätzlich auch. Also haben wir uns auf die Suche gemacht, das nötige Geld aufzutreiben. Zum Glück haben wir einen Sponsor gefunden, dem wir eine Fläche auf Georgs Mütze verkaufen konnten.

Und mit Francesco Friedrich haben Sie in Ruhe ein Bier getrunken und den Streit beendet?
Schön wär’s gewesen, aber Franz trinkt kein Bier. Nein, ich habe mich gefreut, dass er nicht das bekommen hat, was er sich gewünscht hat. Jetzt werden Georg und ich ihm im Winter Paroli bieten und alles dafür tun, dass er nicht wieder Olympiasieger wird. Ich behaupte mal, dass der Schuss für ihn eher nach hinten losgegangen ist.

Gibt’s unter Bobpiloten kein Gentlemen-Agreement, dass die Anschieber des Konkurrenten tabu sind?
Eigentlich schon. Zumindest haben wir uns bis dato nie gegenseitig die Bremser Jahr für Jahr abgeworben. Unsere Teams waren viele Jahre zusammen in den jeweiligen Besetzungen unterwegs und eigentlich stand es für mich außer Frage, seine Topleute abzuwerben. Franz wusste ganz genau, dass ich bei einem Wechsel von Georg aufgehört hätte. Das hätte bedeutet, dass er gar keinen Gegner mehr gehabt hätte und höchstwahrscheinlich in den kommenden zwei Jahren alle Rennen gewinnen würde. Das macht den Sport kaputt, weil sich mit einem Seriensieger keiner mehr fürs Bobfahren interessiert.

Spannung hat das Bobfahren über viele Jahre aus dem Zweikampf Lochner gegen Friedrich gezogen. Im vergangenen Jahr hat sich die Situation hat sich ein wenig geändert, als plötzlich Adam Ammour aufgetaucht ist. Fürchten Sie ihn?
Bislang hat Adam nicht so den ganz starken Eindruck hinterlassen. Er braucht noch ein wenig, scheint es. Adam ist halt auf den deutschen Bahnen stark, auf den internationalen Bahnen muss er noch Lehrgeld bezahlen. Ich denke, Richtung 2030 passt es dann für ihn, wenn er sich so weiterentwickelt wie zuletzt. Aber es gibt noch weitere Jungs, die nachdrängen. Ob das Hans-Peter Hannighofer, Maximilian Illmann oder Alexander Czudaj sind. Zum Glück haben wir Alten noch die Nase vorne.

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