Tischtennis
Jetzt bleiben nur noch die Einzel
„Ich werde mir noch ein paar Videos anschauen und dann mal sehen“, sagte Nina Mittelham am Donnerstag. Kurz zuvor hatte die 25-Jährige das Achtelfinale bei den European Championships erreicht und einen Blick voraus gewagt. In der Runde der besten 16 trifft die Deutsche am Freitag auf Andreea Dragoman aus Rumänien. Gelungen war ihr der Einzug in die nächste Runde durch ein klares 4:1 im innerdeutschen Duell gegen Wan Yuan.
Insgesamt stehen vier deutsche Tischtennis-Spielerinnen im Achtelfinale und halten damit die Hoffnungen auf eine Medaille bei den Europameisterschaften aufrecht. Das sorgt für etwas Entspannung bei der Spitze des Verbandes, denn die ersten Wettbewerbe bei der Heim-EM gingen, gelinge gesagt, in die Hose. Bei den Finalspielen der Doppel-Konkurrenzen Donnerstagabend waren keine deutschen Teams mehr im Rennen, dabei räumten die Vertreterinnen und Vertreter des Deutscher Tischtennis-Bund (DTTB) in den zurückliegenden Jahren auf europäischer Ebene in den Doppeln regelmäßig ab.
Nicht in Bestform
Bei den Damen war für Mittelham und ihre Partnerin Sabine Winter dieses Mal aber im Viertelfinale Schluss – und so sind die Deutschen weiterhin Medaillenlos. „Die Enttäuschung ist sehr groß“, bekannte Lokalmatadorin Winter. „Wir hätten sehr gerne hier vor heimischem Publikum unsere Leistung abgerufen und eine Medaille geholt. Leider waren wir hier im Doppel nicht in Bestform.“ Nicht nur dem deutschen Doppel ging das so.
Im Doppel der Herren und dem Mixed-Wettbewerb waren die deutschen Paare ebenfalls allesamt früh rausgeflogen, obwohl sie als Medaillenanwärter an die Tische gegangen waren. Die Rudi-Sedlmayer-Halle in München wurde bislang nicht zum Medaillenbecken des DTTB – wie insgeheim gehofft worden war. Die Enttäuschung der Führungsspitze ist groß, doch bislang halten sich die Mitglieder des Präsidiums zurück. Schließlich hoffen sie darauf, dass in den Einzelwettbewerben der Umschwung gelingt.
Vor einem Jahr noch positive Schlagzeilen
Vor einem Jahr machte der DTTB überwiegend positive Schlagzeilen, als die Männer bei den Olympischen Spielen in Tokio über sich hinauswuchsen. Im Team-Wettbewerb, der in München nicht Teil des Programms ist, forderten die Deutschen im Finale die übermächtigen Chinesen heraus und freuten sich danach über die Silbermedaille. Im Einzel schnupperte Dimitrij Ovtcharov im Halbfinale an einer Sensation, scheiterte hauchzart am chinesischen Superstar Ma Long, gewann aber einen Tag später die Bronzemedaille. Der Tischtennis-Sport war in Deutschland tagelang ein Gesprächsthema. Von dieser Stimmung ist bei den European Championships nicht viel zu spüren.
„Ich war sehr nervös“, gestand Mittelham nach dem Einzug ins Achtelfinale des Einzelwettbewerbs der Frauen. Wie sie geht es in München vielen ihrer Landsfrauen und -männern. Es wirkt so, als sei der Heimvorteil für sie eine Belastung – ganz im Gegensatz zu den Erfahrungen bei vielen Sportarten dieser Multi-EM.
Timo Bolls großes Comeback
Immerhin, bei den Herren sind die favorisierten Deutschen noch im Wettbewerb. Ovtcharov, Patrick Franziska sowie der ewig junge Timo Boll, die allesamt zu den Medaillenkandidaten zählen. Benedikt Duda und Dang Qiu komplettieren das Quintett, das am Freitag in der Runde der letzten 32 an die Tische geht. Boll gelang dabei in der ersten Runde ein bemerkenswertes Comeback gegen einen Polen. Mit 1:3 in Sätzen und 3:7 lag der Titelverteidiger zurück und es deutete viel auf einen weiteren Rückschlag der deutschen Ambitionen in der Rudi-Sedlmayer-Halle hin. Doch der Routinier schaffte die Aufholjagd und zog unter dem Jubel der Zuschauer in die nächste Runde ein.
Apropos, bislang blieb die Tischtennis-Halle hinsichtlich der Stimmung hinter den übrigen Wettkampfstätten in München zurück. Bei den Doppel-Endspielen am Donnerstag waren die Tribünen nur spärlich gefüllt, ohne deutsche Asse kam nur das Fachpublikum.
In den restlichen Tagen in München soll sich das aber noch ändern. „Wir bauen darauf, dass wir von den Fans getragen werden“, hatte Boll vor dem EM-Auftakt gesagt. Spätestens am Sonntag bei den Finals der Herren werden viele Zuschauer erwartet – sofern dann noch ein Deutscher im Rennen ist.