FCK
Jean Zimmers Rückkehr: Schängemanns Glück
Wann immer Jean Zimmer die Garage des schmucken Eigenheims in Stetten nahe Kirchheimbolanden betritt, schlägt sein Herz ein wenig schneller. Da steht er, sein Traum. In voller Pracht. Und wartet nur darauf, begutachtet oder vielleicht sogar ein bisschen bewegt zu werden. Einmal im Monat darf er raus, der Ford Mustang 1967, ein anderes Baujahr wäre für Jean Zimmer gar nicht infrage gekommen. „Er riecht sehr, sehr schön nach altem Auto“, sagt der 27-Jährige und wirkt dabei fast ein bisschen verklärt, „meine Frau mag es gar nicht, ich liebe es. Ich hatte das Glück, dass der Freund eines Freundes ihn verkauft hat und ich zuschlagen konnte.“ Die Garage grenzt an den Wohnraum, und steht die Tür ein bisschen zu lange offen, dann kann es „schon mal kurz Diskussionen“ geben, sagt Zimmer und setzt sein lausbubenhaftes Grinsen auf.
„Schängemann“, wie Lauterns Kölscher Co-Trainer Frank Döpper Jean „Schäng“ Zimmer ruft, ist wieder daheim. 2016 hat er den 1. FC Kaiserslautern unter Tränen verlassen. Es folgten Beschäftigungsverhältnisse beim VfB Stuttgart und Fortuna Düsseldorf. In der Rückserie der Vorsaison war er ausgeliehen, nun steht er bei den Roten Teufeln fest unter Vertrag. Das neue Domizil ist bezogen. „Wir haben ein wunderschönes Haus gefunden, in dem wir uns sehr schnell eingelebt haben“, sagt Zimmer. In Stetten, dieser „schnuckeligen“ Ortsgemeinde im Donnersbergkreis, etwa 40 Kilometer von Kaiserslautern entfernt gelegen, „mit ein bisschen Distanz zur Stadt“, die Zimmer wichtig war, mit Kindergarten, Grundschule, „mit allem, was wir uns gewünscht haben.“ Wir, das sind Ehefrau Sara Magdalena und Töchterchen Lotte, die freilich zu klein ist, als dass sie an der Wohnortwahl hätte teilhaben können.
Eine starke Frau und ein Post mit Nebenwirkungen
Sara Magdalena lernte Zimmer während seiner Stuttgarter Zeit über das Soziale Netzwerk Instagram kennen. Beide fanden schnell zusammen, teilten rasch eine Wohnung, heirateten. In Stetten genießen die Zimmers im Unterschied zu Düsseldorf einen kleinen großen Luxus: Seine Eltern und die Schwester, zu denen er ein inniges Verhältnis pflegt, wohnen in der Nähe. Ein Anruf genügt, der Babysitter eilt herbei – und der Abend im Restaurant ist gesichert. „Das sind Kleinigkeiten, die vorher nicht gingen“, sagt Zimmer, „sie sind in einer halben Stunde da, und wir können uns auf die Socken machen. Das sind Vorzüge, die wir genießen.“ Seine Gemahlin halte ihm eh stets „extrem den Rücken frei“.
Unlängst postete Sara Magdalena, ein Dorfkind, wie sie auf ihrer eigenen Internetseite schreibt, jedoch einen Beitrag bei Instagram, der Unruhe stiftete. Ein Bild zeigte den Gatten, wie er Gegenstände durchs Haus hievte. Der Gatte allerdings war gerade verletzt – er hatte Rücken und konnte nicht spielen. „Grundsätzlich haben wir beim Umzug alles machen lassen. Das Teil, was ich gehoben habe, wiegt maximal drei Kilo“, erzählt Zimmer, „ich hatte ja keinen Bandscheibenvorfall ...“ Doch er fehlte einige Wochen.
Eine Siegesserie in Abwesenheit und ein spezielles Duell
Wochen, in denen der FCK zu einer Siegesserie anhob und sich manch einer die Frage stellte, wo Jean Zimmer seinen Platz in der Mannschaft denn wohl finden würde, sobald er wieder fit wäre. Zimmer selbst, so sagt er, plagte sich nicht mit derartigen Gedanken. „Im Endeffekt ist es immer gut, wenn man verletzt zuhause auf der Couch sitzt und die Jungs gewinnen die Spiele. Jeder von uns ist als Teamsportler in eine Mannschaft gerückt, für mich steht der Sieg der Mannschaft im Vordergrund. Und ich bin lange genug dabei, um zu wissen, wie schnell es geht, wie schnell jeder Einzelne wieder gebraucht wird.“ Obendrein sei er auch Fan des FCK. „Wir müssen Spiele gewinnen, möglichst viele, insofern ist das mehr oder weniger egal, wer auf dem Feld steht.“ Obwohl er selbst das natürlich gerne täte, immer.
An diesem Sonntag (ab 14 Uhr) wird es gegen die Würzburger Kickers wohl wieder soweit sein. Der Kapitän dürfte ob zweier fehlender „Stammkräfte“ in die Startelf rücken. Für Trainer Marco Antwerpen ist es ein spezielles Duell. Er stand in der vorigen Saison bei den Franken unter Vertrag, wurde nach fünf Partien aber entlassen. „Wir sollten das Spiel angehen wie jedes andere“, sagt Zimmer, „aber mit hundertprozentiger Sicherheit wäre es für ihn eine Genugtuung, wenn wir drei Punkte einfahren würden.“ Mit einem Sieg ließe es sich auch für Zimmer leichter heimkommen. Lotte wird mit ihren Tonie-Figuren oder ihren Kuscheltieren spielen und ihm ein Lächeln schenken. Sie hat ein Bällebad, in das sie gerne purzelt, kickt aber noch keine Kugeln durch die Gegend. „Das würde ich auch verhindern wollen“, scherzt Zimmer.
Vielleicht, wenn der FCK gewonnen hat, gönnt er sich zur Belohnung ja eine kleine Spritztour mit seinem Mustang. Die Garagentür macht er danach besser zu. Sonst gibt es Ärger.

