Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffenheim düpiert die Bayern

Das 1:0 durch Ermin Bicakcic ist unterweg.
Das 1:0 durch Ermin Bicakcic ist unterweg.

Von wegen unschlagbar. Nach zehn Monaten verlor der FC Bayern wieder. Bei der TSG 1899 setzte es eine völlig verdiente 1:4-Niederlage – und das nach 32 unbesiegten Spielen. Die Gastgeber waren bärenstark und das hatte Gründe.

Bayern-Trainer Hansi Flick und sein Mittelstürmer Robert Lewandowski gingen direkt nach dem Halbzeitpfiff gemeinsam in die Kabine. Sie nutzten die kurze Strecke für einen kleinen Plausch. Das Thema war klar: Wann wäre der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel? Der Top-Stürmer kam nach knapp einer Stunde, eine Wende konnte er der Partie nicht mehr geben. Nach dem anstrengenden europäischen Supercup-Finale am Donnerstag in Budapest gegen den FC Sevilla (2:1 nach Verlängerung) funkte Lewandowski am Samstag SOS, räumte ein, müde zu sein – und genau das galt gestern für die gesamte Mannschaft. Der Akku war leer nach all den Fabeltaten der vergangenen Monate.

Viele Unzulänglichkeiten

Die großen Bayern hatten zu viele kleine Unzulänglichkeiten in ihrem Spiel. Und sie trafen auf eine konzentrierte, sehr selbstbewusste und top eingestellte TSG 1899 Hoffenheim. Was für ein Tag, was für ein Sieg für Sebastian Hoeneß, den Ex-Bayern-Trainer, bei seinem ersten Heimspiel. Diese Hoffenheimer Elf trumpfte furios auf. „Wir haben wahnsinnig verteidigt. Was bedeutet mir der Sieg? Der Sieg bedeutet mir zunächst, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir müssen den Sieg einordnen, die Bayern hatten 120 Minuten in den Knochen. Wir müssen cool bleiben“, betonte Sebastian Hoeneß und dachte da bereits wieder an das nächste Spiel am Samstag bei Eintracht Frankfurt.

Auch voller Müdigkeit kann man Top-Leistungen bringen – die These von Hansi Flick entpuppte sich als Irrtum. Die Bayern spielten und spielten und spielten, aber sie knackten einfach nicht den Abwehrriegel der Gastgeber. Den Angriffen fehlte die Dynamik, die Präzision. Der Sieg der TSG 1899 hätte eigentlich noch viel höher ausfallen können. Munas Dabbur vergab noch zwei Riesenchancen.

Flick: Kein Vorwurf

„Kein Vorwurf an meine Mannschaft. Wir haben es Hoffenheim bei den Gegentoren zu einfach gemacht. Offensiv hatten wir nicht die Durchschlagskraft wie sonst. Wir müssen die Niederlage abhaken und die Dinge rausnehmen, die uns besser machen“, meinte Bayern-Coach Hansi Flick.

Früh deckten die Hoffenheimer auf, dass die Bayern gestern nicht ganz auf der Höhe waren. Das 0:1 fiel nach einem Eckball durch Ermin Bicakcic, beim 2:0 nutzte Munas Dabbur die Lücken in der Abwehr, und düpierte auch noch Torhüter Manuel Neuer. Das 1:2 durch Joshua Kimmich erregte die Gemüter der Hoffenheimer Spieler und der Zuschauer. Denn Kimmich zirkelte den Ball ins Netz, während Ermin Bicakcic verletzt am Boden lag. Der Innenverteidiger knickte um, als er sich Leroy Sané an die Fersen heftete und musste ausgetauscht werden. Die Bayern waren unzufrieden, irritiert, gereizt. Nur so ist es zu erklären, dass auch Manuel Neuer den Ball nicht ins Aus schlug, als am Ende der ersten Halbzeit Kevin Vogt nach einem Zusammenprall in seinem Strafraum liegen blieb.

Hoffenheim mit viel Willen

Bis zur 77. Minute hoffte der erfolgsverwöhnte Champion noch auf ein passables Ende, dann machte der erneut überragende Andrej Kramaric mit seinem 3:1 alles klar. Was für einen Willen die Hoffenheimer gestern besaßen, dokumentiert die Szene, die zum Elfmetertor von Andrej Kramaric führte: Der eingewechselte Stürmer Ilhas Bebou ließ sich einfach nicht abschütteln, fiel, stand auf und wurde erst final von Manuel Neuer im Strafraum gelegt. Kramaric ließ sich die Elfmeterchance nicht entgehen und erhöhte auf 4:1.

6030 Zuschauer durften gestern in der Sinsheimer Arena den Coup ihrer Mannschaft verfolgen. Und 6030 Zuschauer können ganz schön viel Lärm machen. Sie waren aus dem Häuschen. Fußball mit Fans – herrlich.

So spielten sie

TSG 1899 Hoffenheim: Baumann - Posch, Vogt, Bicakcic (38. Skov) - Akpoguma, Geiger (58. Gacinovic), Samassekou, Kaderabek - Baumgartner (59. Bebou) - Dabbur (80. Grillitsch), Kramaric

FC Bayerm München: Neuer - Pavard (57. Goretzka), Boateng, Alaba, Davies - Kimmich, Tolisso (72. Musiala) - Müller - Gnabry, Zirkzee (57. Lewandowski), Sané (72. Coman)

Tore: 1:0 Bicakcic (16.), 2:0 Dabbur (24.), 2:1 Kimmich (35.), 3:1 Kramaric (77.), 4:1 Kramaric (90 . + 2) - Gelbe Karten: Baumgartner, Geiger, Kramaric - Boateng, Neuer - Beste Spieler: Kramaric, Vogt, Dabbur - Kimmich, Boateng - Zuschauer: 6030 - Schiedsrichter: Brand (Unterspiesheim).

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