EM-Impressionen
Herzogenaurach ächzt unter der Hitze
Bei Adidas gab es gestern bestimmt hitzefrei. Auf dem Open-Air-Parkplatz in der Nähe der Firmenzentrale des Sportartikelherstellers in Herzogenaurach waren deutlich Lücken auszumachen.
Auch Herzogenaurach stöhnte unter der unglaublich Hitze.
Die deutschen Spieler machten sich am Nachmittag auf den Weg nach München zu ihrem zweiten EM-Spiel, hier, auf dem Gelände des Großsponsors hat die Nationalmannschaft während der Europameisterschaft zunächst Quartier bezogen.
Schmucke Stadt
In der schmucken Stadt ist vom Besuch der Prominenz nicht viel zu spüren. Auf dem Weg in die Altstadt weht eine deutsche Flagge im lauen Lüftchen. Am Freitagmittag war nur derjenige unterwegs, der unbedingt etwas zu erledigen hatte. Zwei Knirpse überlegten, wie sie zum Schwimmen kommen, ohne andauernd in der Sonne herumzulaufen. Der historische Kern ist sehr hübsch, ein Fachwerkhaus reiht sich an das andere. Hier, weg von den großen Spielern Adidas, Puma und Schaeffler, geht es sehr gemütlich zu. Etliche Geschäfte sind für den exquisiten Geschmack, Matratzen, Kosmetik, Pflanzen, sie fallen aus dem üblichen Rahmen. Einen Schnelltest-Stand sah ich auch.
Ordnung muss sein
Ordnung muss sein: Der Herr von der Behörde zieht auch bei 31 Grad seine Runden, und schaut sich auf dem Parkplatz um, ob auch jeder Besucher brav sein Ticket gelöst hat. Es ist ruhig in Herzogenaurach, mit einer Ausnahme: Vor dem Adidas-Outlet-Store gibt es auch mittags eine respektable Schlange. Aber die Kunden müssen nicht lange warten, bis sie eintreten dürfen, höchstens fünf Minuten, dann geht es weiter.
Und ansonsten? Es kann durchaus noch kompliziert sein, ein Hotelzimmer in Corona-Zeiten zu buchen. Auf einem der Internetportale habe ich mir einen ziemlich gemütlichen Landgasthof in Frauenaurach ausgesucht. Frauenaurach ist ein Stadtteil von Erlangen, rund fünf Kilometer von Herzogenaurach entfernt. Ich wollte dort in Ruhe schreiben, abends mal schauen, ob auf dem Dorf irgendwo Public Viewing ist. Mein Herz lachte, als ich das schöne kleine, romantische Hotel sah.
Nur: Es war niemand da. Die Tür war verschlossen, ich klingelte, auch privat, hinten am Haus, schreckte die Nachbarn auf, bat inständig um Hintergrundinformationen über die Familie, vergeblich, hatte keine Chance. Was tun? Ich wusste zu wenig. Ich wäre so gerne unter die Dusche gehüpft nach drei Stunden Fahrt.
Kurzum: Ich fuhr weiter, rief alle zehn Minuten im Hotel an, schrieb noch eine E-Mail, alles zwischendurch, ohne Erfolg. Was blieb mir anderes übrig? Ich musste mir eine andere Unterkunft suchen, ich konnte nicht mehr warten, sicher war sicher. In der Nähe von Adidas sah ich zufällig ein Hotel-Hinweisschild, am Nachmittag steuerte ich die Herberge an. Es war noch ein Zimmer frei.
Und als ich dann mein Tagewerk begann, in dem anderen Hotel, rief Frau Müller an und entschuldigte sich. Sie warb um Verständnis, dass die Rezeption nicht rund um die Uhr besetzt ist. Ihr Betrieb läuft nach der Corona-Zwangspause jetzt erst so langsam wieder an, berichtete sie. „Wir haben noch nicht so viele Gäste“, erzählte sie. Ich äußerte mein Bedauern, sie äußerte ihr Bedauern, und wir verblieben: Bis zum nächsten Mal!

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports