FCK
Heiße Tage am „Betze“: Ehrmann-Klage, Dick-Rückkehr und etwaige Planinsolvenz
Es ist eine knifflige Situation. Für alle Beteiligten und in jeder Hinsicht. Am 6. März hat Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern einer Vereinsikone, die jahrzehntelang Publikumsliebling war, die fristlose Kündigung ausgesprochen: Torwarttrainer Gerry Ehrmann (61) war zuvor am 23. Februar von Arbeitgeber FCK weger „massiver, substantieller Beleidigungen, Arbeitsverweigerungen und Drohungen gegenüber dem Trainerteam“ freigestellt worden. Ehrmann bestreitet die Vorwürfe.
Nach Darstellung des FCK scheiterten mehrere Versuche einer gütlichen Einigung; sie seien mit einem entsprechenden finanziellen Angebot und mit dem Ziel einer gemeinsamen Erklärung verbunden gewesen. Nun hat Ehrmann Klage gegen „seinen“ Klub eingereicht, dem er sich andererseits emotional immer noch sehr verbunden fühle. Das machte der nun 61-Jährige, der seit 1984 beim FCK war, erst als Bundesliga-Schlussmann und später als Torwarttrainer, in einem RHEINPFALZ-Gespräch am Mittwoch deutlich.
Bis zum Gerichtstermin dauert es noch
Arbeitsrichter Alexander Benra, der mit dem Prozess in Kaiserslautern betraut wird, bestätigte der RHEINPFALZ den Eingang der Klage beim Gericht vorerst per Fax. In aller Regel beraumt der Richter zunächst einen ersten Gütetermin an. Dies wird sich nach Einschätzung Benras noch einige Wochen hinziehen: Wegen der Coronavirus-Pandemie sei am Lauterer Arbeitsgericht „alles auf Mindestmaß heruntergefahren“, Verhandlungen finden bis mutmaßlich mindestens 20. April nicht statt. „Und dann haben wir einen Riesenberg von Fällen vor uns. Da wird der Fall Ehrmann nicht der erste sein, den wir behandeln“, sagt Benra. Inwieweit Verhandlungen dann wie sonst üblich öffentlich sein können in den Zeiten des Abstandhaltens während der Corona-Pandemie, ist ebenfalls noch nicht absehbar.
Streit mit FCK-Trainer Schommers
Hintergrund der großen Differenzen zwischen dem Torwarttalentschmied und dem FCK sind wohl länger schwelende Konflikte Ehrmanns mit einem Teil des Trainerteams von Chefcoach Boris Schommers (41). Die waren offenbar in einem Streit zwischen Ehrmann und Schommers am Morgen des 23. Februar gegen 8.45 Uhr im voll besetzten Trainerbüro auf dem „Betze“ gegipfelt. Schommers als Ehrmanns vorgesetzter Abteilungsleiter beim FCK teilte Ehrmann daraufhin mit, er dürfe bis auf Weiteres nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Nachdem der Disput sehr schnell öffentlich geworden war, erfolgte noch am selben Tag die Freistellung Ehrmanns durch den FCK.
„Das geht mir alles noch sehr nach“
Zum Einreichen seiner Klage gegen die Kündigung nach den knapp 36 Jahren beim FCK wollte sich Ehrmann am Mittwoch im Telefongespräch aus juristischen Gründen nicht detailliert äußern. „Schlimm genug, dass es so weit gekommen ist und was da alles passiert ist. Das geht mir alles noch sehr nach. Ist doch klar nach all den Jahren“, sagte der 61-Jährige. „Aber das Allerwichtigste ist doch jetzt in diesen Zeiten, dass die Leute gesund bleiben. Und ich hoffe, dass es beim FCK weitergeht, dass der FCK auch diese Krise übersteht.“ Nicht viel zu tun zu haben, das ist auch für Ehrmann nach fast 36 Jahren im Profigeschäft nicht einfach. Daheim in Alsenborn arbeitet er in Zeiten der Ausgangsbeschränkung viel im Garten, beschäftigt sich mit Autoputzen. Und klar: „Ein bisschen Fitnesstraining“, sagt er, „kann ich zu Hause machen.“ Das Warten geht weiter – auch in der kniffligen Causa Ehrmann.
Florian Dick lernt am „Betze“ Sportfachwirt
Zurück am „Betze“ ist Ex-Kapitän Florian Dick. Der 35-Jährige arbeitet ab sofort während seiner auf 18 Monate ausgelegten Umschulung zum Sportfachwirt nach dem Karriereende für den FCK – in der Verwaltung und im Sportbereich.
Indes: Wenn der DFB wie die DFL den Punktabzug als Strafe für eine Insolvenz in der Corona-Krise abmildert, ist für den Klub eine geordnete Planinsolvenz eine von mehreren Überlebensstrategien. So könnte sich der FCK von einer Investoren abschreckenden Schuldenlast befreien. Die Verbindlichkeiten betragen rund 20 Millionen Euro. Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt betonte, man prüfe in der „hochbrisanten wirtschaftlichen Situation“ alle Optionen, um der „Verantwortung gegenüber dem Klub gerecht zu werden“.
