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Hansi Flick in der Zwickmühle
Mit Unruhe im Verein kennt sich der FC Bayern aus. Aufgeregtheiten gehören beim Rekordmeister zum Geschäft wie die vielen Titelgewinne. Man gehe deshalb „ganz entspannt“ damit um, ließ Präsident Herbert Hainer bei „Sky 90“ wissen. Genau diesen Eindruck vermitteln aber die Protagonisten eines Zwists, der längst zum Machtkampf geworden ist, im Moment nicht.
Trainer Hansi Flick und die Mannschaft haben Mühe, den Fokus auf das Viertelfinal-Rückspiel am Dienstag (21 Uhr) in der Champions League bei Paris St. Germain zu legen. Und da steht eine Herkulesaufgabe bevor: Mit einem 2:3 aus dem ersten Vergleich und mehr als einer Handvoll Verletzten muss der Titelverteidiger versuchen, doch noch das Halbfinale zu erreichen. „Es ist noch alles drin – das weiß auch Paris“, sagte Joshua Kimmich.
Wann redet Flick Klartext?
Flick ist in der Zwickmühle. Einerseits weiß er, dass er sein „Nächste-Frage-Spielchen“ nicht bis Saisonende wird durchziehen können. Andererseits ist der Zeitpunkt, mitten im Kampf um noch zwei Titel, ziemlich ungeeignet zu sagen, was im Sommer passiert, vor allem wenn er, wie zu erwarten, die Bayern verlassen will.
Denn was passieren kann, wenn ein Trainer seinen Abschied frühzeitig bekannt gibt, ist bei Borussia Mönchengladbach zu sehen. Flick würde den sportlichen Erfolg, und damit auch seinen persönlichen beim FC Bayern aufs Spiel setzen – und die Diskussionen gäbe es immer noch, dann eben die um seine Nachfolge. Er kann frühestens für Klarheit sorgen, wenn der Titelkampf entschieden ist. Der eine, der in der Champions League, kann sich vielleicht schon am Dienstag erledigen, der andere, der in der Bundesliga, dauert noch ein paar Wochen, aber vielleicht eben nicht bis Saisonende.
Während sich die Vereinsoberen im Machtkampf zwischen Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Moment mehr als Zuschauer verstehen, beziehen die Bayern-Fans Stellung – und sind sich einig, wer der Sieger sein muss: Jedenfalls nicht Salihamidzic. Der als Spieler so beliebte Bosnier hat offenbar viel Kredit verspielt. Er war im Umfeld des Vereins lange viel kritischer gesehen worden als bei den Anhängern, die immer noch diesen unermüdlichen Rackerer auf dem Feld vor Augen hatten. Die vergangene Saison, in der nach Flicks Beförderung vieles perfekt lief, der Kader, für den Salihamidzic ja mitverantwortlich war, als Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Triple galt, schien nicht nur für den Trainer die Reifeprüfung, auch für den Sportvorstand. Aber da hatte sich das Konfliktpotenzial längst andeutet. In der Winterpause der vergangenen Saison forderte Flick öffentlich Transfers – und hat sich von Salihamidzic, ebenfalls öffentlich, dafür tadeln lassen müssen.
Zwist bricht wieder auf
Der Zwist brach wieder auf, als der Sportvorstand seine Last-Minute-Schnäppchen im Herbst präsentierte. Flick wollte einen Ersatz für Thiago, Leistungsträger im Mittelfeld, sowie Ivan Perisic und Philippe Coutinho, beides glänzende Kader-Alternativen, und noch einen starken Außenverteidiger. Bekommen hat er in Douglas Costa, Bouna Sarr und Marco Roca bestenfalls drei Mitläufer. Allein der ebenfalls im Herbst noch geholte Eric Maxim Choupo-Moting erfüllte – neben Sommer-Transfer Leroy Sané – den Anspruch des Trainers.
Der Burgfrieden, den die beiden vor ein paar Wochen schlossen, endete schnell. Spätestens am vergangenen Mittwoch, als Salihamidzic Jérome Boateng mitteilte, dass er keinen neuen Vertrag in München bekommt.
Gut: Torjäger Robert Lewandowski hat nach seiner Knieverletzung wieder das Lauftraining aufgenommen.