Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Handball -Nationalmannschaft: Es herrscht wieder Normalität

Christian Prokop bleibt wenig Zeit, um seine Mannschaft auf die EM im Januar vorzubereiten.
Christian Prokop bleibt wenig Zeit, um seine Mannschaft auf die EM im Januar vorzubereiten. Foto: dpa

In diesen Tagen zeigt sich einmal mehr, unter welchen Bedingungen der Bundestrainer arbeiten muss. Christian Prokop hat zwischen zwei Reisetagen ein paar Übungseinheiten Zeit, seine Mannschaft auf die Länderspiele gegen Kroatien vorzubereiten. Die Zeitspanne vor der EM im Januar ist noch kürzer.

Was war das für ein Luxus vor einem Jahr. Christian Prokop hat sich längst mit den Gegebenheiten in seinem Job arrangiert und lamentiert deshalb nicht. In Momenten der Ruhe dürfte der Bundestrainer aber mit Wehmut an die jüngere Vergangenheit zurückdenken. Vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land durfte der Handball-Lehrer seine Spieler im Dezember 2018 für einen extra freigeräumten Termin zum Trainingsbetrieb einladen, und zwecks Einübens für das große Turnier in Deutschland wurde gar ein Spieltag verlegt, um Trainer und Mannschaft vor dem Jahreshöhepunkt im Januar mehr Zeit zu geben.

Weil aber eine Europameisterschaft in Norwegen, Schweden und Österreich nicht den gleichen Stellenwert wie eine WM im eigenen Land hat, muss Prokop jetzt in die Normalität zurückkehren – und die bedeutet: eine Lehrgangswoche im Oktober und ein paar Tage im Januar als Einstimmung auf das kontinentale Kräftemessen.

Das Halbfinale bleibt das Ziel

Die Ziele bleiben allerdings identisch, wie vor einem Jahr soll das deutsche Team das Halbfinale erreichen. „Dann wollen wir möglichst einen Schritt weiterkommen“, sagt Prokop. Die Ansprüche im weltweit größten Landesverband sind groß, auch wenn die Voraussetzungen schwierig sind. Nach der Reise der Mannschaft am Montag nach Zagreb gab es gestern Zeit für zwei Trainingseinheiten, heute (19.30 Uhr, live bei zdf.de) steht der erste Vergleich gegen Kroatien an. Am Donnerstag geht es zurück, ehe nach einem Trainingstag am Samstag das zweite Match gegen das Team vom Balkan in Hannover angesetzt ist.

„Für mich haben die Partien gegen Kroatien einen hohen Wert, weil wir gegen eine Top-Nation testen können“, erklärt Prokop. Nach den Begegnungen gegen die Kroaten stehen im Januar Testpartien gegen Tschechien und in Österreich an, wobei beide keine Medaillenanwärter bei der EM sein werden.

Immerhin gibt es leichte Gegner in der EM-Vorrunde

Unter dieser schwierigen Ausgangslage ist es ein Vorteil, dass der europäische Handball-Verband (EHF) die EM aufgestockt hat, jetzt 24 statt 16 Nationen teilnehmen und nicht mehr jedes Vorrundenduell ein Kraftakt sein dürfte. Die Deutschen treffen in Norwegen zunächst auf die Niederlande, ehe mit Spanien ein ebenbürtiger Gegner wartet. Zum Vorrundenabschluss geht es anschließend gegen Lettland – wie die Niederlande ein Kontrahent aus der zweiten Garde.

Während der ersten Turnierphase können sich die deutschen Handballer im besten Fall also noch weiter einspielen, was nötig sein dürfte, denn der Kader dürfte sich wieder verändern. Im Tor hat Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) aktuell schlechte Karten und wurde für diesen Lehrgang durch Dario Quenstedt (THW Kiel) ersetzt.

Luca Witzke verletzt sich

Die Ausbootung des charismatischen Keepers aus der Hauptstadt hat viele Schlagzeilen produziert, viel relevanter ist jedoch die Rückkehr von Julius Kühn (MT Melsungen) im linken Rückraum, der nach auskuriertem Kreuzbandriss wieder ins Spiel integriert werden muss. Die größte Problemposition bleibt weiterhin die Rückraummitte. Linkshänder Fabian Wiede (Füchse Berlin) könnte für die EM die erste Wahl sein, spielt im Klub aber im rechten Rückraum. Eine Option – zumindest für die Zukunft – soll Luca Witzke sein. Der 20-Jährige vom SC DHfK Leipzig wird sein Debüt heute aber nicht feiern – er brach sich im Training in der kroatischen Hauptstadt das Nasenbein.

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